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Überlegungen zu Baumartenwahl und Verjüngungsverfahren bei fortschreitender Klimaänderung in Deutschland

Quelle: Forstarchiv 80: 3, 67-75 (2009)
Autor(en): VON LÜPKE B

Kurzfassung: Trotz bedeutender Fortschritte bei den Klimaprognosen bestehen weiterhin große Unsicherheiten über Art und Ausmaß der fortschreitenden Klimaänderung. Insbesondere Häufigkeit und Intensität von Extremereignissen lassen sich kaum zuverlässig schätzen. Sicher erscheint nur, dass sich das Störungsregime der Wälder ändern wird. Unter diesen Voraussetzungen sind waldbauliche Konzepte, die das Resilienzpotenzial der Wälder stärken, von großer Bedeutung für die zukünftige Stabilität. Da keine Baumart an alle Störungsarten und -intensitäten gleich gut angepasst ist, sondern jede Baumart nur an ein bestimmtes, mehr oder weniger enges Störungsregime, wird empfohlen, die Anpassungsfähigkeit der Wälder durch Mischungen von Baumarten zu steigern, die an unterschiedliche Störungen angepasst sind. Wenn in einem Bestand z. B. Pionierbaumarten, mittel- und spätsukzessionale Baumarten gemischt sind, wird nach einer Störung mindestens ein Teil der Arten in der Lage sein, die Störungsflächen rasch wieder zu verjüngen und damit die Resilienz zu steigern. Dabei sollten auch gebietsfremde Arten (u. a. Douglasie und Roteiche) oder Provenienzen mit hohem Anpassungspotenzial verwendet werden. Um diese Mischungen etablieren zu können, müssen die Verjüngungsformen schon heute ein intensiveres störungsregime nachahmen. Nicht allein dunkle Wälder mit dichten Schirmschlägen oder einzelbaumweiser Zielstärkennutzung – wie heute in großem Umfang üblich – sind angemessen, sondern die Mischung mit lichtbedürftigen Arten erfordert zusätzlich auch hellere Verjüngungsformen wie größere Lücken, säume oder Kleinkahlschläge. Der angestrebten Vielfalt bei den Baumarten muss eine Vielfalt bei den Verjüngungsformen entsprechen. Die vorgeschlagenen Mischungen enthalten Baumarten von unterschiedlicher Konkurrenzstärke. Sie erfordern deshalb intensive Pflegeeingriffe, um konkurrenzschwache Baumarten zu erhalten. Außerdem lassen sich die zukünftigen Wuchsrelationen zwischen den Baumarten wegen der Umweltänderung gegenwärtig nicht einschätzen. um den Pflegeaufwand zu begrenzen, sollten gruppen-, horst- und flächenweise Mischungsformen eingesetzt werden. Insgesamt müssen die waldbaulichen Ziele und Methoden ständig an neue Erkenntnisse und Umweltbedingungen angepasst werden. Für diesen Prozess erscheint die Methode des adaptiven Managements besonders geeignet.


Considerations about tree species choice and regeneration methods under advancing climate change in Germany

Abstract: Despite great progress in climate forecasting, still large uncertainties exist about kind and extent of advancing climate change. Particularly frequency and intensity of extreme events can hardly be estimated in a reliable manner. It only appears certain that the disturbance regime of the forests will change. Under these conditions, silvicultural concepts are of great importance for future stability which enhance the resilience potential of the forests. As no tree species is equally well adapted to all kinds and intensities of disturbances, but each tree species only to a particular, more or less narrow disturbance regime, it is recommendable to enhance the adaptive ability of the forests by a mixture of tree species which are adapted to various kinds of disturbances. As an example, when in one stand pioneers, middle and late successional species are mixed, after a disturbance at least some of the species will be able to regenerate quickly on the disturbed areas and by this increase resilience. Also non-native species (inter alia Douglas fir and red oak) or provenances with high adaptive capability should be used. In order to establish these types of mixed stands, it is necessary that the regeneration methods mimic a more intensive disturbance regime already today. Not only dark forests with dense shelterwoods or single tree selection – as usual today on large areas – are suitable, but also greater impacts by patch-, strip- and even clear-cutting are necessary to provide enough light for the more light demanding species. The target tree species diversity has to be matched by a corresponding diversity of regeneration methods. the proposed mixtures contain tree species of different competitive capacities. Therefore, they need intensive thinnings to sustain weak competitors. Furthermore, the future growth relations between tree species can presently not be assessed because of the ongoing change of environmental conditions. To minimize costs, the admixed species should be arranged in monospecific groups of appropriate sizes. Altogether, silvicultural aims and methods have to be permanently adjusted to new knowledge and environmental conditions. The method of “adaptive management” seems to be especially well suited for this process.

© DLV München

 

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