Newsletter
ABO
Zeitschriften
Service

Sachsen-Anhalt: Waldzustandsbericht 2012

Das massenhafte Auftreten von Schadinsekten bereitet den Förstern derzeit in Sachsen-Anhalt die meisten Sorgen. Landwirtschafts- und Umweltminister Dr. Hermann Onko Aeikens sagte in Magdeburg am 19. November bei der Vorstellung des Waldzustandsberichtes 2012, allein in diesem Jahr mussten mehr als 8.200 Hektar Eichen- und Kiefernwälder aus der Luft behandelt werden. 2011 waren es 3.500 Hektar. Aeikens: „Die Bekämpfungsmaßnahmen waren wirkungsvoll. Aber wir stellen uns schon jetzt darauf ein, auch im kommenden Jahr Insektizide einsetzen zu müssen. Es zeigen sich erste Anzeichen, dass der Kieferspinner im Nordosten Sachsen-Anhalts im kommenden Jahr ins Visier genommen werden muss.“ Aeikens sagte, es werde immer wichtiger, die Entwicklung der Schadinsekten intensiv zu verfolgen. Aeikens: „Die Zusammenarbeit des Landeszentrums Wald und der Nordwestdeutschen Forstlichen Versuchsanstalt im Waldschutzmeldeportal hat sich bewährt. Doch um effektiver und schneller auf Schadinsektenbefall reagieren zu können, müssen wir das Monitoring ausbauen. Das Landeszentrum Wald erstellt derzeit ein Konzept, wie alle Waldbesitzer in das Monitoring und das Melden von Schäden eingebunden werden können.“
Im Durchschnitt zeigten die Untersuchungen der Baumkronen einen stabilen Gesundheitszustand des Waldes in Sachsen-Anhalt. Im Vergleich mit den Vorjahren gebe es kaum Veränderungen. Betrachte man allerdings gezielt einzelne Baumarten, zeige sich ein differenziertes Bild, so der Minister. Bei der Eiche liegt der Anteil starker Schäden höher als bei anderen Baumarten. Vor allem die älteren Eichen erlitten im Beobachtungszeitraum 2011/12 einen Erkrankungsschub. Ursache sind in erster Linie das Zusammenspiel von Witterungsextremen und Schadinsekten, wodurch die Wasserversorgung der Bäume gestört wird. Der starke Befall durch Eichenprozessionsspinner und Frostspanner hat 2012 die chemische Bekämpfung der Schädlinge aus der Luft notwendig gemacht. Zusätzlich belastend wirkte sich im Sommer 2012 das Auftreten des Eichenmehltaus aus. Aeikens: „Die Eiche bleibt auch in den kommenden Jahren unser anfälligster Patient.“
Die forstwirtschaftlich wichtigste Baumart des Landes, die Kiefer, zeigt sich dagegen in einem guten Zustand. Seit Mitte der 90er Jahre ist die Kiefer unter den Hauptbaumarten die Art mit den niedrigsten Kronenverlichtungswerten. Trotzdem bleibt sie im Fokus der Forscher von der Nordwestdeutschen Forstlichen Versuchsanstalt in Göttingen, die Sachsen-Anhalts Wälder wissenschaftlich betreut und auch den Waldzustandsbericht erstellt. Vor allem im Nordosten des Landes und im Bereich Letzlingen (Altmarkkreis Salzwedel) machen Nonne und Kiefernspinner den Kiefern zu schaffen. Durch Einsatz von Schädlingsbekämpfungsmittel aus der Luft konnte eine Ausbreitung der Befallsherde eingedämmt werden.
Besonderes Augenmerk legen die Fachleute der Versuchsanstalt auch auf den Zustand der Waldböden. Obwohl die Stoffeinträge – Flugasche, Schwefel, Schmermetalle – in den vergangenen 20 Jahren deutlich zurückgegangen sind, liegt die aktuelle Säurebelastung der Böden immer noch über den natürlichen Fähigkeiten des Waldes, dies ausgleichen zu können. Aktuell tragen vor allem Stickstoffimmissionen zur Versauerung der Böden bei. Aeikens: „Insgesamt ist der Zustand der obersten Bodenschicht stabil. Hier zeigen die Stilllegung alter Industrie, der Einsatz moderner Filtertechnik, Waldumbau und Waldkalkung durchaus Erfolge. Aber wir stellen eine zunehmende Versauerung tieferer Bodenschichten fest. An vielen Standorten werden wir auch weiterhin durch Kalkungen gegen die Versauerung arbeiten müssen.“

 

MLU

Auch interessant

von