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Berücksichtigung finanzieller Aspekte bei waldbaulichen Entscheidungen – eine Fallstudie für reine Fichtenbestände in der Bergmischwaldzone

Quelle: Forstarchiv 80: 1, 4-14 (2009)
Autor(en): Höllerl S

Kurzfassung: Der Waldbau ist eine Disziplin, die von jeher auf die Entscheidungsunterstützung in der Waldbewirtschaftung ausgerichtet ist, und er integriert deshalb verschiedene Aspekte. gerade die Verschränkung von naturalen und finanziellen Forschungsansätzen in der Waldbauwissenschaft wird immer wichtiger, da die Bedeutung der Knappheit von mitteln im Forstbereich zunimmt. es wird deshalb anhand eines Fallbeispiels gezeigt, wie in waldbaulichen Studien finanzielle Aspekte umfassend berücksichtigt werden können. eine Untersuchung zur Stabilität von reinen Fichtenbeständen in der montanen Stufe war zu dem ergebnis gekommen, dass Steigerungen von resistenz und elastizität dieser Bestände nur durch sehr frühe waldbauliche eingriffe erreicht werden können. nachdem diese frühen eingriffe im gebirge oft defizitär ausfallen und deshalb in der Praxis oft nicht durchgeführt werden, wurden die finanziellen Auswirkungen solcher maßnahmen mit methoden der investitionsrechnung bewertet. Zwei Szenarien „Bestand behandeln“ und „Bestand nicht behandeln“ wurden hinsichtlich ihrer finanziellen Vorteilhaftigkeit miteinander verglichen. dabei wurde zusätzlich berücksichtigt, welche Auswirkungen 6 unterschiedlich teure Holzernteverfahren (Harvester, kombiniert, Vollbaum, Schlepper, Seil bergauf und Seil bergab) auf diesen Vergleich haben. Beim Szenario „unbehandelt“ wurde außer der Kulturbegründung lediglich eine fiktive ernte im Alter 100 Jahre unterstellt, beim Szenario „behandelt“ ging man zusätzlich von durchforstungseingriffen im Bestandesalter von 40, 60 und 80 Jahren aus. Zur Bewertung der beiden optionen wurden Kapitalwerte berechnet. mittels monte-Carlo-Simulationen wurde auch das Ausfallrisiko der Bestände aufgrund von Schneebruch, Sturmwurf oder insektenschäden berücksichtigt. die abschließende Wertung hinsichtlich der finanziellen Vorteilhaftigkeit einer der beiden Handlungsoptionen wurde anhand der entscheidungsprinzipien -regel und Stochastische dominanz durchgeführt. Beide methoden führten in den meisten Fällen zu dem ergebnis, dass unter Berücksichtigung von risiken die Variante „behandelt“ finanziell vorteilhafter abschneidet als die Variante „unbehandelt“. insofern spricht nicht nur der Stabilitätsaspekt, sondern auch der finanzielle Aspekt für eine waldbauliche Behandlung von Fichtenbeständen in der montanen Zone. das Fallbeispiel zeigt, dass man durch die Berücksichtigung finanzieller Aspekte in waldbaulichen Fragestellungen zu einer umfassenderen entscheidungsunterstützung kommt, als es mit einer rein natural ausgerichteten Forschung möglich wäre.


Consideration of financial aspects in silvicultural decisions – a case study on pure spruce stands in the montane mixed forest zone

Abstract: the discipline of silviculture has always been directed towards supporting decisions in forest management. therefore it integrates several different aspects. especially at this time where financial resources are scarce it is of utmost importance that natural and financial research approaches in silviculture are combined. A case study will show how financial aspects can be comprehensively taken into account in silvicultural studies. A survey conducted on the stability of pure spruce stands in the montane zone has proven that an increase in resistance and elasticity can only be achieved if silvicultural measures are applied to those stands at a very early stage. However, treatments in the montane zone which are carried out at an early stage often generate a deficit. Hence, in practice, experts often decide against these treatments. For this reason the financial impact of these methods has been evaluated from an investment point of view. there are two options: a stand can be left untreated or it can be treated. these two scenarios have been compared with regard to their financial benefit. in addition 6 different harvesting methods (“Harvester”, “Combined”, “Full-tree logging”, “Skidder”, “Cable Yarding Uphill” and “Cable Yarding downhill”) and their effects on the comparison, due to their differing costs have been taken into account. in scenario number one “untreated plots” apart from stand establishment only a virtual logging of trees at the age of 100 years has been assumed. in scenario number 2 “treated plots” it has also been assumed that thinning measures are carried out in the stands at the age of 40, 60 and 80 years. in order to evaluate both options net present values have been calculated. due to the deployment of monte-Carlo simulations it was possible to incorporate contingency risks caused by snow breakage, wind breakage and insects. the final assessment with regard to the financial benefits of the two different options has been carried out according to the rule and the stochastic dominance in order to support the decision process. in most cases both methods lead to the conclusion that treated stands generate a higher financial benefit than untreated stands if risks are taken into consideration. therefore, stability as well as financial aspects clearly support silvicultural measures of pure spruce stands in the montane zone. the case study shows that the decision-making process, with regard to silvicultural measures, is comprehensively supported and facilitated if financial aspects are taken into account. A purely natural bias to research would not support the decisionmaking process to such an extent.

© DLV München

 

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