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Sachsen-Anhalt: Heimatlos ohne Wald

Unter dem Motto „Unser Wald – unsere Heimat“ hatte am 3. Februar die CDU-Fraktion im Landtag von Sachsen-Anhalt zu einer Informationsveranstaltung in die Schierker Baude eingeladen. Alarmiert durch die zunehmend desaströsen Waldbilder im Harz, wie auch den Waldzustandsbericht für 2019, sollte der dringende Handlungsbedarf in den heimischen Wäldern erörtert werden.

Referent war Prof. Dr. Hermann Spellmann, Leiter der Nordwestdeutschen Forstlichen Versuchsanstalt, zu deren Trägern auch das Land Sachsen-Anhalt gehört. Das Podium bildeten Innenminister Holger Stahlknecht, MdL Bernhard Daldrup als Moderator, MDL Guido Heuer sowie die Bürgermeisterin von Schierke, Christiane Hopstock. Zu den weiteren Gästen der gut besuchten Veranstaltung gehörten die Bürgermeister von Thale und Ilsenburg, der OB von Wernigerode, Peter Gaffert, der Leiter des Nationalparks Harz Andreas Pusch, Vertreter der Feuerwehren, Verbands- und Ortsvertreter, Privatwaldeigentümer, Förster und etliche Bürger.

Professor Spellmann legte unmissverständlich dar, dass Sachsen-Anhalt tatsächlich das am meisten von Dürre und Sturm sowie daraus resultierenden Folgeschäden betroffene Bundesland ist. Die Waldschäden hier sind am größten. Im Laufe der Diskussion ergab sich, dass das zuständige Ministerium unter Leitung von Frau Prof. Dr. Psych. Dalbert dazu jedoch bis heute keine konzertierte und fortlaufende Erfassung der Schäden gemacht hat. Luftbildaufnahmen von September 2019 sind der letzte oberflächliche Stand. Sie sind unvollständig und zwischenzeitlich längst überholt, wie anwesende betroffene Waldbauern und Forstfachleute bestätigten. Während diese von wenigstens 30.000 ha Schadfläche im Harz (ein Drittel Ausfall aller Fichtenflächen zzgl. weiterer Buchen, Lärchen- und anderer Bestände) ausgehen, hatte die Befliegung im September 2019 nur die 7.000 ha Schadflächen im Nationalpark genauer erfasst. Nicht nur daraus leiteten der Bürgermeister von Thale sowie der Vorsitzende des Waldbesitzerverbandes ab, dass es lange überfällig sei, dass der Ministerpräsident Dr. Haseloff endlich von seiner Richtlinienkompetenz gegenüber der Ministerin Gebrauch machen müsse. Es sei ein Unding, dass es keine hinreichende Abstimmung dazu gebe, so deren Aussage.

Minister Stahlknecht fordert Politikwechsel

Schwer zu ertragen war für die Anwesenden, dass das in Sachen Wald am meisten geschädigte Bundesland bei der Vertretung seiner Landesinteressen im Bund so vage und schlecht hinsichtlich nötiger Hilfen und Wiederaufforstungen vertreten ist. Die Ministerin handelt bis heute nicht dem Ernst der Lage entsprechend. Des Weiteren kam der deutliche Unmut der Anwesenden gegenüber dem Leiter des Nationalparks Harz, Andreas Pusch, zum Ausdruck. Seine aus ihrer Sicht jahrelang verfehlte Kommunikation und die unzureichende Borkenkäferbekämpfung sowie das mangelhafte Schadensmanagement in den letzten Jahren haben den Borkenkäfer zu einem traurigen Exportschlager Sachsen-Anhalts werden lassen. All das ist möglich, weil der Ministerpräsident nicht angemessen von seiner Richtlinienkompetenz Gebrauch macht. Denn nach dem Koalitionsvertrag ist der Wald als CO₂-Senke zu erhalten und dazu der Waldbesitz zu fördern. Dem kommt die Ministerin seit Jahren nicht nach. Sie entzog von 2016 bis 2019 der Forst Fördermittel in Höhe von 19 Mio. €. Insoweit war es für die Anwesenden ein Hoffnungsschimmer, dass Minister Stahlknecht einen klaren Politikwechsel verlangte: Es gehe nicht an, dass den Menschen durch das teils hausgemachte Verschwinden der Wälder ein Stück Heimat genommen werde. Die CO₂-Senke Nr. 1, der Wirtschaftswald, müsse erhalten und verlässlich gefördert werden, so Stahlknecht.

 

Der Waldbesitzerverband Sachsen-Anhalt vertritt die berufsständischen, rechtlichen und forstpolitischen Interessen der privaten, kommunalen und kirchlichen Waldbesitzer in Sachsen-Anhalt gegenüber den gesetzgebenden Körperschaften, politischen Parteien, Behörden, der Wirtschaft, der Medien und der gesamten Öffentlichkeit. Vorsitzender ist seit 2009 Franz Prinz zu Salm-Salm. Der Verband ist Mitglied in der Arbeitsgemeinschaft Deutscher Waldbesitzerverbände (AGDW – Die Waldeigenümer). Er gliedert sich in drei Regionalgruppen: Altmark, Anhalt, Harz und Burgenland.

Waldbesitzerverband für Sachsen-Anhalt/Red.

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