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in dem vor 300 Jahren zum ersten Mal der Terminus nachhaltige Forstwirtschaft verwendet wurde. Foto: Stadt Wernigerode

Sachsen-Anhalt setzt auf breite Mischung standortangepasster Baumarten

Mit Blick auf den Klimawandel setzt Sachsen-Anhalt auf eine breite Mischung von standortangepassten Baumarten auf der Fläche. Das ist eines der Ergebnisse, die auf der dritten Waldklimakonferenz am 5. Apri in Wernigerode präsentiert wurden. Grundgerüst sollen dabei die heimischen Baumarten bilden, ergänzt durch den Anbau von bewährten und beherrschbaren Baumarten, die in Sachsen-Anhalt nicht natürlich vorkommen. Dazu zählen beispielsweise Lärche, Douglasie oder Roteiche. In Zukunft soll in den Mischbeständen ein ausreichender Laubholzanteil von mindestens 30 % vorhanden sein. „Die Forstwirtschaft muss sich im Waldbau den aktuell neuen Anforderungen stellen, um die natürliche biologische Vielfalt zu erhalten bzw. weitestgehend wiederherzustellen. Gerade der Waldbesitzer hat sehr lange Planungszeiträume zu berücksichtigen. Daher ist er von den sich ändernden Rahmenbedingungen besonders betroffen“, so Landwirtschafts- und Umweltminister Dr. Hermann Onko Aeikens.

Aeikens betonte, dass man den Risiken nur durch gute Vorbereitung begegnen könne. Deshalb arbeite das Land gemeinsam mit der Nordwestdeutschen Forstlichen Versuchsanstalt an Handlungshinweisen, die Waldbesitzern helfen, Risiken des Klimawandels besser zu begegnen und Schäden zu minimieren. Bei alldem dürfe nicht vergessen werden, dass die Forstwirtschaft auch einen klaren Auftrag habe, den Rohstoff Holz zu produzieren und dem Markt zu liefern. Es muss daher weiter möglich sein, geeignete Baumarten zu begründen. „Es braucht Arten, die fit für den Klimawandel sind und von der verarbeitenden Industrie nachgefragt werden“, so der Minister.

Die Anpassung des Waldes an den Klimawandel unterliegt dabei verschiedenen gestaffelten Prioritäten. Das ist zunächst die Stabilisierung der vorhandenen Wälder, zweitens die Senkung und Verteilung der Risiken und schließlich ein standortsgemäßer Waldumbau. Maßnahmen dazu sind neben der Mischung der Baumarten auch angepasste Herkünfte des Saat- und Pflanzgutes, die Schaffung mehrschichtiger Bestände, regelmäßige Durchforstungen zur Stabilisierung der Bestände und begleitende Waldschutzmaßnahmen bei Insektenkalamitäten, Stürmen und Waldbränden.

Wernigerodes Oberbürgermeister Peter Gaffert, selber Förster und ehemals Leiter des Nationalparks Hochharz sowie des Nationalparks Kellerwald-Edersee zeigte sich erfreut, dass die diesjährige Waldklimakonferenz in Wernigerode – in einer der waldreichsten Kommunen Deutschlands – stattfindet. „Die Bedeutung von Klimawandel im Kontext Wald ist uns hier klar bewusst. Nicht zuletzt, weil wir unseren Wälder neben der wirtschaftlichen insbesondere auch eine touristische Relevanz beimessen. Daher hoffe ich, dass die Vorträge und Diskussionen der Weiterentwicklung nachhaltiger Strategien für den Umgang mit unseren Wäldern zielführend sein werden“, so Gaffert.

Der Leiter des Nationalparks Harz, Andreas Pusch, sagte: „Auch der Nationalpark Harz und sein Wald rücken in Zeiten des Klimawandels und der damit verbundenen stärkeren Borkenkäferaktivität immer wieder in den Fokus der öffentlichen Diskussionen. Wegen der stark zugunsten der Fichte zurück gedrängten natürlichen Buchenwälder hat der Nationalpark Harz eines der umfangreichsten Waldentwicklungsprogramme in deutschen Nationalparken vor sich. Die Buchenwälder der Zukunft, für die wir heute die Startbedingungen schaffen, werden auch unter verschiedenen prognostizierten Veränderungen unseres Klimas Bestand haben. Sie sind optimal angepasst, ökologisch stabil und werden auch auf lange Sicht am besten den Schutzfunktionen des Waldes gerecht werden können.“

Hintergrund

Untersuchungen zum Klimawandel für Sachsen-Anhalt prognostizieren, dass Temperaturen steigen und sich Niederschläge vom Sommer in Winter verschieben werden. Vor allem wird das Risiko von Extremwetterlagen ansteigen. Temperaturerhöhungen haben starke Auswirkungen auf die Vermehrung von klassischen Schädlingen und dem Auftreten neuer Schädlinge im Wald. So hat die Klimafolgenstudie von 2012 gezeigt, dass ein zunehmendes Trockenstressrisiko besonders deutlich für Fichte und Buche besteht. Ergebnisse zum Bodenwasserhaushalt zeigen, dass besonders im nördlichen Harzvorland und der Harzrandmulde mit ganzjährig trockenen Böden zu rechnen ist.

Sachsen-Anhalt verfügt über fast 500 000 ha Wald, das ist ein Viertel der Landesfläche (25 %). Die größten Waldflächen befinden sich im Harz, Fläming, Dübener Heide sowie in der Colbitz-Letzlinger Heide. 55 % der Waldfläche sind Privatwald, 28 % Landeswald, 10 % Bundeswald und 7 % Kommunalwald. In Sachsen-Anhalt sind 67 % des Waldes Nadelwald und 33 % Laubwald. Die häufigste Baumart ist die Gemeine Kiefer mit einem Anteil von 49 % am Holzvorrats-Gesamtvolumen in Sachsen-Anhalt. Die charakteristischen Laubbaumarten sind die Eiche mit einem Anteil von 11 % und die Buche mit 8,0 %.
 
 

Vorträge und Ergebnisse der Veranstaltungen unter www.klimawandel.sachsen-anhalt.de

MLU
in dem vor 300 Jahren zum ersten Mal der Terminus nachhaltige Forstwirtschaft verwendet wurde. Foto: Stadt Wernigerode Sachsen-Anhalts Minister für Landwirtschaft und Umwelt Hermann Onko Aeikens (rechts) und Oberbürgermeister von Wernigerode Petter Gaffert informieren sich in der Sylvicultura oeconomica (Reprint) von H. C. von Carlowitz. Das Buch

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