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Rotwild-Telemetrieprojekt der Österreichischen Bundesforste

Rotwild-Telemetrieprojekt der Österreichischen Bundesforste

Neue Erkenntnisse bringt das mehrjährige Telemetrieprojekt der Österreichischen Bundesforste (ÖBf) in Zusammenarbeit mit der Nationalpark Gesellschaft zur Erforschung des Rotwildes im Nationalpark Kalkalpen in Oberösterreich.

„Unser Ziel ist es, die Wanderungen des Rotwildes wissenschaftlich zu dokumentieren und ihr Verhalten in der seit knapp 20 Jahren nicht mehr bejagten Ruhezone des Nationalparks zu erforschen“, erklärt Georg Erlacher, Vorstandssprecher der Bundesforste, die den Großteil der Flächen des Schutzgebietes betreuen. Die fundierten Daten dienen auch dazu, das Wildtiermanagement im Nationalpark weiter zu optimieren.
Seit 2012 wurden insgesamt 19 Hirsche und Hirschkühe – alle zur eindeutigen Unterscheidung mit eigenen Namen versehen – mit GPS-Halsbändern ausgestattet. Bis zu sieben Mal pro Tag werden die Koordinaten aus den weitläufigen Wäldern übermittelt; via SMS bereits 50.000 Peilpunkte.
Die Daten einiger Tiere wurden nun zu ersten aufwändigen Bewegungsprofilen verarbeitet, die Aufschluss über Lauf-, Tag- und Nachtaktivität der größten Säugetiere in der Region geben. Schon die ersten Auswertungen zeigen, dass sich Rotwild in der Natur nicht immer so verhält, wie dies ursprünglich angenommen wurde.
Das Wandern ist des Hirschen (Un-)Lust
Die im Laufe eines Jahres zurückgelegten Strecken unterscheiden sich von Tier zu Tier zwar deutlich, die Wanderrouten sind insgesamt jedoch erheblich kürzer als erwartet. Der sechsjährige Hirsch Ludwig zum Beispiel ist von sehr gemütlicher Natur. Nicht einmal 1,5 km streift er durchschnittlich pro Tag umher und bewegt sich dabei durch ein relativ kleines Gebiet von rund 2.400 ha. Seine weibliche Artgenossin Kordula ist im stolzen (Hirschkuh-)Alter von 15 Jahren und bewältigt immerhin Strecken von über 750 km pro Jahr und legt dabei fast 90.000 Höhenmeter zurück. Zu ihren Lieblingsplätzen zählen Einstände rund um den Almkogel auf rund 1.000 m Seehöhe mit teils herrlicher Aussicht ins Alpenvorland.
Aktiv durch die Dämmerung
Wird vielerorts gemutmaßt, dass sich Rotwild durch verstärkte Nachtaktivität einer Bejagung geschickt entzieht, zeigen die ersten Telemetriedaten, dass die Tiere die längsten Strecken in der Dämmerung zurücklegen. Auch täglich wiederkehrende Bewegungsmuster, wie Jäger sie vermuten, kennen die Tiere meist nicht. „Wie wir aus den bisherigen Auswertungen sehen, scheint auch die jagdfreie Ruhezone wenig Einfluss auf die Streifgebiete des Rotwildes zu haben“, so Erlacher.
Weitere Hirschbesenderungen geplant
In den kommenden Wochen sollen drei weitere Hirsche bzw. Hirschkühe bei den Winterfütterungen, zu denen sich die Tiere in der kargen Jahreszeit regelmäßig einfinden, mit einem GPS-Halsband versehen werden. Zwei Jahre wird das Rotwild dann rund alle drei Stunden Peildaten übermitteln und Wissenswertes über seine Wanderbewegungen preisgeben.
„Für eine fundierte wissenschaftliche Aufarbeitung brauchen wir so viele Bewegungsdaten wie möglich. Manchmal kann ein Peil-Sender auch ausfallen oder die Tiere bevorzugen Plätze in entlegenen Gebieten, in denen kein GSM-Netz verfügbar ist“, erklärt Erlacher.
Unterstützt wird das Rotwild-Telemetrie-Projekt vom Europäischen Landwirtschaftsfonds für die Entwicklung des ländlichen Raumes (ELER). Das Projekt läuft noch weitere zwei Jahre, die finalen Ergebnisse werden voraussichtlich 2017 zur Verfügung stehen.
Österreichische Bundesforste

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