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Sachsen: Waldzustandsbericht 2013

Sachsen: Waldzustandsbericht 2013

Die Waldzustandserhebung wurde 2013 in Sachsen im Juli und im August an 283 Stichprobepunkten mit 6 792 begutachteten Bäumen durchgeführt. Am 19. Dezember stellte Forstminister Frank Kupfer die Ergebnisse in Dresden vor. „Die sächsischen Wälder sind in diesem Jahr wie auch in den Vorjahren in einem guten Zustand“, so Kupfer. „Der Gesundheitszustand liegt seit 2008 ungefähr auf gleichbleibendem Niveau.“ Auffällig sind allerdings Unterschiede in einzelnen Regionen und bei verschiedenen Baumarten. „Während es den Wäldern im Erzgebirge immer besser geht, nimmt der Anteil geschädigter Bäume im Vogtland und in Ostsachsen tendenziell wieder zu“, so der Minister. „Bei den Baumarten zeigen Buche und Fichte einen im Durchschnitt verbesserten Kronenzustand, bei Kiefer und Eiche müssen wir hier dagegen leichte Verschlechterungen feststellen.“Die Rahmenbedingungen für das Waldwachstum waren 2013 trotz der Wetterextreme (kaltes Frühjahr, nasser Frühsommer mit Hochwasser, heißer und trockener Hochsommer) insgesamt günstig. Die Starkniederschläge im Juni 2013 verursachten zwar vor allem im Erzgebirge erhebliche Schäden an der forstlichen Infrastruktur – in den Waldbeständen gab es in diesem Jahr jedoch keine massiven Schadereignisse. Auch die beiden Orkane „Christian“ und „Xaver“ hinterließen im Freistaat Sachsen kaum Bruch- oder Wurfholz. „Solche Extremereignisse werden sich in den kommenden Jahren aber sicher häufen“, sagte Kupfer. „Deshalb müssen und werden wir den eingeschlagenen Weg beim Waldumbau hin zu standortgerechten, strukturreichen und damit stabilen und vitalen Mischwäldern konsequent fortsetzen.“ In der Ende November durch das Kabinett verabschiedeten Waldstrategie 2050 ist das Ziel festgeschrieben, bis zur Hälfte des Jahrhunderts den Waldumbau auf den kritischen Standorten weitgehend abzuschließen. Dafür müssen im Landeswald pro Jahr durchschnittlich 1 300 Hektar Wald umgebaut werden. Bis 2050 soll es somit auf ca. 80 000 Hektar neue Mischwälder geben. Der Freistaat wird den Waldumbau im nichtstaatlichen Wald auch weiterhin unterstützen, damit hier bis 2050 ca. 30 000 Hektar neue Mischwälder stehen. „Eine zwingende Voraussetzung für den Erfolg des Waldumbaus ist die Herbeiführung waldverträglicher Schalenwildbestände“, so der Minister weiter. „Mit den Neuerungen im Sächsischen Jagdgesetz haben wir dafür verbesserte Rahmenbedingungen geschaffen.“Die Schäden an Eichenbeständen durch die sogenannte „Eichenfraßgesellschaft“ (Eichenwickler, Schwammspinner sowie Frostspanner-Arten) und das erneute Auftreten des Eichenprozessionsspinners in der Dresdner Heide und in Nordsachsen zeigen, dass diese Schädlinge weiterhin erhöhte Aufmerksamkeit verdienen. Auch deshalb hält der Freistaat am forstlichen Umwelt- und Waldschutzmonitoring im europäischen Verbund fest, um vorbeugend und im akuten Bedarfsfall die richtigen Maßnahmen zur Erhaltung des Waldes einleiten zu können.Wesentliche Ergebnisse der Waldzustandserhebung 2013:Der Kronenzustand der Waldbäume liegt im Jahr 2013 bei baumartenspezifischer und regionaler Differenzierung im Schwankungsrahmen der Vorjahre. Der Kronenzustand der Laubbäume bleibt schlechter als bei den Nadelbäumen. Mit 17,5 Prozent ist die mittlere Kronenverlichtung aller Baumarten um etwa einen Prozentpunkt gegenüber dem Vorjahreswert (16,6 Prozent) angestiegen. Die kombinierten Schadstufen aus Kronenverlichtung und Verfärbungen ergeben 2013 folgende Schadstufen: 37 Prozent der Waldbäume sind gesund (Schadstufe 0), 46 Prozent sind schwach geschädigt (Schadstufe 1) und 17 Prozent zeigen eine deutliche Beeinflussung des Kronenzustandes (Schadstufen 2 bis 4).Im inzwischen 23-jährigen Beobachtungszeitraum zeichnen sich mehrere Phasen der Verbesserung und Verschlechterung des Kronenzustandes ab. Erst ein detaillierter Blick auf die verschiedenen Baumarten, Wuchsgebiete und Baumalter lässt die Dynamik im Kronenzustand der Bäume in Sachsen erkennen. Besonders sensitiv auf Umweltfaktoren reagieren ältere Bäume (über 60 Jahre). Hier ist seit 1991 ein positiver Trend in der mittleren Kronenverlichtung festzustellen.

Für die Fichte weist die aktuelle Waldzustandserhebung unverändert einen mittleren Nadelverlust von 16 Prozent auf. In die Gruppe mit deutlichen Nadelverlusten und/oder Verfärbungen fallen 13 Prozent der Bäume. Damit wird das Niveau der Jahre 2003 bis 2005 erreicht. Die positive Entwicklung im Verlauf der Zeitreihe basiert vor allem auf der kontinuierlichen Verbesserung des Kronenzustandes älterer Fichten, speziell in den oberen Lagen der Gebirge. So nahmen die mittleren Nadelverluste bei den über 60-jährigen Fichten in den höheren Berglagen von 36,2 Prozent im Jahr 1996 auf nunmehr 17,3 Prozent ab. Die waldbauliche Zielstellung zum zukünftigen Anbau der Fichte berücksichtigt die gegenwärtigen Einschätzungen zur Vitalität.

Die von Schneebruch im Herbst/Winter 2012/2013 betroffenen Fichtenbestände boten im Frühjahr mit ihren geschädigten und geschwächten Bäumen ideale Brutmöglichkeiten für die Borkenkäferentwicklung. Bedingt durch die kühl-feuchte Frühjahrswitterung und die geringen Ausgangsdichten aus dem Vorjahr begann die Schwärmaktivität von Buchdruckern und Kupferstechern sehr verhalten. Aufgrund des warmen Sommers im Juli und August 2013 wurde mit der Anlage von Geschwisterbruten und der neuen Käfergeneration allerdings wieder ein durchschnittliches Niveau erreicht.

Die mittleren Nadelverluste bei der Kiefer betragen in diesem Jahr 17,4 Prozent. Die Kiefer ist damit die Baumart mit der höchsten Zunahme der Nadelverluste. Der in den vergangenen vier Jahren annähernd konstante Anteil deutlich geschädigter Kiefern verdoppelt sich auf 14 Prozent. Auch der Anteil schwach geschädigter Bäume (derzeit 53 Prozent) steigt zulasten der ungeschädigten Bäume (derzeit 33 Prozent) an. Damit setzt sich der zwischen 2008 und 2012 aufgetretene Verbesserungstrend nicht weiter fort.

Die Kiefer ist periodisch wiederholt Massenvermehrungen verschiedener forstlich relevanter Schädlinge ausgesetzt, deren Populationsdichten im Rahmen des Forstschutzmeldewesens kontinuierlich überwacht werden. Während der in den vergangenen Jahren festgestellte Populationsanstieg der Schmetterlingsart Nonne trotz lokal zum Teil starker Fraßschäden (zum Beispiel im Bereich der Muskauer Heide) vorerst stagniert, zeigt der Kiefernspinner einen Dichteanstieg. Regional auffällig war in diesem Jahr in Nordostsachsen die Entnadelung des jüngsten Nadeljahrganges auf ca. 1 200 Hektar Kiefernbeständen, verursacht durch Kiefernnadelgallmückenarten.

Die Eichen zeigen von Natur aus eine hohe Variabilität in der Belaubung mit einer ausgeprägten Regenerationsfähigkeit. Der aktuelle Anteil der Bäume mit ungünstigem Kronenzustand liegt bei 52 Prozent und damit neun Prozent über dem Vorjahreswert. Dieses Niveau wurde letztmals 2004 erreicht. Der mittlere Blattverlust stieg merklich auf 29,3 Prozent an. Als Ursache für die Belaubungsdefizite kommen in erster Linie wiederholter Insektenfraß und der sehr kalte Winter in Betracht. Die ringporige Baumart erleidet rasch Frostrisse und Embolien in den Leitgefäßen.
Die mittlere Kronenverlichtung der Rotbuche sinkt abermals leicht ab und erreicht 22,5 Prozent. Der Anteil der Bäume mit ungünstigem Kronenzustand beträgt 33 Prozent. Als vital und voll belaubt werden 30 Prozent taxiert. In Verbindung mit dem abermals geringen Fruchtbehang setzt sich damit die Erholung nach dem Trockenjahr 2003 fort. Das Inventurergebnis für die Rotbuche ist vor allem auch deshalb positiv zu werten, da sie in der Stichprobe das höchste Durchschnittsalter aufweist.
SMUL

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