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Rohholzverbraucher zur aktuellen Greenpeace-Kampagne

Die Umweltorganisation Greenpeace betreibt seit einigen Monaten eine „Baum-ab-nein-danke“-Kampagne gegen die Holznutzung in deutschen Wäldern. In diesem Zusammenhang richteten Greenpeace-Aktivisten in einem der natürlichsten Waldgebiete Deutschlands, dem Spessart, ein Waldcamp ein, um die vorhandenen Tier- und Pflanzenarten zu dokumentieren. Bereits nach zwei Wochen resümieren die Aktivisten, dass „Der Spessart: Ort der Artenvielfalt“ sei.

„Es freut uns natürlich sehr, dass Greenpeace der deutschen Forstwirtschaft ein solches Zeugnis ausstellt. Denn diese Wälder werden seit Jahrhunderten verantwortungsvoll und naturnah bewirtschaftet“, kommentiert Dr. Denny Ohnesorge, Geschäftsführer der Arbeitsgemeinschaft Rohholzverbraucher (AGR) das Ergebnis. Er äußert jedoch Unverständnis, warum die Greenpeace-Aktivisten trotzdem den Totalschutz der Wälder fordern.

Artenvielfalt in Wirtschaftswäldern nichts Neues

Der Zustand und die Artenzusammensetzung deutscher Wälder wird regelmäßig durch die Waldbesitzer selbst, aber auch in einem Abstand von etwa 10 bis 20 Jahren durch staatliche Inventuren (Bundeswaldinventuren) in allen Eigentumsarten belegt. Die jüngste Bundeswaldinventur ist im vergangenen Jahr angelaufen und wird spätestens im Jahr 2015 veröffentlicht.

Entgegen der Behauptung von Greenpeace, die Bayerischen Staatsforsten zerstören die Buchenwälder, zeigen die Erkenntnisse des Greenpeace-Waldcamps, dass in einem nachhaltig bewirtschafteten Wald die Artenzahl deutlich höher ist. Experten wissen es längst: Erst zielgerichtete Waldpflegemaßnahmen erzeugen vielfältige Strukturen, bringen Licht und Wärme auf den Waldboden und schaffen so günstige Voraussetzungen für ökologische Nischen. Darüber hinaus sehen die Bewirtschaftungspläne der Waldbesitzer den Erhalt naturschutzfachlich wertvoller Strukturen und Baumbestände vor. Werden großflächig Waldflächen aus der Nutzung genommen, profitieren zwar einige wenige Arten, die Lebensräume anderer Arten wiederum verändern oder verschlechtern sich.

Buchenwaldfläche so groß wie seit Jahrhunderten nicht mehr

Eindeutig falsch ist nach Ansicht der AGR die Behauptung von Greenpeace, die Waldbewirtschaftung zerstöre das Waldkulturerbe. Die Laubwaldfläche hat nach Ergebnissen einer Inventurstudie aus dem Jahr 2009 allein zwischen 2002 bis 2008 um 2 % zugenommen. Damit haben Laubwälder inzwischen einen Anteil von mehr als 43 % an der Gesamtwaldfläche von 11 Mio. ha. Die größte Zunahme innerhalb eines Jahrzehnts verzeichneten mit mehr als 83.000 ha gerade die in Deutschland angeblich bedrohten Buchenwälder. Eine weitere Erkenntnis der Waldinventuren ist, dass unsere Wälder immer älter werden. Dabei nimmt insbesondere die Fläche der alten Buchenwälder im privaten wie auch im öffentlichen Wald von Jahr zu Jahr zu. Insgesamt ist die Fläche der über 140 Jahre alten Laubwälder mit mehr als 550.000 ha 2,5-mal so groß wie die gleichaltriger Nadelwälder. Der für den Erhalt bestimmter Arten bedeutende Totholzanteil stieg ebenfalls an: Seit 2002 um 19 %, womit er bereits im Jahr 2008 mehr als 24 m³/ha betrug. Das entspricht etwa dem Volumen von sechs abgestorbenen Altbuchen auf einer Fläche von 100 m x 100 m. Die Daten der Inventuren zeigen, dass keine Plünderung der wertvollen Altbuchenwälder stattfindet.

Einklang von Nutzen und Schutz

Buchenholz ist ein wichtiger Rohstoff für die Herstellung hochwertiger, naturbelassener Möbel, Parkettfußböden und Küchen. Die Laubholzsägeindustrie, die Schreiner und Möbelhersteller, überwiegend spezialisierte kleine und mittelständische Betreibe, sind auf eine kontinuierliche und regionale Versorgung mit Buchenholz angewiesen. Dass dieses Zusammenspiel von Nutzen und Schützen funktioniert, zeigt das Beispiel des artenreichen Waldgebiets Spessart. Denny Ohnesorge: „Ein pauschaler Totalschutz der Buchenwälder wäre eine existenzielle Bedrohung für die Laubholzverarbeiter und falsch verstandener Naturschutz.“

 

Zum Thema: forstpraxis.de-Meldung

 
AGR

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