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Sachsenforst „produziert“ Wissen für die Forstpraxis

Sachsenforst „produziert“ Wissen für die Forstpraxis

Beim diesjährigen Tag von Sachsenforst am 2. April in Dresden-Pillnitz präsentierte sich das Kompetenzzentrum Wald und Forstwirtschaft von Sachsenforst als Leistungserbringer für die forstliche Praxis.
Prof. Dr. Hubert Braun, Geschäftsführer von Sachsenforst, stellte in seinem Resümee vor über 200 Tagungsteilnehmern fest: „Unser Kompetenzzentrum Wald und Forstwirtschaft als ein integraler Bestandteil von Sachsenforst erbringt Leistungen für die forstliche Praxis. Sowohl unser Forstbetrieb im Landeswald als auch die sächsischen Waldbesitzer profitieren von der Grundlagenarbeit unserer Forschungseinrichtung und können die forstliche Bewirtschaftung den neusten Erkenntnissen anpassen. Sachsenforst ist somit ein Kompetenzzentrum für Wald und Forstwirtschaft mit einem angeschlossenen Forstbetrieb.“
Neben dem sächsischen Staatsminister für Umwelt und Landwirtschaft, Frank Kupfer, konnte Professor Braun auch zahlreiche private, körperschaftliche und staatliche Waldbesitzer sowie Vertreter von Naturschutzverbänden, der Holzwirtschaft und von Universitäten sowie forstlichen Forschungseinrichtungen begrüßen.
Der Klimawandel ist existent und die staatlichen, privaten und körperschaftlichen Waldbesitzer müssen darauf reagieren und die richtigen Konsequenzen für die Waldbewirtschaftung ziehen. „Das zum Staatsbetrieb Sachsenforst zugehörige Kompetenzzentrum Wald und Forstwirtschaft legt die Grundlagen dafür, dass wir dem Ziel, ökologisch stabile und leistungsfähige Wälder aufzubauen, täglich einen Schritt näher kommen“, so Braun weiter.
Forstminister Kupfer bezeichnete das Kompetenzzentrum Wald und Forstwirtschaft als effizientes Bindeglied zwischen der forstlichen Ressortforschung und der Waldbewirtschaftung aller Eigentumsarten.
Dr. Rainer Petzold (Referent Standorterkundung im Kompetenzzentrum Wald und Forstwirtschaft) referierte über den aktuellen Stand der Standortkartierung in Sachsen. Die Standortkartierung ist die Grundlage für eine nachhaltige Waldbewirtschaftung und dient dem Erhalt, der Steuerung und Verbesserung von Ökosystemleistungen (Multifunktionalität des Waldes). Die Waldböden, vor allem aber die Klimabedingungen unterliegen einem deutlichen Veränderungsprozess. Wichtig ist, dass forstliche Standortbedingungen als dynamische Faktoren in die waldbaulichen Planungen und Modellierungen einbezogen werden.
Martin Baumann (Referent Waldschutz, Waldbau im Kompetenzzentrum Wald und Forstwirtschaft) stellte die Waldentwicklungstypen als Grundlage für eine dynamische Waldbaustrategie vor. Sie schaffen die Verbindung zwischen einem vorhandenen Ausgangszustand und dem langfristigen waldbaulichen Ziel. Die Richtlinie zu den Waldentwicklungstypen besteht aus zwei Teilen. Teil 1 enthält neben den standörtlichen Grundlagen und Begriffsbestimmungen auch Grundsätze zur Verjüngung sowie eine Beschreibung der waldbaulichen Entwicklungsziele (Zielzustände). Teil 2 wird sich mit Behandlungskonzepten für die Ausgangszustände und darauf aufbauend mit den spezifischen Maßnahmen für die Waldentwicklungstypen befassen. Die Richtlinie zu den Waldentwicklungstypen wird das waldbauliche Handeln der nächsten Jahre im sächsischen Staatswald maßgeblich beeinflussen.
Dr. Wolfgang Beck (wissenschaftlicher Mitarbeiter am Thünen-Institut für Waldökosysteme in Eberswalde) hat ausländische und einheimische Fichten-Provenienzen hinsichtlich herkunftstypischer Zuwachsreaktionen auf Witterungsstress verglichen und präsentierte gestern wesentliche Ergebnisse seiner Forschungsarbeiten. Die von ihm untersuchten Fichtenbestände befinden sich nach einer immissionsbedingten Wachstumsdepression in den 1970er und 1980er Jahren seit etwa 20 Jahren in einer Zuwachshochphase. Es ist aber davon auszugehen, dass Fichtenbestände mit zunehmender Erwärmung vermehrt trockenheitsbedingten Stressphasen ausgesetzt sind und insbesondere in den unteren Mittelgebirgslagen und im Tiefland einen Waldumbauschwerpunkt in Sachsen darstellen.
Karina Hoffmann (Referentin Fernerkundung, Waldmonitoring im Kompetenzzentrum Wald und Forstwirtschaft) hat die Dienstleistungen der Fernerkundung für die forstliche Praxis vorgestellt. Die Anwendung von Luftbildern und Geländemodellen im Rahmen von geographischen Informationssystemen (GIS) sind für die forstliche Praxis inzwischen selbstverständlich. Auf dem Gebiet der Fernerkundung wurden in der Vergangenheit jedoch große Fortschritte erzielt. Insbesondere die Erfassung von Waldzustandsdaten (z. B. Baumhöhen und Baumarten) sowie die Erfassung von Schadereignissen (z. B. Sturmwurf oder Insektenkalamitäten) im Wald sind aktuell und zukünftig von großer Bedeutung. Mit den neuen Methoden der Fernerkundung wird eine ganz neue Datenbasis und Datenqualität für alle Waldeigentumsarten geschaffen. Insbesondere im sächsischen Privatwald können die Fernerkundungsdaten die Informationslage und damit die Beratungsqualität entscheidend verbessern.
Dr. Heino Wolf (Referatsleiter Forstgenetik, Forstpflanzenzüchtung im Kompetenzzentrum Wald und Forstwirtschaft) erläuterte die umfangreichen Maßnahmen, die Sachsenforst gemeinsam mit zahlreichen Partnern unternimmt, damit der Bestand der Schwarz-Pappel in Sachsen wieder zunimmt. Es ist ein gemeinsames Anliegen der Forstwirtschaft und des Naturschutzes, die Schwarz-Pappel als einen natürlichen Bestandteil der flussbegleitenden Auenwälder stärker zu schützen, zu pflegen und zu entwickeln. Die Schwarz-Pappel ist ein Bestandteil der natürlichen Auenvegetation, besitzt Pionierbaumeigenschaften, ist ein schnellwachsender Biomasse- und Stammholzproduzent und sollte auch in den Waldbaukonzepten stärker berücksichtigt werden.
 
Der Wissenstransfer verläuft nicht als Einbahnstraße
Die fünf Fachvorträge vermittelten eindrucksvoll, dass forstliche Theorie und forstliche Praxis unmittelbar zusammengehören. Der Wissenstransfer verläuft nicht als Einbahnstraße, sondern funktioniert in Sachsen in beide Richtungen. Nur so wird auch gewährleistet, dass die Ergebnisse der forstlichen Ressortforschung unmittelbar durch die Forstpraktiker zur Anwendung gelangen.
Für diesen Wissenstransfer ist das Kompetenzzentrum Wald und Forstwirtschaft als integraler Bestandteil von Sachsenforst von großer Bedeutung.
Die Fachvorträge stehen im Internet unter www.sachsenforst.de zur Verfügung.
SBS/Daniel Thomann

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