Holztransport

Doll Ratioplus Roadshow: Selbsterfahrung

Das Ratioplus-Lenksystem von Doll-Fahrzeugbau gibt es schon ein paar Jahre. Im Prospekt steht, das soll eine kluge Kombination aus Selbstlenker und Zwangs­lenker sein. Was bedeutet das ind der Praxis?

Selbstlenker

Beim weitverbreiteten Selbstlenker befindet sich das ganze Lenksystem innerhalb des Nachläufers. Die Verdrehung des Schemels durch die aufliegenden Stämme steuert zwei Hydraulikzylinder an, die dafür sorgen, dass die vorderen Räder entsprechend einschlagen. Diese Technik ist einfach aufgebaut, entsprechend leicht und hat einen geringen Verschleiß zur Folge. Leider entwickelt der Selbstlenker – nomen est omen – bisweilen ein gewisses Eigenleben und muss auf engen kurvigen Waldstraßen häufig mit Hilfe einer Zusatzlenkung vom Fahrer aktiv im Zaum gehalten werden. Bei Vollbremsungen neigt die Fuhre zudem dazu, hinten seitlich auszubrechen.

Zwangslenker

Beim Zwangslenker dagegen, in den 1970er Jahren von der Firma Huttner im Holztransport eingeführt, wird der Lenk­impuls vorne am Lkw-Schemel erzeugt und über Hydraulikleitungen nach hinten weitergegeben. So läuft der Wagen sehr sauber in der Spur der Zugmaschine. Die aufwändige Technik ist jedoch schwer und die zwanghafte Führung bedeutet eine höhere Belastung für Achsen und Reifen.

Das Beste aus zwei Welten

Der Ratioplus von Doll schließlich vereinigt beide Steuerungssysteme in sich. Bei langsamer Fahrt oder im Rückwärtsgang bekommen die Lenkzylinder im Nachläufer ihre Befehle anhand von Winkelsensoren im Lkw-Schemel. Das Fahrzeug läuft in der Spur wie ein Zwangslenker. Ein Nachkorrigieren per Hand ist dabei so gut wie nicht mehr notwendig, zumal die moderne Technik auch den Abstand zwischen Zugmaschine und Nachläufer mit einberechnet. Auf Knopfdruck, oder ab einer Geschwindigkeit von 35 km/h automatisch, wird der Ratioplus-Zug zum Selbstlenker. Bei höheren Geschwindigkeiten auf öffentlichen Straßen läuft die Fuhre somit ein ganzes Stück leichter und die Ladung schwenkt auch weniger aus als im Spurläufer-Modus.

Selber erfahren

Soweit die Theorie. Wie sich das im Praxisbetrieb anfühlt, muss man aber eigentlich selbst ausprobieren. Deswegen hat die Firma Doll ein Vorführfahrzeug auf die Räder gestellt, das interessierte Holzfahrer jeweils 14 Tage testen können. Nach einer kurzen Corona-bedingten Pause ist das Auto schon wieder auf Monate hinaus ausgebucht. Doll nimmt aber weiterhin Bewerbungen an wenn jemand dieses Lenksystem einmal für zwei Wochen testen möchte.

Wir konnten Julian Reith Vom Forstunternehmen Reith bei einer kurzen Tour zwischen Spessart und Rhön begleiten. hier noch ein paar Impressionen dazu:

Foto: H. Höllerl
Foto: H. Höllerl
Das Gesamtgewicht lässt sich direkt am Kranhochsitz abfragen // Foto: H. Höllerl