ABO

Das Phänomen meinungs- und mehrheitsbildender Bevölkerungsumfragen als Instrument zur Legitimierung von Interessen im politischen Raum – Sozialempirische Befragungstechnik zwischen Stimmungsmache und Erkenntnisgewinn

Quelle: Forstarchiv 84; 5, 152-161 (2013)
Autor(en): SUDA M, SCHAFFNER S

Kurzfassung: Mit Greenpeace und dem Aktionsbündnis zur Holzvermarktung in Bayern haben zwei Organisationen mit gegensätzlichen Interessen bezüglich der Waldbewirtschaftung zeitlich kurz aufeinanderfolgend jeweils eine repräsentative Umfrage bei forsa (Gesellschaft für Sozialforschung und statistische Analysen mbH) in Auftrag gegeben. Die Themenbereiche der Bevölkerungsumfrage unterscheiden sich kaum, die Ergebnisse und die Interpretationen der Ergebnisse durch die Auftraggeber aber weisen in diametral unterschiedliche Richtungen. Im Beitrag werden die jeweiligen Fragestellungen und die zugehörigen Schlussfolgerungen einer kritischen sozialempirischen Analyse unterzogen. Beide Umfragen weisen eine Reihe von Gemeinsamkeiten auf. Es geht hier nicht um Meinungsforschung, d. h. darum, Erkenntnisse über die Meinungen, Werthaltungen und Einstellungen der Bevölkerung zu bestimmten Themen zu gewinnen. Kernaufgabe dieser Studien ist es vielmehr, möglichst gekonnt und glaubwürdig für die eigenen Interessenpositionen passende Meinungsbilder von Bevölkerungsmehrheiten zu generieren. Diese Meinungsbilder wurden aufgrund geschickter Fragekonstruktionen erst erschaffen, und sie verstehen sich sozialempirisch als künstlich erzeugte Konstrukte, mit deren Legitimierungsmacht Politik gestaltet werden soll. Beide Studien erzeugen ein Meinungsbild von gesellschaftlichen „Mehrheiten“, die als Symbole in den politischen Diskurs eingespeist werden, um die eigene Sichtweise gegen Widerstreben durchzusetzen.


Opinion-forming in population surveys as a tool to legitimize interests in the political sphere. Social empirical survey technique at a crossroad between propaganda and insights

Abstract: Two organizations (Greenpeace and a marketing-coalition for the timber in Bavaria) have conflicting interests in forest management (conservation of forests versus managing forests for timber production). Both organizations entrusted the forsa institute (Society for Social Research and Statistical Analysis Ltd.) with a representative survey in each case. While the topics of the survey are hardly different, the results of the survey and the interpretation of results point in diametrically opposite directions. The article clarifies the respective issues of each survey and their different conclusions. The queries used by the forsa institute for the survey are critically discussed and conclusions are drawn. Both surveys have a number of similarities. The intended purpose of each survey is not, to analyze the public opinion towards forest management or forest protection. Instead, the constructions of the queries influence the response of the participants of the survey. Both studies generate a public opinion that will be fed into the policy discourse to impose their own vision against resistance.

© DLV München

 

Auch interessant

von