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Sachsen: Artenschutz und Forstwirtschaft miteinander im Einklang

Sachsen: Artenschutz und Forstwirtschaft miteinander im Einklang

Seit 1973 ist der 3. März der Tag des Artenschutzes. Eingeführt wurde er mit der Unterzeichnung des Washingtoner Artenschutzabkommens. „Naturschutz ist integraler Bestandteil unserer nachhaltigen und multifunktionalen Forstwirtschaft. Die Förster und Waldbesitzer leisten einen wichtigen Beitrag für den Artenschutz“, sagt Landesforstpräsident Prof. Dr. Hubert Braun anlässlich des diesjährigen Artenschutztages.

Im letzten Jahr hat Sachsenforst rund 19 Mio. € in Naturschutzleistungen investiert. Diese Summe kommt auch dem Artenschutz zu Gute.
„Der seit Jahren durchgeführte Waldumbau ist die größte Naturschutzleistung im sächsischen Staatswald. Durch das Einbringen von Buchen, Eichen, Weißtannen, Bergahorn und zahlreichen weiteren Laubbaumarten haben sich die Waldbilder in Sachsen in den letzten 20 Jahren sichtbar verändert. Wichtig ist jedoch, dass wir auch spezielle Arten berücksichtigen, die nicht im täglichen Fokus der Öffentlichkeit stehen“, so Landesforstpräsident Prof. Braun.
Maßnahmen zum Schutz des Eschen-Scheckenfalters
Der Forstbezirk Leipzig widmet sich beispielsweise einer in Deutschland sehr seltenen Tagfalterart, dem Eschen-Scheckenfalter (Euphydryas maturna). Sein letztes Refugium in Sachsen hat er im Leipziger Auenwald auf rund 40 ha südlich von Schkeuditz. „Die sächsische Population ist sehr klein. Im vergangenen Jahr wurden lediglich 17 Falter beobachtet. Deshalb setzen wir im Staatswald Sofortmaßnahmen um, die von Experten im Auftrag des Sächsischen Landesamtes für Umwelt, Landwirtschaft und Geologie in einem Aktionsplan festgelegt wurden“, sagt der örtliche Revierleiter Carsten Pitsch. So werden entlang der Waldwege besonnte Jungeschen freigestellt und blütenreiche Staudensäume durch Mahd gefördert. Auf einer 1 ha großen Versuchsfläche wird zusätzlich erprobt, ob der Mittelwald als besondere Wirtschaftsweise die kleine Population ebenfalls stützen kann.
Eine neue ernste Gefährdung für den Falter stellt das Eschentriebsterben dar. Die Erkrankung wird durch den aus Asien stammenden Schlauchpilz Falsches Weißes Stängelbecherchen (Hymenoscyphus fraxineus) ausgelöst. Sie kann schwerwiegende Schäden an Eschen aller Altersklassen hervorrufen und zum Absterben von Ästen oder Bäumen führen. Ein Großteil der Eschen im Leipziger Auenwald weist bereits Schäden auf. Etliche stark geschädigte Bäume mussten in den vergangenen Jahren bereits gefällt werden.
Die Population des Eschen-Scheckenfalters wird seit mehreren Jahrzehnten kontrolliert. Zunächst sporadisch durch interessierte Entomologen. Seit 2006 unterliegt das Vorkommen dem Feinmonitoring der FFH-Arten (Fauna-Flora-Habitat-Richtlinie der EU) in Sachsen und wird seitdem regelmäßig erfasst.
Lebenszyklus des Eschen-Scheckenfalters
Falter: Der Eschen-Scheckenfalter besiedelt warmfeuchte, sehr lichte Auenwälder. Hauptflugzeit ist die erste Junihälfte. Gelegentlich werden erste Falter bereits Ende Mai beobachtet, daher auch der Name „Kleiner Maivogel“. Bevorzugt werden weiße Blüten angeflogen, beispielsweise Dolden von Giersch oder Holunder.
Eier: Die zitronengelben Eier werden an die Unterseite der Fiederblätter der Esche gelegt. Die Zahl liegt bei ca. 250 bis 350 Eier.
Raupen: Nach einer etwa dreiwöchigen Eientwicklungszeit schlüpfen die Räupchen. Sie leben in einem Gespinst bis zur zweiten oder dritten Häutung zusammen, um danach die Eschen zu verlassen. Die Gespinste findet man zumeist in Höhen zwischen 2 m und 10 m. Im ersten Jahr fressen die Raupen ausschließlich an Eschenblättern. Die Überwinterung findet am Boden in der Laubstreu statt. Die Gespinste befinden sich im Juli an den Eschentrieben.
Puppe: Die Verpuppung erfolgt Anfang bis Mitte Mai. Nach 3 Wochen schlüpfen die Falter und der Zyklus beginnt erneut.
Staatsbetrieb Sachsenforst

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