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Rohholzverbraucher zur Energiestrategie 2030 des Landes Brandenburg

Rohholzverbraucher zur Energiestrategie 2030 des Landes Brandenburg

Am 8.2.2012 lud der Wirtschaftsausschuss des brandenburgischen Landtags Energie- und Klimaexperten zu einer Anhörung, die sich mit dem Entwurf der Energiestrategie 2030 auseinandersetzte. Olaf Klinkert, verantwortlich für den Holzeinkauf der deutschen Holzwerke der Glunz AG und damit auch für den Standort im brandenburgischen Beeskow, vertrat die Rohholz verbrauchende Industrie.

Holzmarkt. Klinkert zum regionalen Rohholzmarkt: „Das Holzaufkommen in Brandenburg ist rückläufig, während das Land Brandenburg verstärkt auf den Ausbau der Biomassenutzung gesetzt hat. Als Folge stieg der Holzpreis kontinuierlich an – seit 2005 bis über 80 %. Obwohl wir die hohen Rohstoffpreise zahlen, steigen die Schwierigkeiten und Herausforderungen, unser Werk in Beeskow kontinuierlich zu versorgen.” Die Rohholz verbrauchende Branche ist sich einig: Wenn es um die energetische Nutzung von Holz geht, muss Effizienzsteigerung vor Kapazitätsausbau gehen, denn Holz ist zwar eine nachwachsende, aber keinesfalls eine unendlich verfügbare Ressource. Eine entsprechende Stellungnahme der Arbeitsgemeinschaft Rohholzverbraucher zu diesen und weiteren Punkten der Strategie, ging am 6.2.2012 an die Abgeordneten des Brandenburgischen Landtags.

Biomassepotenzial. Der Eindruck des Industrievertreters wird durch aktuelle Statistiken des Landes bestätigt: Das Ziel der vorangegangenen Energiestrategie, bis 2020 den Biomasseanteil am Primärenergiebedarf auf 41 % zu erhöhen, wurde bereits im Jahr 2010, also zehn Jahre früher als geplant, mit einem Anteil von 65 % Biomasse erfüllt. Die nachhaltig nutzbaren Potenziale sind, insbesondere bei holzartiger Biomasse aus Waldholz, weitgehend erschöpft. Klare Maßnahmen, den Anteil der Biomasse am erneuerbaren Energiemix Brandenburgs abzusenken und auf das tatsächlich verfügbare Potenzial zu beschränken, sind im Entwurf nur unzureichend formuliert.

Klimaschutzwirkung. Für AGR-Geschäftsführer Dr. Denny Ohnesorge sprechen weitere gute Gründe für eine Reduzierung des Biomasseanteils: „Die stoffliche Nutzung von Holz leistet durch die Kohlenstoffspeicherung in Holzprodukten und durch den Ersatz energieintensiver Materialien einen Beitrag zum Klimaschutz, der dreimal so groß ist, wie die energetische Verwertung. Nach Berechnungen des Johann Heinrich von Thünen-Instituts in Hamburg wurden durch die Holzverwendung im Jahr 2011 rund 75 Mio. t CO2 vermieden.“ Die Maßnahmen zur Energiestrategie 2030 sollten im Bereich Biomasse deshalb auf eine größtmögliche Klimaschutzwirkung ausgerichtet sein. Die Mitverbrennung von verwertbaren Holzsortimenten in Kohlekraftwerken zählt laut AGR nicht dazu. Durch steigende Kosten bei Alternativbrennstoffen erfreuen sich in Brandenburger Privathaushalten auch Holzöfen immer größerer Beliebtheit. Hier sollten nach Ansicht der AGR allerdings Anreize geschaffen werden, die es Verbrauchern ermöglichen, ältere und ineffiziente Holzofen-Modelle auszutauschen. Der Holzverbrauch könnte sich dadurch um bis zu 1 Mio. m³ pro Jahr verringern – eine 50-%ige Effizienzsteigerung in diesem Bereich.

Flächenkonkurrenz. Beim Ausbau erneuerbarer Energien sollten Ohnesorge zufolge Flächenkonkurrenzen zur forst- und landwirtschaftlichen Nutzung, aber auch zu anderen erneuerbaren Energien vermindert werden. Dies gilt insbesondere auch für die Erschließung von weiteren Solarflächen. „Grundsätzlich ist jede land- und forstwirtschaftliche Fläche neben ökologischen Motiven, aus Gründen einer nachhaltigen, regionalen Rohstoffversorgung der Holz- und Energiewirtschaft als solche zu erhalten und zu nutzen. Die Umwandlung von Wald in Solarparks, wie vereinzelt bereits praktiziert und einst auch in Brandenburg in der Lieberoser Heide geplant, ist entschieden abzulehnen“, erklärt Ohnesorge. Ebenso spricht sich der Forstwissenschaftler dafür aus, sogenannte Konversionsflächen wie ehemalige Truppenübungsflächen oder Braunkohlentagebauflächen wieder in naturnahe und bewirtschaftete Lebensräume zurückzuführen.

AGR

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