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Renaturierung der Hochmoore: Langsam verlandender, eingestauter Torfstich

Renaturierung der Hochmoore im Bayerischen Staatswald

Die Renaturierung der Hochmoore im Staatswald ist seit langem gemeinsames Anliegen der Bayerischen Staatsforsten (BaySF) und der Forstverwaltung und soll zielstrebig vorangetrieben werden. Dazu hat Bayerns Forstminister Helmut Brunner gemeinsam mit Partnern am 9. Oktober 2017 im Haspelmoor (Landkreis Fürstenfeldbruck) im Rahmen eines Pressetermins die bisherigen und künftigen Aktivitäten vorgestellt.

Forstminister Brunner stellte klar, dass der Freistaat Bayern auf seinen eigenen Flächen eine besondere Verantwortung für die Moore hat und diese auch aktiv wahrnimmt. Im Staatswald sollen die Maßnahmen für die Moorflächen mit mittlerer bis hoher Priorität bis 2030 auf der gesamten Fläche weitgehend umgesetzt sein, soweit Belange Dritter oder Zielkonflikte dies zulassen. Dazu fördert der Freistaat im Rahmen der „Besonderen Gemeinwohlleistungen“ die Renaturierungsmaßnahmen, soweit sie über die gesetzlich geforderte vorbildliche Bewirtschaftung hinausgehen, mit 90 % der förderfähigen Kosten. Dies betrifft z. B. die Verschließung von Entwässerungsgräben mithilfe von Bauwerken oder Aussichtsplattformen zur Besucherlenkung.

Brunner erklärte, dass die Moore eine bewegte Nutzungsgeschichte hinter sich haben. Heute sind die rund 8.000 ha Hoch- und Übergangsmoore im Staatswald in möglichst naturnahem Zustand besonders wichtig:

Die Weichen für die Hochmoore im Staatswald sind für die Zukunft v. a. im Interesse von Natur- und Klimaschutz gestellt. Es gebe bereits seit längerem keinen weiteren Torfabbau und keine neuen Entwässerungen. Ziel sei es heute vielmehr, den Wasserhaushalt wenn immer möglich zu renaturieren, also wiederzuvernässen, und dabei speziell auch die Moorwälder zu erhalten, zu pflegen und naturnah zu bewirtschaften.

Die seit den 1990er-Jahren im Staatswald einsetzenden Renaturierungsmaßnahmen haben dank dem 2005 eingeführten Instrument der „besonderen Gemeinwohlleistungen“ deutlich Fahrt aufgenommen.

Ergebnisse aus Forschungsprojekt liegen vor

Um flächendeckende aktuelle Grundlagen zum Renaturierungsbedarf im Staatswald zu bekommen, hat das Forstministerium die Hochschule Weihenstephan-Triesdorf (HSWT) und die Bayerische Landesanstalt für Wald und Forstwirtschaft (LWF) mit einem Forschungsprojekt beauftragt, dessen Ergebnisse nun vorliegen. Dabei wurden unter der Leitung von Prof. Dr. Matthias Drösler (Fachgebiet für Vegetationsökologie der HSWT) innovative Verfahren zur Auswertung hochauflösender DGM-Daten entwickelt und so der Entwässerungs- und der Renaturierungstatus für die Hoch- und Übergangsmoore ermittelt. Über die Hälfte der Fläche befindet sich in einem naturnahen Zustand, ist bereits renaturiert oder aufgrund verschiedener Ansprüche nicht renaturierbar.

„Bayerischer Moorartenkorb“

Moore sind ein unschätzbar wertvoller Bestandteil unseres Naturerbes, Moorbewohner daher echte „Ureinwohner“ Bayerns. Bei erstaunlich vielen Arten in Bayern hängt der Fortbestand vom Erhalt der Moore ab. Die LWF hat über alle Artengruppen hinweg, zu denen Informationen verfügbar waren, und in Zusammenarbeit mit zahlreichen Experten für Fauna und Flora, diese Arten identifiziert. Das Ergebnis ist der „Bayerische Moorartenkorb“ (MAK). Nach aktuellem Stand sind es 483 MAK-Arten (397 Tier- und 86 Pflanzenarten). Hiervon sind 118 „tyrphobiont“, leben also ausschließlich in Hoch- und Übergangsmooren. Weitere 117 bzw. 248 sind in zwei Bindungsgraden „tyrphophil“, bevorzugen also Moore als ihren Lebensraum deutlich. Alle verfügbaren Daten zu vorkommenden Moorarten aus den bayerischen Mooren wurden und werden weiter zusammengeführt, um die Biodiversität bei den noch ausstehenden Renaturierungen angemessen zu berücksichtigen. Da nicht alle Arten in allen Landesteilen, Höhenlagen und Moortypen zu erwarten sind, und auch nicht alle Artengruppen in allen Mooren erforscht worden sind, liegen die Artenzahlen konkreter Moore stets deutlich unter den fast 500 Arten des MAK.

Umsetzung im Staatswald

Die BaySF haben auf der Grundlage der Forschungsergebnisse und eigener Planungsdaten insgesamt 320 Moorkomplexe abgegrenzt und diese anhand vom Renaturierungsbedarf und ihrer besonderen Bedeutung für die Biodiversität priorisiert. Über die Hälfte der Fläche befindet sich in einem naturnahen Zustand, ist bereits renaturiert oder aufgrund verschiedener Ansprüche nicht renaturierbar. Aktuell sind 145 Projektgebiete identifiziert, die mit mittlerer bis hoher Priorität geprüft und unter Berücksichtigung von Nachbarschaftsbelangen und Zielkonflikten ggf. renaturiert werden sollen. Hier wird bis 2030 der Schwerpunkt der Umsetzung liegen. Hinzu kommen rund 500 „Kleinstflächen“ (im Durchschnitt 1 ha), deren Erhalt im Normalfall im Zuge der vorbildlichen Bewirtschaftung sichergestellt werden kann. Dort müssen i. d. R. keine Entwässerungsanlagen zurückgebaut werden. Ebenfalls geprüft und gegebenenfalls renaturiert werden zusätzlich Moorflächen im bayerischen Alpenraum (Wuchsgebiet 15), die aufgrund fehlender Standortsdaten für den Hochgebirgsraum nicht Gegenstand des Forschungsprojektes waren.

Fallbeispiel Haspelmoor

Im vorgestellten Fallbeispiel des Haspelmoores hat der Forstbetrieb Landsberg in Zusammenarbeit mit dem Amt für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten Fürstenfeldbruck und der Unteren Naturschutzbehörde in mehreren Phasen bereits das technisch Mögliche getan, um dieses nördlichste Voralpen-Hochmoor zu renaturieren. Betriebsleiter Robert Bocksberger stellte allerdings auch klar, dass die Renaturierung von Mooren je nach Ausgangslage und Niederschlagsverhältnissen ein langwieriger Prozess ist. Manche der eingestauten Torfstiche werden Jahrzehnte brauchen, bis sich hier ein Torfmoosteppich geschlossen haben wird.

Das Haspelmoor verfügt nicht mehr über offene, wachsende Hochmoorflächen und mit nur 850 mm Jahresniederschlag ist auch keine Ausbildung einer offenen Hochmoor-Weite zu erwarten. Dies verdeutlicht, dass die Ziele für jedes Moor auch an die heutigen und künftigen (Klimawandel) Umweltbedingungen angepasst werden müssen. Der besonders naturnahe Teil dieses Moores trägt noch die Reste des ursprünglichen Spirkenfilzes. Dieser Moorwaldtyp, der von der heimischen Moorkiefer oder Spirke (Pinus rotundata) gebildet wird, ist ein echtes „Kronjuwel“ des bayerischen Moorschutzes, denn weltweit hat diese Kiefern-Art ein sehr kleines Verbreitungsgebiet. Bayern liegt im Zentrum dieses Areals. Von diesem sehr ursprünglichen Moorwald-Typ gibt es in Bayern nur noch einige hundert Hektar Fläche. Im Haspelmoor sind es laut FFH-Mangementplan nur noch 2,4 ha mit insgesamt noch 351 Spirken. Obwohl dieser nie abgetorfte Teilbereich bereits vor fast 100 Jahren unter Schutz gestellt wurde, nimmt die Spirke nur einen kleinen Teil dieser Fläche ein, kann sich aber immerhin stellenweise auch noch natürlich verjüngen.

Im Haspelmoor wurden bisher 80 Moorarten des Moorartenkorbes nachgewiesen. Dieser sehr hohe Wert spiegelt auch den relativ guten Erforschungsstand dieses Gebiets wider. Einige Arten, wie die Strauchbirke (Betula humilis), sind allerdings aktuell verschollen. Andere kommen nur noch auf kleinen Restflächen im Gebiet vor. Manche der früher verschollenen oder sehr selten gewordenen Arten, darunter auch echte Hochmoorspezialisten wie die Arktische Smaragdlibelle (Somatochlora arctica), konnten von den erfolgten Renaturierungsmaßnahmen bereits profitieren. Damit alle Moorarten im Haspelmoor überleben können, müssen die verschiedenen Moorlebensräume im Gebiet erhalten werden.

Minister Brunner dankte den beteiligten Stellen für ihr Engagement und lobte die gute Zusammenarbeit.

Stefan Müller-Kroehling, Raimund Becher
 

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