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Rundholzpreis in Deutschland verhindert weiterhin internationale Wettbewerbsfähigkeit

Rundholzpreis in Deutschland verhindert weiterhin internationale Wettbewerbsfähigkeit

Weltweit fallen die Rundholzpreise, doch der gleichbleibende Abstand zwischen den hohen deutschen und deutlich niedrigeren internationalen Nadelrundholzpreisen ist ein entscheidender Wettbewerbsnachteil für die deutsche Sägeindustrie.

Zwar ist der globale Index für Sägerundholzpreise (GSPI) im zweiten Quartal 2015 auf ein Sechsjahres-Tief gefallen, doch die deutschen Säger können davon nicht profitieren. Wie der Branchendienst Wood Resource Quarterly (WRQ) berichtet, brach der Rundholzpreis einiger Holzarten in den letzten 12 Monaten regional um 15 bis 20 % ein. Die Durchschnittszahlen aus dem weltweiten Index aller Nadelholzarten verzeichnen einen moderateren Rückgang: Im Vergleich zum Zeitraum Januar bis März 2015 ist der GSPI um 1,5 % gesunken und lag im zweiten Quartal dieses Jahres bei 72,63 US-Dollar. Die Preise sind besonders in Mittel- und Osteuropa sowie Skandinavien gefallen, als Grund hierfür nennt der WRQ u.a. die Schwäche des Euro. Darüber hinaus ist nach Angaben des Branchendienstes der Export nach China deutlich zurückgegangen. Grund seien der gesunkene Holzbedarf im Land und hohe Rundholzläger innerhalb Chinas.
Deutsche Fichten international chancenlos
Besonders kritisch ist in Deutschland der hohe Preis für Fichten. „Unsere heimische Fichte konkurriert auf dem Weltmarkt mit anderen Baumarten, die identische Produktbereiche bzw. Absatzmärkte bedienen“, so Lars Schmidt, Hauptgeschäftsführer des Deutschen Säge- und Holzindustrie Bundesverbandes (DeSH). Dort wo Nadelholz mittlerer Qualität verwendet wird, zum Beispiel bei Möbelgestellen oder Verpackungen, komme laut Schmidt die Qualität der heimischen Fichten nicht zum Tragen, ausschlaggebend sei im globalen Wettbewerb ausschließlich der Preis. „Das deutsche Holz ist im weltweiten Vergleich chancenlos und uns ist unverständlich, warum die deutschen Waldbesitzer ihre Preise nicht nachhaltig an das Weltmarktniveau angleichen.“
Europäische Konkurrenz
Deutschland verliert derzeit auch in Europa kräftig an Wettbewerbsfähigkeit. So liegen die deutschen Nadelschnittholzexporte bis Ende Juli 2015 um 9,1 % unter dem Vorjahr, während andere Exportländer wie z.B. Österreich ein stabiles Ausfuhrergebnis vorweisen können. Und während bei den direkten Konkurrenten in Skandinavien und Osteuropa auch aufgrund von Währungsschwankungen die Preise fallen, hat die deutsche Sägeindustrie im internationalen Vergleich das Nachsehen.
Dem Orkantief Niklas folgen schwierige Absatzmärkte für Nadelschnittholz
„Aktuell stehen die Sägewerke in der Mitverantwortung, die Sturmholzmengen und in der Folge die hohen Käferholzmengen an den internationalen Schnittholzmärkten unterzubringen“, so Schmidt. „Der Anteil der schlechteren Schnittholzqualitäten aus dem Kalamitätsholz steigt, doch speziell die für diese Qualitäten so wichtigen Märkte China, Indien und die USA rufen derzeit international nicht genug Holz ab.“
Sinkende Schnittholzproduktion
Im Gegensatz zur Darstellung durch den Informationsdienst „Holzmarktinfo“ ist zudem die Produktion von Nadelschnittholz in Deutschland zurückgegangen: Laut den aktuellen Produktionszahlen des Statistischen Bundesamtes lag die Produktionsmenge im ersten Halbjahr 2015 insgesamt 3,7 % unter dem Wert des Vorjahres.
DeSH

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