Baumpflege

Riesenkastanien in der Schweiz geht es schlechter

Bearbeitet von Carolin Föste

In der Südschweiz sind sogenannte Riesenkastanien beheimatet. Wie es ihnen geht, auch in Bezug auf den Einfluss des Menschen, wurde nun zum zweiten Mal erhoben. Damit lassen sich Schlüsse ziehen, wie diese außergewöhnlichen Bäume erhalten werden können.

Kastanienbäume haben einen hohen Wert für die Artenvielfalt in der Schweiz. Das beschreibt die Eidgenössische Forschungsanstalt für Wald, Schnee und Landschaft (WSL) in einer aktuellen Meldung, in der sie ihre neue Studie vorstellt. Im Rahmen ihrer Masterarbeit untersuche Jungwissenschaftlerin Caterina Beffa die sanften Riesen.

Gesundheitszustand von Bäumen erfassen

Dazu begutachtete sie das Volumen und die Vitalität der Krone sowie den Rindenzustand der Bäume. 20 Jahre zuvor untersuchte der WSL-Wissenschaftler Patrik Krebs bereits 300 Riesenkastanien im Tessin und in Misox. Beffa wiederholte die Untersuchungen an 101 derselben Exemplare und wurde dabei von Krebs, gemeinsam mit Andreas Rudow von der Eidgenössischen Technischen Hochschule (ETH) Zürich, unterstützt. Damit ist der WSL erstmals ein Datenvergleich zu den Kastanien über eine Zeitspanne hinweg möglich.

Dieselbe Riesenkastanie jetzt und vor 20 Jahren
Riesenkastanien im Vergleich: Diesen Baum untersuchte Krebs zuletzt 2004, Beffa nahm 2021 Vergleichsdaten auf.
Foto: Krebs, Beffa

Wie stabil die Bäume 20 Jahre später noch sind, schätzte Beffa anhand von Rissen und Vertiefungen, der Neigung des Stammes, der Achsensymmetrie und dem Zustand der Starkäste und mit dem Verhältnis zwischen Baumhöhe und Stammumfang. Auch den Standort, bzw. die Umgebung der Bäume nahm sie unter die Lupe.

Ohne Pflege leiden Kastanienbäume

Beffa musste feststellen, dass sich 67 % der Bäume in einem schlechteren Zustand befinden als zuvor. 19 Baumindividuen sind seitdem abgestorben. 26 % der Kastanienbäume geht es heute genauso gut wie vor 20 Jahren, 7 % geht es heute besser.

Gründe für die verschlechterte Gesundheit der Kastanienbäume gebe es laut Beffa mehrere: Wächst die Umgebung der Altbäume mit Jungbäumen zu, leiden sie unter dem neu entstandenen Konkurrenzdruck. Werden die alten Kastanien nicht beschnitten, kann außerdem ihre Wuchsform aus dem Gleichgewicht geraten. Die Folge seien ganze Zusammenbrüche oder zumindest Verletzungen durch abbrechende Äste. Das sei auch der Grund, warum einige Individuen über die Zeit an Volumen verloren haben.

„Vor allem Bäume an Hängen oder fernab von Dörfern sind oft sich selbst überlassen. Es ist wichtig, frühzeitig Maßnahmen zu ergreifen, damit der Schutz der Bäume später weniger kostspielig ist“, so Beffa.

So schnell wächst ein Riesenkastanienbaum

Der schlechte Zustand der Riesenkastanienbäume, die 700 Jahre alt werden können, sorgt die Forschenden, da sie nur sehr langsam wachsen: Mit durchschnittlich nur einem cm Zuwachs im Umfang pro Jahr, brauchen sie sehr lange, um einmal einen Durchmesser von bis zu drei m – oder einen Umfang von bis zu elf m – zu erreichen.

Man müsse die Riesenkastanien daher pflegen, um sie langfristig zu erhalten. Beffa würde sich wünschen, dass dieses kulturelle Erbe der Schweiz mit einem erhöhten pflegenden Einsatz für die Kastanien erhalten und die Artenvielfalt gestärkt werden kann.

Quelle: WSL