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RVR kommt weiter voran

RVR kommt weiter voran

Am 12.September 2013 veranstaltete die Holzindustrie einen offenen Arbeitskreis zur Rahmenvereinbarung für den Rohholzhandel in Deutschland (RVR). Insbesondere die Vertreter der Nadelholzsägewerke waren aufgerufen, wieder konstruktive Vorschläge zu machen für die anstehenden Verhandlungen am ersten Oktober mit der Forstseite. Vor genau einem Jahr konnten die Sortierkriterien für Laubholz verabschiedet werden, das sogenannte Basisdokument und die Nadelholzsortierung sollen jetzt fertiggestellt werden.

Rund fünfzig Interessierte hatten sich zu diesem Termin in der Holzfachschule Bad Wildungen  eingefunden, um sich über den aktuellen Stand zu informieren und aktiv mitzudiskutieren. Zu Beginn des Treffens gab der Moderator der gesamten Arbeitsgruppe RVR, Klaus Jänich, Vizepräsident der niedersächsischen Landesforsten, einen kurzen Abriss der bisherigen Entstehungsgeschichte und unterstrich die Bedeutung des geplanten Regelwerkes: Seit Anfang 2009 ist das ehemalige Gesetz über die Handelsklassen für Rundholz von 1969 aufgehoben. Die technische Entwicklung in der Holzbearbeitung und eine überaus „föderalistische Streuung“ der länderspezifischen Konkretisierungen hatten zur Abschaffung der HKS durch die EU geführt.

Seitdem sind schon fast fünf Jahre vergangen und man könnte auf die Idee kommen, dass eine allgemeine Vorschrift zur Messung und Sortierung von Rohholz auch nicht mehr vonnöten ist. Hatten sich doch auch vorher schon viele kundenspezifischen Aushaltungen herausgebildet. Da hatte Jänich jedoch zwei gewichtige Gegenargumente: „Wirtschaftsprüfer bemängeln die fehlende Definition des Handelsgutes als wichtigen Bestandteil der allgemeinen Geschäftsbedingungen. Das kann für die großen Forstbetriebe in Deutschland kein Dauerzustand sein. Bisher leben wir faktisch noch mit dem tradierten Wissen der HKS. Betrachtet man jedoch den personellen Umbruch im Forst – mancherorts gehen in den nächsten Jahren 50% des Personals in Ruhestand – stirbt dieses langsam aus. Auch die junge Generation braucht eine vernünftige Grundlage für die Holzsortierung.“

Schon Ende 2008, also vor Ablauf der alten Rechtsgrundlage, hatte ein erster Entwurf der RVR vorgelegen. Dieser scheiterte jedoch auf breiter Front, weil das damalige Expertengremium die betroffenen Akteure im Vorfeld zu wenig eingebunden hatte. Auch in der Folgezeit gestalteten sich die Verhandlungen oft schwierig, gerieten immer wieder ins Stocken und schienen im Februar 2012 fast gescheitert. Erst durch eine Aufteilung in drei eigenständige Prozesse – Basisdokument, Laubholzsortierung und Nadelholzsortierung – konnten wieder Fortschritte erzielt werden. Mit den Laubholzkriterien, die am 12.9.2012 durch die beiden Spitzenverbände DFWR und DHWR unterzeichnet wurden, habe man bereits erste Erfahrungen gesammelt. Jänich appellierte an alle Beteiligten: „Wenden Sie die RVR an, hinterfragen Sie die Regelungen kritisch, aber pflegen Sie keine Vorurteile. Und vor allem… legen Sie bitte die einzelbetriebliche Brille ab.“

Darin pflichtete ihm auch Dr. Udo Sauter von der FVA in Freiburg bei. An seinem Institut sollen die Ergebnisse der anstehenden Verhandlungen zusammengeführt und von einem unabhängigen Juristen überprüft werden, bevor nach der Verabschiedung allgemeine Unterlagen erstellt werden. Er bekräftigte: „Jeder Satz in der RVR wurde bereits mehrfach umgeschrieben.“ Deswegen sei man auch dazu übergegangen, im Basisdokument nur den grundsätzlichen AGB-Teil festzulegen. Alle Detailfragen, wie Messanweisungen oder Qualitätskriterien würden in Anlagen verschoben, wo man sie im Zuge der Evaluation leichter wieder anpassen könne.

Unter den zulässigen Messverfahren, die Sauter in diesem Zusammenhang kurz aufzählte fanden sich weder das Harvestermaß noch die fotooptischen Messverfahren. Das sei für die Forstseite möglicherweise betrüblich, erklärte er, aber so lange diese Methoden nicht eichfähig seien, ließe sich daran nichts ändern.

In der anschließenden Diskussion war man sich einig, dass sich die RVR als freiwillige Handelsusance auch nach der Verabschiedung weiterentwickeln werde. Deswegen sollte man als koordinierende Stelle einen Ausschuss einsetzen. Aus dem internen Arbeitskreis der anwesenden Nadelholzbetriebe am Nachmittag war zu hören, dass der aktuelle Entwurf zum Basisdokument größtenteils Zustimmung findet. Bei der Regelungstiefe zu den Nadelholzkriterien herrsche jedoch innerhalb der Sägerschaft noch Uneinigkeit. Man wolle u.a. durch nachvollziehbare Testreihen aus den Mitgliedsunternehmen den Zusammenhang zwischen Rundholzmerkmalen und der sich daraus ergebenden Schnittholzqualität belegen.

Am ersten Oktober wird die achtköpfige Verhandlungsgruppe der Holzseite in Kassel trotzdem ein Mandat haben, um nach Möglichkeit noch in diesem Jahr zu einem gemeinsamen Ergebnis zu kommen.

Den Spöttern, die auf die lange „Keimruhe“ dieses Verhandlungsprozesses abzielen, riet Dr. Denny Ohnesorge von der AGR zu einem kurzen Blick über den Tellerrand: In Österreich habe man sieben Jahre für das vergleichbare Vertragswerk gebraucht.
 

Heiner Höllerl

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