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Vegetationsökologisches Monitoring in Naturwaldreservaten

Quelle: Forstarchiv 78: 6, 205-214 (2007)
Autor(en): Schmidt M, Schmidt W

Kurzfassung: Ein vegetationsökologisches Monitoring ist bestandteil der meisten untersuchungsansätze in Naturwaldreservaten. Dabei spielt neben der floristischen Inventarisierung und einer Vegetationskartierung vor allem die vegetationskundliche Aufnahme von Dauerbeobachtungsflächen eine wichtige Rolle. Gegenstand der meisten vegetationsökologischen untersuchungen sind die Vegetationsdynamik, der Vergleich totalreservat/Wirtschaftswald und der Einfluss natürlicher Störungen. Am beispiel niedersächsischer und hessischer Naturwaldreservate lässt sich zeigen, dass in unbewirtschafteten Laubwäldern ohne Störungen zunächst eine tendenz in Richtung artenärmerer Waldgesellschaften erkennbar ist, in denen der Anteil von lichtbedürftigen oder störungsabhängigen, auch im offenland verbreiteten Arten in der bodenvegetation langsam zurückgeht, während der Deckungsgrad und die Artenzahl in Strauch- und baumschicht zunächst ansteigen. beim Vergleich zwischen totalreservat und Wirtschaftswald spiegelt sich die bewirtschaftung vor allem in höheren Deckungsgraden und Artenzahlen der kraut- und Strauchschicht wider. Der Verlauf einer Vegetationsentwicklung nach natürlichen Störungen ist abhängig von den Standortbedingungen und der zum zeitpunkt der Störung ausgebildeten Waldvegetation. So nahmen nach Windwurf auf trockenstandorten lichtliebende, teilweise störungszeigende Arten innerhalb von fünf Jahren deutlich zu, während die Waldvegetation frischerer Standorte trotz erheblicher bodenstörung und hohem Lichtangebot eine relativ hohe Resilienz zeigte. Insgesamt liefert das vegetationsökologische Monitoring in Naturwaldreservaten nicht nur wichtige Grundlagendaten für die ökosystemforschung und die Populationsbiologie, es ist darüber hinaus auch für die Ableitungen von Naturschutzstandards in Wirtschaftswäldern und von Handlungsempfehlungen für naturnahe Waldbewirtschaftung von großer bedeutung.


Vegetation monitoring in strict forest reserves

Abstract: Ecological monitoring is a component of many research projects in strict forest reserves. In addition to floristic inventories and vegetation mapping, the sampling of permanent plots plays an importance in forest monitoring. Most ecological studies of vegetation are concerned with dynamics, the comparison between protected and managed forests, and the influence of natural disturbances. Case studies in forest reserves in Lower Saxony and Hesse have shown that in undisturbed, unmanaged deciduous forests, species diversity of the herb layer at first decreases, while cover and species number of the shrub and herb layer increase. Comparing strict forest reserve with managed forest, forest management results in higher cover and species number of both herb and tree layer. because of the decline of light supply and anthropogenic disturbances in strict forest reserves, the proportion of species of open habitats decreases. the characteristics of vegetation development after natural large-scale disturbances such as windthrow depend on site conditions and the type of vegetation that was present at the time of disturbance. on dry sites light demanding plant species which partly also indicate disturbances increased within five years after windthrow. In contrast the forest vegetation of more moist sites was very resilient despite heavy soil disturbances and high light intensity. All in all, vegetation monitoring in strict forest reserves not only supplies important data for ecosystem research and population biology, it is also necessary for the development of effective conservation-oriented standards in managed forests and for ecosystem-based silviculture.

© DLV München

 

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