Waldschutz

Sachsen: Borkenkäfer verlassen ihre Winterquartiere

Bearbeitet von Jörg Fischer

Sobald die Temperaturen wieder steigen und die Tage im Frühjahr länger werden, erwachen Borkenkäfer und andere Schadinsekten aus der Winterruhe und schwärmen auf der Suche nach neuen Brutbäumen aus – auch in Sachsen.

Waldbesitzerinnen und Waldbesitzer sowie die im Wald arbeitenden Menschen haben jetzt viel Arbeit vor sich, denn aufmerksames Handeln ist geboten: Gefährdete Waldbäume sind intensiv auf frischen Insektenbefall zu kontrollieren. Die frisch befallenen Bäume müssen gefällt und aus den Wäldern abgefahren oder im Wald unschädlich gemacht werden, bevor die neue Käfergeneration diese verlassen kann.

Auch in diesem Jahr werden Buchdrucker (oberer, größerer Käfer) und Kupferstecher (unterer, kleinerer Käfer) die Fichten in Sachsen erheblich schädigen.
Auch in diesem Jahr werden Buchdrucker (oberer, größerer Käfer) und Kupferstecher (unterer, kleinerer Käfer) die Fichten in Sachsen erheblich schädigen.
Foto: F. Matschulla

Schäden und Sanierung auf Rekordniveau

Im Vergleich zum Rekordjahr 2019 sind die Schadholzmengen in Sachsen – vor allem bei der Baumart Fichte – im Jahr 2020 etwas zurückgegangen (von rund 2,2 auf 1,8 Mio. m³). Dieser Trend wurde durch die gemeinsamen Anstrengungen der Waldbesitzer und ihren Zusammenschlüssen sowie der Forstbehörden und Forstunternehmer erreicht. Positiv wirkten sich auch günstigere Witterungsbedingungen (mehr Niederschlag) in einigen Regionen Sachsens aus. Dennoch ist die Situation in den sächsischen Wäldern immer noch sehr angespannt: Schäden durch Borkenkäfer befinden sich weiterhin auf einem historisch hohen Niveau. Gleichzeitig haben die Schäden bei Kiefern und Laubbäumen besonders im Hügel- und Tiefland durch die immer noch zu geringen Wasservorräte in den Böden weiter zugenommen.

Die Kiefer, die die Wälder in den nördlichen Regionen Sachsens prägt, wird durch Borkenkäfer und Pilzkrankheiten geschädigt.
Die Kiefer, die die Wälder in den nördlichen Regionen Sachsens prägt, wird durch Borkenkäfer und Pilzkrankheiten geschädigt.
Foto: F. Matschulla

Die Aufarbeitung des geschädigten Holzes konnte im vergangenen Jahr deutlich verbessert werden. Eine rasche sowie frühzeitige Befallserkennung, der Einsatz zahlreicher Helfer und eine ausreichende Anzahl forstlicher Unternehmer ermöglichten eine zügige Sanierung der entstandenen Schäden. „Insbesondere im Kleinprivatwald jedoch, ist die Situation aufgrund der gegenwärtigen Rahmenbedingungen weiterhin schwierig“, betonte Reinhard Müller-Schönau, Vorsitzender des Sächsischen Waldbesitzerverbandes e. V.. Besitzer sehr kleiner Waldflächen haben kaum Zugriff auf Forstfachkräfte und kostspielige Forsttechnik, sie verfügen außerdem oft nicht über forstliches Fachwissen, so Müller-Schönau. Er ergänzte: „Weiterhin setzen drastisch gesunkene Holzpreise und gleichzeitig deutlich gestiegene Pflanzenpreise die zahlreichen Waldbesitzer zusätzlich unter enormen Druck.“

Abgestimmtes Krisenmanagement und ungewisse Entwicklung

Die forstlichen Akteure in Sachsen arbeiten bei der Schadensbehebung eng zusammen. Eine eigentumsübergreifende Erfassung und Aufarbeitung der Schäden soll in Gebieten forciert werden, die besonders betroffen sind und wichtige Waldfunktionen erfüllen – denn für die Ausbreitung der Borkenkäfer spielen die Grenzen des Waldeigentums keine Rolle.

Auf größeren Schadflächen wird die Pflanzung forciert, um einer schnellen Ausbreitung von Gräsern oder Brombeere zuvorzukommen. Da, wo von Natur aus keine oder nicht an den Standort angepasste Baumarten nachkommen, müssen neue, für künftige Herausforderungen geeignete, Bäume gepflanzt werden.

Die weitere Entwicklung des Schadgeschehens ist neben der schnellen Erkennung von frischem Befall und der Umsetzung der Gegenmaßnahmen insbesondere von der Witterung abhängig. Ausbleibende Niederschläge, insbesondere während der Vegetationszeit, aber auch Stürme und hohe Temperaturen können die Schäden wieder deutlich ansteigen lassen.

Unterstützungsmöglichkeiten und Hilfe zur Selbsthilfe für Waldbesitzer

Waldbesitzer können gemeinsam handeln und sich für eine gemeinschaftliche Bewirtschaftung ihrer Flächen zu Forstbetriebsgemeinschaften zusammenschließen oder sich bestehenden anschließen. Der Zusammenschluss bringt für die Waldbesitzer vielerlei Vorteile: Zum einen kann teure Forsttechnik auf allen Flächen gemeinsam genutzt werden. Zum anderen können durch die gebündelte Vermarktung des Holzes bessere Preise erzielt werden. Waldwege können über Eigentumsgrenzen hinweg unkompliziert gebaut und unterhalten werden. Die Pflanzenbestellung beispielsweise für die Wiederaufforstung kann zentral organisiert werden. In Sachsen agieren derzeit 22 Forstbetriebsgemeinschaften mit insgesamt rund 1.650 Mitgliedern und einer zusammengeschlossenen Fläche von etwa 51.300 ha.

Waldbesitzer und Forstbetriebsgemeinschaften können sich zu allen Fragen der Waldbewirtschaftung und Schadensbewältigung von den Revierleitern von Sachsenforst kostenlos beraten lassen. Sachsenforst bietet für Waldbesitzer im Rahmen der Aus- und Fortbildung auch fachliche Veranstaltungen und Schulungen an. Diese können derzeit jedoch aufgrund der Corona-Beschränkungen nur sehr eingeschränkt oder als Videokonferenz durchgeführt werden. Über die weiteren Möglichkeiten der Unterstützung vor Ort informiert die Waldbesitzer der zuständige Revierleiter.

Private und körperschaftliche Waldbesitzer können die Förderrichtlinie Wald und Forstwirtschaft für die Bewältigung der Waldschäden und den Waldumbau in Anspruch nehmen. Für Maßnahmen zur Borkenkäferbekämpfung sowie für die Wiederbewaldung der Schadflächen stehen seit 2020 bis zum Jahr 2023 insgesamt rund 38 Mio. € zur Verfügung.

Was sollten Waldbesitzer jetzt tun?

  • Mit dem Beginn des Schwärmens sind die Wälder in den nächsten Monaten intensiv auf frischen Befall durch Borkenkäfer und andere Schadinsekten zu kontrollieren. Besonders gefährdet sind die sehr anfälligen Reinbestände aus Fichten, Kiefern oder Lärchen, in denen bereits im Vorjahr Befall aufgetreten ist.
  • Bei frischem Befall ist sofort zu handeln. Solange die Entwicklung der Larven noch nicht abgeschlossen ist, können mechanische Gegenmaßnahmen ergriffen werden.
  • Die befallenen Bäume müssen gefällt und die Stämme so schnell wie möglich aus dem Wald gebracht werden, um den Ausflug der neunen Käfergeneration und damit ein Übergreifen auf gesunde Bäume und das Absterben ganzer Waldgebiete zu verhindern.
Befallene Bäume müssen rasch gefällt und aus dem Wald abtransportiert werden.
Befallene Bäume müssen rasch gefällt und aus dem Wald abtransportiert werden.
Foto: L. Sprenger

Den richtigen Ansprechpartner bei Sachsenforst finden Waldbesitzer in der Förstersuche. Hier gibt’s die aktuellen Informationen zur Borkenkäfersituation in Sachsen. Das Waldbesitzer-Portal erreichen Sie über diesen Link. Der Sächsische Waldbesitzerverband e. V. stellt sich auf seiner Webseite vor.

Quelle: Sachsenforst/WBV Sachsen