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Einer für alles

Auf der diesjährigen Unimog-Tour waren neben den Vertriebspartnern die Produzenten der An- und Aufbaugeräte die eigentlichen Stars. Erst diese Gerätschaften machen aus dem Universalmotorgerät die sogenannte Eierlegende-Wollmilchsau, welche zigtausende Kunden weltweit gerne kaufen – trotz der oft recht hohen Preise.

Gleich zu Beginn der Veranstaltung nahm der Fahrzeughersteller der häufigen Kritik an den hohen Preisen ein wenig den Wind aus den Segeln. Er verwies dabei auf die neuen Unimog Typen U423, U429 und U529, die jetzt mit kostengünstiger Euromot-IV-Abgasanlage ausgeliefert werden. Im Gegensatz zur strengen Lkw-Abgasnorm Euro VI kann man bei der Euro-Stufe IV auf den Einsatz eines Dieselpartikelfilters verzichten. Voraussetzung ist allerdings, dass diese Unimog-Fahrzeuge als Zugmaschinen-Ackerschlepper zugelassen werden. Die Höchstgeschwindigkeit beträgt dann maximal 60 km/h statt der rund 90 km/h, welche sonstige Unimogs maximal erreichen. Doch nicht nur der geringere Preis macht diese Zulassungsart besonders attraktiv, sondern auch die Agrardieselvergütung, denn dank der Zulassung als Zugmaschinen-Ackerschlepper kommen land- und forstwirtschaftliche Betriebe in den Genuss der sehr viel geringeren Kraftstoffbesteuerung, sodass sie pro Liter rund 25 Cent sparen. Neben günstigeren Versicherungstarifen winken für den Betreiber zudem weitere Vergünstigungen wie beispielsweise Steuer- und Mautbefreiung. Diese müssen jedoch extra beantragt werden.

Neue Modelle

Präsentiert wurde der neuentwickelte kompakte U323, welcher ebenso vielseitig, geländefähig und sparsam ist. Für ihn werden zahlreiche Sonderausstattungen angeboten, wie es sie bereits für den größeren U423 und die anderen Modelle gibt. So werden auf Wunsch das vollautomatisierte Getriebe AutomaticShift, der Getriebe-Nebenabtrieb für Anbaugeräte sowie mehrere Hydraulikoptionen geliefert. Die neue, mehrfache Arbeitshydraulik arbeitet nun vollproportional, sodass sich Anbaugeräte noch feinfühliger steuern lassen. Mit Hilfe der Multifunktionstasten am Lenkrad sowie einem Display lassen sich die jeweiligen Fördermengen begrenzen. Der erste Hydraulikreis verfügt über einen Systemdruck von maximal 210 bar und liefert einen Öldurchfluss bis zu 32 l/min. Der zweite Kreis verfügt über maximal 240 bar und leistet bis zu 55 l/min. Beide Kreise zusammen bieten die Höchstleistung von 240 bar und 87 l/min. Wem das noch nicht ausreicht, der kann zusätzlich die „Load-Sensing-Hydraulik“ ordern, welche bis 240 bar und sogar bis 110 l/min liefert. Dabei bringt sie jeweils nur die tatsächlich benötigte Leistung des Verbrauchers und ist damit besonders sparsam.

Darüber hinaus bietet der Hersteller die bekannte „VarioPower“-Hydraulik an, welche einen Spitzendruck pro Hydraulikkreis von 280 bar und 125 l/min aufbietet. Derart ausgerüstet lassen sich nicht nur eine Vielzahl an Anbaugeräten betreiben und feinfühlig steuern, sondern bei Bedarf auch leistungsstarke Pumpen oder andere Baugeräte antreiben. Übrigens, allein die Frontzapfwelle überträgt jetzt Leistungen bis 160 kW, die Heckzapfwelle bietet maximal 220 kW.

Die vom Fahrerplatz aus bedienbare Reifendruckregelanlage Tirecontrol Plus dürfte als Sonderzubehör sicherlich auch viele Kunden finden. Diese sorgt nämlich für eine erhöhte Traktion bei gleichzeitig größtmöglicher Bodenschonung, was vor allem in der Forstwirtschaft (Stichwort: niedriger Bodendruck) sehr gefragt sein dürfte. Über das Multifunktions-Lenkrad lässt sich der Reifendruck komfortabel auf die drei Stufen Straße, Sand und Schlechtweg einstellen oder der Reifendruck wird individuell nach Bedarf des Fahrers angepasst.

Eine Besondersheit stellen auch die verschiedenen Lenkungsarten dar, wie Normallenkung nur über die Vorderräder, Allradlenkung mit allen Rädern in entgegengesetzten Einschlagwinkeln und die Diagonalfahrt im sogenannten „Hundegang“ mit parallel gestellten Rädern oder nur die Hinterachslenkung.

Schweres Gelände

Soll es in besonders schweres Gelände gehen, kommen die Unimog-Baureihen U4023, U5023 und U5030 zum Zuge. Diese hochgeländegängigen Fahrzeuge eignen sich sowohl für Hochgebirgsregionen wie für sandiges und morastiges Gelände. Ganzstahlkabine, schubrohrgeführte Portalachsen mit Schraubenfedern, hohe Verwindungssteifigkeit, große Böschungswinkel, ein geschweißter und gekröpfter Rahmen sowie verstärkte Achsen, drei hundertprozentig wirkende Differenzialsperren und ein zuschaltbarer oder permanenter Allradantrieb sind die Stärken im Geländeeinsatz.

Auf Wunsch gibt es diese hochgeländegängigen Unimogs ab sofort auch mit einer Doppelkabine für bis zu sieben Personen. Die Leistungsbandbreite der Euro VI Mittelmotoren erstreckt sich von 156 kW bis 170 kW beim Vierzylinder-Reihenmotor mit 5,1 l Hubraum im U4023 / U5023 bis hin zum leistungsstärksten Unimog U5030 mit seinem Sechzylinder-Motor, der 220 kW Leistung, 7,7 l Hubraum und ein maximales Drehmoment von 1 200 Nm bietet.

Zum Schluss noch die Antwort auf die Frage: „Wie lange hält eigentlich ein Unimog?“ Das kann der Hersteller leider noch nicht abschließend beantworten, da es die Unimogs nur seit etwas über 70 Jahre gibt und bis auf ein paar Totalschäden diese immer noch überall im Einsatz sind. Insgesamt wurden rund 380 000 Exemplare seit der Jungfernfahrt am 9. Oktober 1946 gebaut.

Robert Ruthenberg

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