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RWE nimmt weltgrößte Anlage zur Pelletierung von Frischholz in Betrieb

RWE nimmt weltgrößte Anlage zur Pelletierung von Frischholz in Betrieb

RWE Innogy hat im US-Bundesstaat Georgia die weltweit größte Anlage zur Pelletierung von Frischholz feierlich eingeweiht. Die hier produzierten Holzpellets werden ab diesem Sommer von Georgia nach Europa transportiert. Dort werden sie in bestehenden Steinkohlekraftwerken von RWE zur Strom- und Wärmeerzeugung genutzt. Durch den Ersatz des fossilen Brennstoffes durch Biomasse spart RWE Kohlendioxyd im Umfang von jährlich rund 1 Mio. t ein.
Die Produktionkapazität der Anlage in Georgia liegt bei 750000 t Holzpellets im Jahr. Mit der Inbetriebnahme des Pelletierungswerks setzt RWE ihre integrierte Biomasse-Strategie über alle Wertschöpfungsstufen von der Beschaffung und Produktion des Rohstoffs bis zur Energieerzeugung um.

Die in Georgia produzierten und per Schiff nach Europa transportierten Holzpellets sollen in erster Linie in den Amer-Steinkohlekraftwerken von RWE in den Niederlanden zum Einsatz kommen. Bereits heute wird dort bis zu 30 % Biomasse als Rohstoff mitverbrannt. Dieser Anteil soll in den kommenden Jahren auf 50 % (Amer 8) und langfristig auf 80 % (Amer 9) gesteigert werden.

In Großbritannien plant RWE derzeit das Kohlekraftwerk Tilbury in ein reines Biomassekraftwerk umzuwandeln. Tilbury wird damit das weltweit größte Biomassekraftwerk sein – mit einer geplanten installierten Leistung von rund 750 MW. Der Rohstoffbedarf an Biomasse läge bei ca. 2 Mio. t während der geplanten Laufzeit bis spätestens 2015. Davon sollen rund 50 % aus Georgia kommen. Der Umbau des Kraftwerkes soll noch vor Ende dieses Jahres abgeschlossen sein.

In den USA – v.a. in den südlichen Bundesstaaten wie Georgia – liegt der Überschuss an nachhaltig kultivierter Biomasse in den letzten zehn Jahren bei rund 35 %. „Europa kann diese Ressource aus Übersee nutzen, um seine CO2-Minderungsziele zu erreichen“, erklärt Prof. Fritz Vahrenholt, Vorsitzender der Geschäftsführung der RWE Innogy GmbH.

Georgia ist mit ca. 10 Mio. ha nach Oregon der Bundesstaat mit der größten Waldfläche in den USA. Rund 27 % dieser Flächen sind Kieferplantagen. Seit 1950 nimmt der Holzvorrat hier kontinuierlich zu. Durch den Einfluss subtropischer Klimaverhältnisse im Süden der USA wächst das Holz dort wesentlich schneller als zum Beispiel in Skandinavien oder Russland. Zudem ist der Holzmarkt in Georgia rückläufig. In den letzten 10 bis 15 Jahren wurden rund 25 % der Zellstoff- und Papierkapazitäten abgebaut. In Georgia gelten für die Beschaffung und Verarbeitung von Holz die höchsten Nachhaltigkeitsregeln. So wird auch die dortige Pelletanlage nach internationalen Nachhaltigkeitsstandards (FSC, SFI und Green Gold Label) betrieben werden.

Baustart für die Pelletierungsanlage nahe der Stadt Waycross im Süden des Bundesstaates Georgia war im März 2010. Nach 12 Monaten konnte sie fertiggestellt werden und läuft seitdem im Testbetrieb. Im Wesentlichen besteht die Anlage aus drei Hauptgewerken: Auf dem sog. Holzhof werden die Kiefernstämme angeliefert, entrindet und bereits grob zerkleinert. Von dort gelangt das Material über Transportbänder in Trockner, wo dem Holz die Feuchtigkeit entzogen wird. In der eigentlichen Pelletierungsanlage wird der Rohstoff weiter zerkleinert und zu Pellets gepresst. Per Güterzug werden die Holzpellets anschließend in den rund 160 km entfernten Hafen von Savannah transportiert. Pro Jahr werden so rund 1,5 Mio. t Kiefernholz verarbeitet. Das gesamte Areal der Produktionsstätte umfasst 300 ha. Die Investitionssumme zur Errichtung der Anlage und zum notwendigen Ausbau des Hafens in Savannah beträgt rund 120 Mio. €.

Über spezielle Veredelungsverfahren wie zum Beispiel die Torrefizierung (Vortrocknung von Biomasse unter Luftabschluss) kann der Rohstoff zukünftig noch effizienter genutzt werden. RWE Innogy arbeitet gemeinsam mit dem niederländischen Unternehmen Topell Energy an industriellen Lösungen zur Veredlung der Biomasse. So soll eine erste kommerzielle Anlage zur Herstellung von torrefizierten Pellets noch in diesem Jahr im niederländischen Duiven ihren Betrieb aufnehmen. Ihre Produktionskapazität wird bei rund 60.000 Tonnen im Jahr liegen. Torrefizierte Pellets verfügen über eine deutlich höhere Energiedichte und wesentlich gleichmäßigere Verbrennungseigenschaften. Deshalb eignen sie sich besonders zur Mitverbrennung in Kohlekraftwerken, da sie anders als herkömmliche Biomasse zusammen mit Kohle transportiert und gelagert werden können.

RWE

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