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Sachsen: Naturschutzfachlicher Schlussstein auf Erstaufforstung in Wiederau gesetzt

Sachsen: Naturschutzfachlicher Schlussstein auf Erstaufforstung in Wiederau gesetzt

Am 8. April 2017 wurde mit einer öffentlichen Pflanzaktion die Erstaufforstung von Teilen des ehemaligen Sendergeländes in Wiederau (Stadt Pegau – Landkreis Leipzig) abgeschlossen. Die Aufforstung umfasst insgesamt 8,35 ha. Sie ist für den waldarmen Südraum von Leipzig bezüglich ihrer Größe und Baumartenzusammensetzung etwas Besonderes.

Die aufgeforsteten Flächen sind Eigentum der Stadt Pegau. Diese erwarb die Flächen nach der Stilllegung des Senders zur Erstaufforstung. 
Das gesamt Areal ist auf dem Gebiet der ehemaligen Elsteraue gelegen. Die Standorte werden nicht mehr regelmäßig überflutet, weisen jedoch noch immer Merkmale eines Auestandortes mit hoher Bodengüte und Grundwassernähe auf. Die neuen Waldbestände sind mit Eichen, Ulmen und Erlen durch Baumarten des Hart- und Weichholzauwaldes gekennzeichnet und naturnah zusammengesetzt. 
Die Pflanzung erfolgte in den zurückliegenden Wochen im Wesentlichen durch eine Baumschule. Die Arbeiten wurden und werden im Auftrag der Stadt Pegau durch die Stiftung Wald für Sachsen und dem Forstbezirk Leipzig (Sachsenforst) betreut.
Als Abschluss der Fertigstellung hatten Stadt und Stiftung am 8. April zum öffentlichen Pflanztermin geladen, um noch etwa 2.000 Bäume gemeinsam zu setzen.
Neben vielen Freiwilligen der umliegenden Gemeinden folgten auch zahlreiche Vertreter aus Politik und Verwaltung der Einladung, um beim Abschluss der Arbeiten mit Hand anzulegen.
Ringen um einen Interessenausgleich
In ihren Grußworten stellten Landrat Henry Graichen, Bürgermeister Frank Rösel und Walter Christian Steinbach als Kuratoriumsvorsitzender der Stiftung Wald für Sachsen die Bedeutung der Erstaufforstung für die Region sowie das intensive Ringen aller Beteiligten um einen Interessenausgleich zwischen naturschutzfachlichen, landwirtschaftlichen und forstlichen Zielstellungen in den Mittelpunkt. Forstbezirksleiter Andreas Padberg ging anschließend mit seiner Ansprache auf eine besondere Baumart dieser Erstaufforstung ein: die gebietsheimische und vom Aussterben bedrohte Schwarzpappel. Diese Baumart war früher in allen Flussauen Deutschlands heimisch. Im Zuge von Flussbegradigungen, Urbanisierung und Waldflächenverlust ist ihr Bestand inzwischen auf wenige Exemplare in Sachsen zusammengeschrumpft.
Generhaltung der Schwarz-Pappel
Umso wertvoller ist somit die Pflanzung von 640 heimischen Schwarz-Pappeln aus einem Forschungsprojekt des Staatsbetriebes Sachsenforst auf der Erstaufforstungsfläche einzuschätzen. Sie bilden auf rund 1 ha im Süden des Areals den naturschutzfachlichen Schlussstein des neuen Waldes. Die Anlage des Generhaltungsbestandes Pegau-Wiederau stellt damit bis heute die umfangreichste Maßnahme zur Wiedereinbringung der Schwarz-Pappel in Sachsen dar.
Die Schwarz-Pappel ist ein bedeutender Lebensraum und Nahrungsquelle für eine Vielzahl von Lebewesen wie Käfer, Schmetterlingen, Motten und andere. Ein Verlust dieser Baumart hätte somit schwerwiegende Auswirkungen auf die Artenvielfalt und die Vielfalt der Lebensräume. Die Erhaltung und Förderung der vorhandenen Schwarz-Pappel-Vorkommen durch geeignete Maßnahmen zur Erhaltung und Wiederansiedlung sind daher wichtige Anliegen der Forstwirtschaft sowie des Naturschutzes.
Sachsenforst und NABU gemeinsam für die Rettung der Schwarz-Pappel
Seit 2012 führt Sachsenforst unter Leitung von Dr. Heino Wolf (Kompetenzzentrum Wald und Forstwirtschaft – Sachsenforst) auf Initiative und in enger Zusammenarbeit mit dem Naturschutzbund, Landesverband Sachsen (NABU) verstärkt Maßnahmen zur Rettung der Schwarz-Pappel durch. Dabei handelt es sich um die Erfassung noch vorhandener Vorkommen und deren Erhaltung sowie die Bereitstellung von geeignetem Saat- und Pflanzgut für Wiedereinbringungsmaßnahmen. Darin enthalten sind molekular-genetische Untersuchungen zur Artidentität und genetischen Vielfalt in den Vorkommen und den erzeugten Nachkommen.
Die erfolgreiche Wiedereinbringung und damit die Rettung der Schwarz-Pappel in Sachsen erfordert Geduld und eine offene, kooperative Zusammenarbeit zwischen Naturschutzverbänden, staatlichen und kommunalen Institutionen sowie Grundstückseigentümern. Die Aufforstung in Pegau-Wiederau ist dafür ein gutes Beispiel.
Staatsbetrieb Sachsenforst

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