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Rohholz wird zum Engpass

Die Herbst- und Wintermonate sind einerseits Haupteinschlagszeit mit hoher Verfügbarkeit von Rohholz. Andererseits drosseln Werke häufig die Produktion und nutzen die Zeit für Revisionsarbeiten, weil nachgelagerte Märkte erst im Frühjahr wieder Fahrt aufnehmen. In diesem Winter ist es anders.

Das Wirtschaftswachstum in Deutschland wird nach Einschätzung des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW) mit 2,2 % des Bruttoinlandsprodukts unverändert auch im Jahr 2018 anhalten. Ein seit Jahren anhaltender Aufschwung erhellt auch die Stimmung bei den vom Ifo-Institut befragten Managern. Die Lage der deutschen Wirtschaft wird insgesamt als ausgezeichnet eingeschätzt. Das anhaltend niedrige Zinsniveau eine hohe Beschäftigungsquote in Deutschland befeuern die Investitionen, den privaten Konsum und die Bauwirtschaft. Nach Einschätzung vieler Experten wird der Bauboom auch in den nächsten Jahren anhalten. Von der guten Wirtschaftslage profitiert auch die Holzindustrie, deren Wachstum in den ersten drei Quartalen des Jahres 2017 auf 1,8 % geschätzt wird. 2017 hat der Fertighausbau bundesweit einen Marktanteil von 19,7 % und damit einen neuen Rekordwert erreicht. Der Umsatz der Möbelindustrie wird sich 2017 nach starkem Wachstum im Jahr 2016 voraussichtlich auf hohem Niveau konsolidieren. Im Holzgewerbe sind es vor allem die Spanplattenhersteller, die Nadelholzsäger sowie die Holzpackmittel- und Palettenindustrie, die die wirtschaftliche Lage als gut einschätzen. Bei den Laubholzsägewerken wird die Lage überwiegend als befriedigend, bei den Furnierherstellern häufig als unbefriedigend dargestellt. Insgesamt sind die aktuelle Lage und die Aussichten für die Holzindustrie und damit für die Rundholzmärkte weiterhin sehr gut.

Stabile Nadelschnittholzmärkte

Die Auftragslage der Nadelholzsägewerke ist trotz der saisonüblichen Abschwächung der Nachfrage aus der Bauindustrie überdurchschnittlich gut. Besonders die Exportmärkte und hier besonders der amerikanische Markt haben sich im Gegensatz zu den Vorjahren nicht abgeschwächt. Die Schnittholznachfrage der Palettenindustrie ist ungewöhnlich hoch. Es wird von Lieferengpässen und überhitzten Märkten für Seitenwarensortimente berichtet. Teilweise mussten Palettenhersteller wegen des Schnittholzmangels ihre Produktion einschränken. Die Preise für Massivholz für Holzpaletten erreichten im Dezember 2017 den höchsten Stand seit über zehn Jahren. Die Märkte für Konstruktionsvollholz (KVH) haben sich bei leicht unter dem Vorjahr liegenden Preisen stabilisiert. Die meisten anderen Schnittholzsortimente liegen im Januar 2018 preislich im einstelligen Prozentbereich über dem Vorjahresmonat.

Die Sägerestholzmärkte sind trotz einer hohen Einschnittstätigkeit der Sägewerke sehr aufnahmefähig. Dies wird vor allem auf die anhaltend hohe Produktionstätigkeit der Pelletwerke, sturmbedingte Probleme in der Bahnlogistik und die witterungsbedingten Probleme bei der Bereitstellung von Nadelindustrieholz zurückgeführt. Die Preise für Hackschnitzel und Sägespäne konnten zum Jahresende leicht angehoben werden oder sind zumindest stabil geblieben. Sie liegen im einstelligen und in Ostdeutschland auch im zweistelligen Prozentbereich über den vergleichbaren Vorjahrespreisen.

Die Ertragslage der Nadelholzsägewerke ist auch vor dem Hintergrund der in den vergangenen Monaten wenig veränderten Rundholzpreise deutlich besser als in den Vorjahren. Diese wirtschaftliche Erholung war nach Ansicht der Sägeindustrie dringend erforderlich, um nach Jahren eines erheblichen Ertragsdrucks aufgeschobene Investitionen durchführen zu können.

Auf die sich bis in die Wintermonate hineinziehende gute wirtschaftliche Lage Jahr haben die Sägewerke mit einer hohen Sägetätigkeit reagiert. Auch die saisonüblichen Produktionsabstellungen zum Jahreswechsel sind kürzer ausgefallen als in den Vorjahren. Insgesamt wird die Schnittholzproduktion in Deutschland 2017 auf über 22 Mio. m³ und höher als im Vorjahr eingeschätzt. Genauere Zahlen liefert das Statistische Bundesamt erst im Frühjahr.

Wermutstropfen ist die geringe Rundholzbereitstellung durch die seit Monaten ungewöhnlich hohen Niederschläge in vielen Regionen Deutschlands. Die Böden sind häufig so aufgeweicht, dass kurzfristig keine Besserung der Holzrückebedingungen in Sicht ist. Zudem werden viele Forstbetriebe nicht zuletzt wegen bestehender Naturschutzauflagen bei besseren Witterungsbedingungen primär versuchen ihre Rückstände bei der Auslieferung der Laubholzverträge abzubauen. Die Versorgungslage ist bei einigen Werken sehr angespannt. Presseberichten zufolge haben 60 % der Sägewerke einen Rundholzvorrat von bis zu zwei Produktionsmonaten. Die Rundholzversorgung könnte zum begrenzenden Faktor werden.

Nadelstammholz zieht an

An der angespannten Versorgungslage der meisten Werke werden auch die bisher aufgetretenen Sturmereignisse nichts Gravierendes ändern und wenn nur regional. Die Schadholzmenge durch den Sturm „Xavier“ wurde in Polen mit 900.000 m³ auf fast das Doppelte nach oben korrigiert. Nach wie vor sollen die Mengen überwiegend im eigenen Land verarbeitet werden. Demgegenüber wurde die Mengenschätzung des durch den Gewittersturm „Kolle“ im August in Bayern angefallenen Rohholzes zwischenzeitig von 2,3 auf 1,5 Mio. m³ reduziert. Der Föhnsturm „Yves“ hat Mitte Dezember in Österreich und besonders in Slowenien für Schäden gesorgt. Die Schadholzmenge in Slowenien wird auf über 1 Mio. m³ geschätzt. Das Orkantief „Burglind“ vom 03. Januar 2018 hat in Deutschland überwiegend zu Einzel- und Nesterwürfen und in Südwestdeutschland auch zu kleineren Flächenwürfen geführt. Mit den geschätzten weniger als 1 Mio. Fm Holz sind die deutschen Waldbesitzer glimpflich davongekommen. Die Mengen werden überwiegend auf bestehende Verträge geliefert. Betroffen war auch die Schweiz, aus der etwa 1 Mio. Fm Holz gemeldet werden.

Bei Verhandlungen über Fichtenstammholz konnten in den vergangenen Wochen häufig Preiserhöhungen in einer Größenordnung von 1 bis 3 €/Fm durchgesetzt werden.

Das Preisniveau von Fichtenstammholz in der Stärkeklasse 2b, B/C-Qualität, reicht in Bayern von 82 bis 96 €/Fm. Die große Spanne ergibt sich vor allem durch die Sturmholzverträge, die nach dem Sturm „Kolle“ im Südosten Bayerns abgeschlossen wurden und noch ausgeliefert werden müssen. Für neu abzuschließende Verträge über Frischholz wird auch hier mit einem Preisniveau von etwa 90 €/Fm gerechnet. In Baden-Württemberg und Rheinland-Pfalz sind für das gleiche Sortiment Preise von 92 bis 95 €/Fm bekannt geworden. B-Preise für Langholz liegen etwa 1 bis 2 € darüber. Für Starkholz ab Stärkeklasse 4 gelten teilweise Preisabschläge von 10 €/Fm und mehr.

In der Mitte Deutschlands werden Fichtenstammholzpreise für das oben angeführte Sortiment von 91 bis 93 €/Fm genannt. Auf ähnlichem Niveau liegen die Preise auch im Süden Niedersachsens. Im Norden und Nordosten Deutschlands liegen die Preise etwa 5 €/Fm darunter.

Die Nachfrage nach Kieferstammholz ist rege. Langholzabschnitte (LAS) der Stärkeklasse 2b, Güteklasse B/C, erlösen in Niedersachsen um 70 €/Fm. In der Mitte und im Süden Deutschlands liegen die Preise bis zu 5 €/Fm darüber. Im Norden wird für Kiefernstammholz lang in Exportqualität für die Stärkeklassen ab L 3a je nach Entfernung zum Hafen bis zu 77 €/Fm gezahlt. Douglasien- und Lärchenstammholz sind weiterhin gefragt. Bei den bisherigen Wertholzterminen konnten für beide Holzarten stabile oder auch leicht anziehende Preise erzielt werden. Beim Freihandverkauf hat sich am Preisgefüge nichts geändert. Nach wie vor erlösen Douglasienstammholz in Durchforstungsqualität bis zu 10 €/Fm mehr und Lärchenstammholz bis zu 10 €/Fm weniger als vergleichbare Fichtensortimente.

Nadelstammholz in Palettenqualität ist wegen der florierenden Wirtschaft sehr gefragt. Die Preise sind stabil bis leicht steigend. Im Norden erbringen Nadelholzpalettenabschnitte, 2,40 m + 10 cm, 30 bis 34 €/Rm. Fichtenstammholzabschnitte in D-Qualität erlösen bundesweit um 60 €/Fm.

Laubstammholzversorgung nässebedingt dramatisch

Die Lage der Laubholzsägewerke wird von diesen überwiegend als befriedigend bis gut dargestellt. An den Laubschnittholzmärkten wird sowohl bei der Buche als auch bei der Eiche mit stabilen bis anziehenden Preisen gerechnet. Auch die Eschenschnittholznachfrage scheint sich nach Angaben der Sägewerke weiter zu beleben. Die Laubstammholzernte wird nach wie vor durch Niederschläge und Nässe erschwert. Die Vertragsauslieferungen hängen häufig mehrere Wochen hinterher. Wegen der aufgeweichten Böden und der zeitlichen Begrenzung des Laubstammholzeinschlags wird es für viele Forstbetriebe schwer werden, ihre Einschlagsziele beim Laubstammholz zu erreichen bzw. die vertraglich fixierten Mengen auszuliefern. Die Rundholzversorgung einiger Werke ist angespannt. In der Branche wird von zeitweiligen Stillständen berichtet. Auch die rundholzexportierenden Händler konnten ihre Mengen häufig nicht wie geplant verladen. Die Preise sind wegen der geschlossenen Vorverträge stabil. Teilweise bieten Aufkäufer Waldbesitzern Anreize an, um die Rundholzbereitstellung zu forcieren. Durch die begrenzenden Faktoren wie Witterung und Holzrückekapazitäten dürften nur wenige Betriebe solche Anreize ausnutzen können.

Die Probleme bei der Holzbereitstellung haben sich zum Teil auch auf die Angebotsmengen bei den Wertholzterminen ausgewirkt. So wurde zum Beispiel bei der Northeimer Buntlaub- und Eichenwertholzsubmission im Vorfeld sogar über eine Absage des Termins beraten. Die Angebotsmenge von 2.942 Fm, die rund 1.300 Fm unter dem Vorjahr lag, schien den Anbietern dann doch hoch genug zu sein, um die Submission durchzuführen.

Die Ergebnisse der bisherigen Wertholztermine bestätigen die hohe Nachfrage nach Eichen- und Eschenstammholz. Das Käuferinteresse war zumeist rege und die Preise waren bei beiden Holzarten meistens stabil bis leicht anziehend. Auch die besonders seit dem letzten Jahr zu beobachtende Nachfrage nach sogenannter Katzenpfoten- oder Wildeiche hat setzt sich in dieser Saison fort. Hierbei handelt es sich um Eichen mit vielen Wasserreiserkröpfen, die punktförmige dunkle Flecken im Holz verursachen.

Lebhafte Industrieholzmärkte

Die Probleme bei der Holzbereitstellung und die gleichzeitig gute Konjunkturlage der Holzwerkstoff- und Zellstoffindustrie wirken sich belebend auf die Industrieholzmärkte aus. Bei Laubindustrieholz konnten bei Verhandlungen über Jahresverträge für die Hartholzarten Buche, Ahorn, Esche und Eiche Preissteigerungen erzielt werden. Für Buchenindustrieholz in F/K-Qualität wurden Preise von 39 bis 44 €/Fm vereinbart. Bei der Eiche reicht die Spanne von 30 bis 32 €/Fm. Auch bei den Weichlaubholzarten gibt es Entspannung. Die Preise erreichen wieder über 20 €/Rm. Nadelindustrieholz in F/K-Qualität ist ebenfalls preislich stabil bis anziehend. Im Norden Deutschlands liegt der Preis in aktuellen Abschlüssen bei 20 bis 22,50 €/Rm. Die Nachfrage nach Nadel- und Laubindustrieholz in OSB-Qualität ist hoch. Die Preise erreichen beim Nadelholz in aktuellen Verträgen bis zu 25,75 €/Rm. Die Schleifholzmärkte sind nach wie vor sehr aufnahmefähig. Bei den zum Jahresende durchgeführten Verhandlungen über Jahresverträge wurden die Preise überwiegend fortgeschrieben und vereinzelt konnten leichte Preissteigerungen erzielt werden. Für Fichtenschleifholz liegen die Preise bundesweit zwischen 30 und 32 €/Rm.
Kiefernschleifholz erlöst um
25 €/Rm.

Auch an den Energieholzmärkten herrscht eine rege Nachfrage. Die Pelletindustrie produziert auf hohem Niveau. Der Preisindex des Deutschen Energieholz- und Pelletverbands e. V. (DEPV) für Pellets der Qualität ENPlus A1, Abnahmemenge 6 t, lag im Dezember 2017 mit 245,52 €/t fast genau 10 €/t über dem Vorjahrespreis. Die Holznachfrage der Scheitholzproduzenten ist aufgrund der witterungsbedingten Rundholzverknappung sehr hoch. Die Preise sind stabil und liegen je nach Region für Rundholz für die automatisierte Scheitholzproduktion zwischen 56 und mehr als 60 €/Fm.

Die Witterung durchkreuzt die Einschlagspläne vieler Forstbetriebe. Der verantwortungsvolle Umgang mit der Produktionsgrundlage Boden führt zu einer ungewollten Verknappung des Rohstoffs Holz. In Zeiten des wirtschaftlichen Booms könnte sich die knappe Verfügbarkeit auch in den wirtschaftlichen Ergebnissen ganzer Branchen niederschlagen. Dies verdeutlicht die Bedeutung der durch Stilllegungsdiskussionen gebeutelten Forstpartie und sollte zu neuem Selbstbewusstsein führen.

Friederike

Dieser Holzmarktbericht wurde in der Woche vor dem Sturm verfasst. Ausmaß und Folgen waren zum Zeitpunkt des Drucks noch nicht absehbar. Im Gegensatz zum Vorjahr war der Herbst 2017 durchweg zu nass. Dies führte zu durchfeuchteten und häufig nicht befahrbaren Böden, was die Aufarbeitung der Schäden zusätzlich erschweren dürfte. Dringend raten wir Ihnen jedoch, jetzt nicht unüberlegt zu handeln. Lassen Sie sich von Ihrem Förster beraten und setzen Sie auf erfahrene Mitarbeiter bzw. Unternehmer bei der Aufarbeitung.

Quellen: u.a. EUWID, Holzzentralblatt, Holzjournal

Michael Degenhardt, LWK Niedersachsen, Forstamt Südniedersachsen

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