Newsletter
ABO
Zeitschriften
Service

Überlegungen zum Risiko des Fichtenanbaus in Deutschland vor dem Hintergrund des Klimawandels

Quelle: Forstarchiv 80: 2, 42-54 (2009)
Autor(en): Kölling C, Knoke T, Schall P, Ammer

Kurzfassung: Die Entscheidung, die Baumart Fichte außerhalb ihres natürlichen Verbreitungsgebiets anzubauen, beruht auf verschiedenen Annahmen zu Ertragserwartung und Überlebens wahrscheinlichkeit, die aus Erfahrungen abgeleitet sind. schon immer waren diese Annahmen mit einiger Unsicherheit behaftet. so wichtig eine Bewertung der Risiken des ökonomischen Misserfolgs für die Anbauentscheidung ist, so schwierig ist es, eine entsprechende Datengrundlage dafür zu erhalten. Bei einer Veränderung der ökologischen Rahmenbedingungen des Fichtenanbaus, wie sie der Klimawandel in rascher Sequenz zur Folge hat, vergrößern sich die Schwierigkeiten der Risikobewertung noch. Gleichwohl ist es möglich, aussagen zum steigenden Risiko des Fichtenanbaus am warm-trockenen Rand des Anbaugebiets zu machen. In Deutschland befinden sich einige Regionen am äußersten klimatischen Nischenrand. Entsprechend große Flächen werden schon durch eine moderate Temperaturerhöhung als Anbaugebiet künftig ausscheiden. Da man nicht von einer spontanen und raschen genetischen Anpassung der Populationen ausgehen kann, bleiben als Konsequenzen für das Management vorhandener anfälliger Fichtenbestände der Baumartenwechsel nach Bestandszusammenbruch oder, im Zuge der regulären Bestandsverjüngung, der aktive Voranbau in mittelalten und veränderte Pflegekonzepte in jungen Beständen. In den resultierenden Folgebeständen sollte der Grundsatz der Risikominimierung durch Mischung mit besser angepassten Baumarten konsequent verwirklicht werden. Unsicherheit und Wissenslücken sollten nicht davon abhalten, die gestiegenen Risiken des Fichtenanbaus bei der betrieblichen Entscheidung der Baumartenwahl zu berücksichtigen. Die Opportunitätskosten des Unterlassens des Baumartenwechsels könnten sonst die durch Beibehalten der Baumart erwarteten Erlöse leicht übersteigen.


Cultivation of Norway spruce (Picea abies (L.) Karst.) in Germany: Considerations on risk against the background of climate change

Abstract: The decision to cultivate a tree species such as norway spruce also outside its natural ranges is based on assumptions concerning growth potential and the probability of survival. Even though derived from experiences, these assumptions encompass some uncertainties. Though crucial, the risk of an economic failure is difficult to assess because an adequate data basis is missing, which supports the decision. In the case of changing environmental conditions, as implied by anthropogenic climate change, the difficulties of risk assessment even increase. Nevertheless, it is possible to state a rising risk of cultivating norway spruce at the warm-dry edge of cultivation area. Especially in germany several regions are situated at the outermost edge of the climatic niche. Accordingly, in large areas even a moderate rise in future temperature will considerably restrict the area suitable for cultivation. Since a spontaneous and rapid genetic adaptation of the populations is quite implausible, the options for the management of not adapted or vulnerable norway spruce stands are immediate change of tree species after damage or planned conversion during the course of regular regeneration of the mature stand, advanced regeneration in middle-aged stands and changed thinning concepts in young stands. In the resulting stands the concept of minimizing risks by favouring a mixture of tree species, which are supposed to be better adapted to future climate, should be the guideline for stand management. The likelihood of increasing risk when cultivating norway spruce should be taken into account, even if uncertainties and knowledge gaps still exist. Otherwise the opportunity costs by neglecting the need for conversion of a vulnerable tree species in due time could easily exceed the expected returns.

© DLV München

 

Auch interessant

von