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Neue Rote Liste der Gefäßpflanzen der Schweiz

Neue Rote Liste der Gefäßpflanzen der Schweiz

Die Rote Liste der Gefäßpflanzen der Schweiz wurde von Info Flora gemäß den Richtlinien der IUCN nach 14 Jahren revidiert und ersetzt damit die Ausgabe 2002.

Von den 2.613 bewerteten Arten und Unterarten gelten 725 (28 %) als gefährdet oder ausgestorben und 415 (16 %) als potenziell gefährdet. 
Im Vergleich zur Evaluation vor 14 Jahren ist der Rote-Liste-Anteil zwar leicht gesunken, aber der Rote-Liste-Index hat sich verschlechtert. Die Gründe dafür liegen in der Zunahme an verschwundenen Arten und in der starken Zunahme der potenziell gefährdeten Arten. Bei etwa 20 % der Taxa hat sich die Einstufung verändert.
Die Lebensräume mit den höchsten Anteilen gefährdeter Arten sind die Gewässer, Ufer, Moore, Trockenwiesen, Äcker und Weinberge.
Kapitel 4.10: Wälder
Die Fläche des Waldes nimmt in der Schweiz stetig zu und die Wälder werden generell dichter und schattiger. Neben den schattigen Wäldern, mit ihrer eher artenarmen, spezialisierten Flora, gibt es aber immer noch lichte, offene und artenreiche Wälder, die wichtige zusätzliche Standorte für lichtliebende Arten bieten. Hier findet man ähnliche Vergesellschaftungen wie entlang von Waldsäumen und in Gebüschbeständen. Solche lichte Wälder sind im Verlauf des 20. Jahrhunderts unter anderem wegen der allmählichen Aufgabe von kulturhistorischen Bewirtschaftungsformen wie die Nieder- und Mittelwälder, wegen der Unterbindung der Beweidung im Wald, sowie wegen dem erhöhten atmosphärischen Stickstoffeintrag massiv zurückgegangen.
Die Wälder sind dichter und dunkler geworden, Keimstellen für Halbschattenpflanzen sind verschwunden. Dies ist ein zusätzlicher Grund für die Gefährdung vieler Saumarten. Deren Standorte sind zu oft auf allzu schmale Streifen entlang der lichtexponierten Waldränder reduziert worden. Es ist daher wichtig, dass auch lichtliebendere, gefährdete Arten in die Biodiversitätsverantwortung des Waldes einbezogen werden (z.B. Asperula tinctoria, Cypripedium calceolus, Daphne cneorum, Dictamnus albus, Fragaria moschata, Orchis purpurea, Potentilla alba oder Vitis sylvestris). Neben den lichten Wäldern sind aber auch die von dauerhafter oder zeitweiliger Nässe geprägten Wälder wichtige Orte für gefährdete Arten.
Empfehlungen für die Förderung gefährdeter Gefäßpflanzen in Wäldern:
•  Als Instrument für die Förderung der Gefäßpflanzen in Wäldern sind neben den lebensraumspezifische Zielarten auch Leitarten für verschiedne Zielzustände zu definieren.
•  Die sehr zerstreut vorkommenden Populationen der seltensten und gefährdeten Waldarten sind den Akteuren in der Waldnutzung und -pflege bekannt zu machen.
•  Das relativ junge Instrument der Waldzielarten (Imesch et al. 2015) sollte auf allen Ebenen der Planung und deren Umsetzung gefördert werden, bis es standardmäßiger Teil der Pflege- und Nutzungspraxis ist.
•  Die Wuchsorte der Waldzielarten, die oft nur wenige Quadratmeter umfassen, sind gemäss den Ansprüchen der jeweiligen Zielarten zu nutzen und zu pflegen.
•  Lichte Wälder sind zu fördern. Viele lichtliebende Waldarten sind auf Auflichtungen, kleine Schlagflächen oder regelmäßige Waldweide angewiesen. Dies gilt insbesondere für Waldarten in warmen, sonnigen, südexponierten Lagen oder in Moorwäldern bzw. in der Umgebung von Mooren.
•  Für Waldflächen mit gefährdeten Arten ist der Verbund mit umliegenden, für die Biodiversität wertvollen Flächen zu prüfen und, falls geeignet, einzurichten.
 

Zur BAFU, Bestellung und Download

 
Bundesamt für Umwelt BAFU, Info Flora/Red.

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