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Rheinland-Pfalz Kompetenzzentrum für Klimawandelfolgen in Trippstadt eröffnet

Rheinland-Pfalz Kompetenzzentrum für Klimawandelfolgen in Trippstadt eröffnet

Leben im und mit dem Klimawandel – dieser Herausforderung stellt sich Rheinland-Pfalz. Als erstes Bundesland richtet es ein Forschungszentrum ein, das die möglichen Folgen in den Fokus nimmt und dies medien- und themenübergreifend. Am 1. September hat Umweltministerin Margit Conrad das „Rheinland-Pfalz Kompetenzzentrum für Klimawandelfolgen“ in Trippstadt bei der Forschungsanstalt für Waldökologie und Forstwirtschaft Rheinland-Pfalz (FAWF) eröffnet. Das Zentrum, entstanden als Empfehlung  der Enquetekommission des Landtages zum Klimawandel, wird – aufbauend auf vorhandene Forschungsprojekte – die Folgen des Klimawandels wissenschaftlich untersuchen und Vorschläge zur Anpassung an Veränderungen entwickeln.
„Der Klimawandel lässt sich heute nicht mehr aufhalten. Aber er wirkt sich regional unterschiedlich aus. Aufbauend auf dieser Erkenntnis wollen wir Anpassungsstrategien entwickeln. Der Klimawandel bietet Risiken und auch Chancen – etwa für den Weinbau“, stellte Ministerin Conrad fest.  „Insbesondere gilt es, im waldreichsten Bundesland und im Weinbau-Land Nummer eins die Entwicklung in den besonders empfindlichen Regionen von Rheinland-Pfalz zu bewerten. Das Zentrum koordiniert die unterschiedlichen Aktivitäten in den Ressorts und auch Hochschulen, bündelt die Erkenntnisse, um dann belastbare Strategien, zum Beispiel für den Waldbau, für die Landwirtschaft, für die Wasserwirtschaft oder den Hochwasserschutz zu erarbeiten. Eine wesentliche Aufgabe wird der Aufbau eines Klimainformationssystems sein, das für eine breite Interessengruppe und auch die Hochschulen zur Verfügung steht.“
Die FAWF, wo das Zentrum eingerichtet wird, koordiniert bereits die größten Forschungsprojekte KlimLandRP und ForeStClim. Für 2011 veranschlagt das Umweltministerium rund 750.000 Euro für das Zentrum.
Klimawandel in Rheinland-Pfalz – bisherige Erkenntnisse:
  • Die Jahresmitteltemperatur in Rheinland-Pfalz ist seit 1901 um rund 1,1 Grad Celsius angestiegen (Jahresmitteltemperatur in RLP: 8,6 Grad Celsius;  1961 bis 1990, langjähriges Mittel)
  • Wärmere Sommer, in Rheinland-Pfalz plus 1,3 Grad Celsius und wärmere Winter plus 0,95 Grad Celsius
  • Steigende Anzahl von Sommertagen (Höchsttemperaturen von mind. 25 Grad Celsius ), vor allem im Rheintal: dort in den letzten 50 Jahren  in  den Ballungszentren ein Plus von ca. 25 Sommertagen!
  • Früherer Beginn und längere Vegetationszeiten
  • Immer häufiger extreme Witterungsereignisse
Niederschläge:
Zunahme der Westwetterlagen mit höheren Niederschlägen (Niederschlagstrend 1901 bis 2008 plus 11,1 Prozent: Frühling (plus 17 Prozent ) und Winter (plus 23 Prozent)  sind in Rheinland-Pfalz  feuchter geworden. Die Sommermonate zeigen hingegen eine fallende Tendenz der Niederschlagshöhen (minus 3,5 Prozent  im Flächenmittel). Rheinhessen, der Oberrheingraben und das Koblenz-Neuwieder Becken gehören zu den trockensten Regionen von Rheinland-Pfalz und Deutschland. Starkniederschläge nehmen an Heftigkeit und Häufigkeit zu.
Das „Rheinland-Pfalz Kompetenzzentrum für Klimawandelfolgen“ ist eingerichtet bei der Forschungsanstalt für Waldökologie und Forstwirtschaft Rheinland-Pfalz (FAWF) in Trippstadt, die sich bereits seit Jahren mit Auswirkungen des Klimawandels etwa auf den Wald befasst, zur Landschaftsökologie forscht und Umweltmonitoring betreibt. www.fawf.wald-rlp.de
Aufgaben des neuen Zentrums:
  • Erarbeitung landesspezifischer Anpassungsoptionen auf der Basis regionalisierter Klimamodelle und Klimamodellrechnungen für Rheinland-Pfalz
  • Vernetzung der ressortübergreifenden Aktivitäten und der Forschung
  • Aufbaus eines Informationssystems landesspezifischer Daten
  • Forschungsarbeiten zu Klimawandel und Klimafolgen in Rheinland-Pfalz, insbesondere in den Bereichen: Wald / Forstwirtschaft / Landschaftsökologie, Wasser / Boden, Landwirtschaft / Weinbau, Biodiversität / Arten- und Naturschutz
  • Sozio-ökonomische Folgen des Klimawandels (einschl. Gesundheit und Wirtschaft)
  • Zusammenarbeit mit Hochschulen, Einrichtungen von Bund und  Ländern, Verbänden, Wirtschaft etc.
  • Information der Öffentlichkeit und verschiedener Zielgruppen
Bereits laufende Projekte in Rheinland-Pfalz zum Klimawandel
Die Arbeit des „Rheinland-Pfalz Kompetenzzentrums für Klimawandelfolgen“ kann auf langjährige, bereits laufende Forschungstätigkeit sowie Projekte im Land aufbauen.
In diesen Projekten findet eine übergreifende rege Forschungstätigkeit statt u.a. in den folgenden Bereichen:
  • Biodiversität, Arten- und Naturschutz,
  • Hochwasser und Niedrigwasser; Grundwasser und Wasserversorgung
  • Wald und Forstwirtschaft
  • Boden
  • Klimatologie
Der Ende 2007 vorgestellte Klimabericht Rheinland-Pfalz hatte die heutigen Ist-Zustände der klimatischen Verhältnisse sowie den beobachteten Klimawandel in Rheinland-Pfalz beschrieben und den regional- und sektorenspezifischen Forschungsbedarf sowie erste Handlungsoptionen im Land skizziert.
Die Projekte:
  • Bis Ende 2011 läuft das Forschungsprojekt Klima- und Landschaftswandel in Rheinland-Pfalz („KlimLandRP“) gemeinsam mit dem renommierten Potsdam-Institut für Klimafolgenforschung (PIK) und mehreren universitären Partnern. „KlimLandRP“, begonnen 2008, betrachtet die Vielfalt der Natur- und Kulturlandschaft, die land- und forstwirtschaftliche Nutzung eingeschlossen. Mögliche Veränderungen werden zunächst für einen Zeitraum von bis zu 50 Jahren projiziert, je nach Fragestellung auch bis zum Jahr 2100. Das interdisziplinäre Forschungsprojekt wird vom Umweltministerium getragen und hat ein Gesamtvolumen von ca. 1,8 Millionen Euro für dreieinhalb Jahre.
  • In dem internationalen EU-INTERREG-Projekt „ForeStClim“ (2008 bis voraussichtlich 2012) kooperieren in Nordwest-Europa 21 Partnerorganisationen unter der Leitung der Forschungsanstalt für Waldökologie und Forstwirtschaft Rheinland-Pfalz. Ziel ist es, gemeinsam regionenspezifische Waldbewirtschaftungs- und Waldschutzstrategien auszuarbeiten. Das Projekt umfasst ein Gesamt-Finanzvolumen von 11,6 Millionen Euro und wird mit 5,7 Millionen Euro von der Europäischen Union (EU) gefördert. Rheinland-Pfalz beteiligt sich als federführender Partner mit dem größten Teilprojekt, das einen Umfang von 3,2 Millionen Euro hat und hälftig von der EU und vom Land finanziert wird. Das Vorgängerprojekt WaReLa (Water Retention by Land Use) hatte gezeigt, dass Wald die Vegetationsform ist, die die Niederschläge am besten speichert.
  • Im Kooperationsvorhaben KLIWA („Klimaveränderung und Konsequenzen für die Wasserwirtschaft“) berücksichtigen Rheinland-Pfalz, Baden-Württemberg und Bayern seit über 10 Jahren bei ihren wasserwirtschaftlichen Planungen mögliche Auswirkungen des Klimawandels zum Beispiel auf Hochwasserschutz und Wasserversorgung. Einbezogen wird die Zunahme extremer Witterung, insbesondere im Westen häufiger starker Regen, mehr Hitzeperioden und längere Trockenphasen. KLIWA betreibt Vorsorge mit Hinweisen auf den quantitativen und qualitativen Wasserhaushalt und entwickelt Anpassungsstrategien. www.kliwa.de
  • Auf Bundesebene besteht eine Kooperation bei der Deutschen Anpassungsstrategie an den Klimawandel (DAS).

MUFV

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