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Rückeschäden nehmen zu

Rückeschäden nehmen zu

Die Forstliche Versuchs- und Forschungsanstalt (FVA) Baden-Württemberg hat mit einer groß angelegten Studie das Thema Rücke- und Fällschäden bei der Holzernte untersucht. Basis waren aktuelle Betriebsinventuren in 43 baden-württembergischen Forstbetrieben und 183 Praxishiebe. Demnach weisen gegenwärtig 19 % der Bäume Rückeschäden auf (Rindenschäden > 10 cm² unter 1 m Stammhöhe), während Fällschäden (Rindenschäden > 10 cm² über 1 m Stammhöhe) nur bei 13 % der Bäume auftreten. Bei 28 % der Bäume kommen beide Schadformen gemeinsam vor. Bemerkenswert ist, dass die Zahl der Rindenschäden im Vergleich zu einer früheren Auswertung zugenommen hat. Dabei stiegen die Fällschäden mit 7 % stärker an als die Rückeschäden, die um 4 % zulegten. Die Rindenschäden weisen nach Ansicht der FVA damit nach wie vor eine kritisch zu beurteilende Größe auf. Dabei hatten die Betriebe bei der Holzernte überdurchschnittlich viele bereits beschädigte Bäume entnommen.Obwohl die Datenbasis bei den Fällschäden stark eingeschränkt ist, führt die FVA deren Anstieg auf den den zunehmenden Anteil hochmechanisierter Ernteverfahren zurück, bei denen das Zufallbringen häufig unter Ausnutzung der Maschinenkraft gerichtet erfolgt. Tatsächlich hat das Holzernteverfahren nach der Durchforstungsstärke und der Entfernung der Bäume zur Rückegasse einen großen Einfluss auf die Schadhöhe. Langholzverfahren schneiden erwartungsmäß schlechter ab als Kurzholzverfahren. Die Arbeit mit Seilkranen und Seilschleppern mit einfacher Winde und ohne Greifzange ist schadträchtiger als die Arbeit mit Kran-Schleppern oder mit mit Vollerntern.Problematisch erscheint der FVA, dass Rindenschäden in der Praxis immer noch unterschätzt und „nicht ausreichend engagiert angepackt und verfolgt“ werden. Das ergab eine parallel durchgeführte Umfrage bei 156 staatlichen Revierleitern. 38 % von ihnen vermuteten einen gleichbleibenden Trend, 57 % sahen sogar eine Abnahme der Schäden. Unterstützt wird dies von einem weiteren Ergebnis der Untersuchung: Dass auch weiche Faktoren wie Qualifikation, Problembewusstsein oder Motivation einen nicht unerheblichen Einfluss auf die Einhaltung von Qualitätstandards haben.Rücke- und Fällschäden verursachen bei der Fichte Stammfäulen, die einige Meter im Stamm aufsteigen können und das Holz dadurch entwerten. Andere Baumarten wie Tanne oder Buche sind weniger empfindlich. Doch führen die höher am Stamm auftretenden Fällschäden bei der Buche häufig zu einer schlechteren Rundholzqualität.Wer sich ausführlicher mit der Untersuchung der FVA beschäftigen möchte, kann die Ergebnisse in einer zwanzigseitigen Beitragsreihe in AFZ-DerWald 24/2014 oder auf www.waldwissen.de nachlesen.

O. Gabriel/FVA BW

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