Waldschutz

Füttern für den Klimawald?

Bearbeitet von Heinrich Höllerl

In seiner jüngsten Pressemitteilung vom 25.1.2022 stellt der Bayerische Jagdverband die Forderung auf, das Schalenwild -namentlich Reh- und Rotwild- im Winter zu füttern, um damit den notwendigen Waldumbau zum Klimawald zu unterstützen. Fast nirgendwo sei mehr genügend Äsung vorhanden, deswegen müsse mehr gefüttert werden. Im Extremfall drohe sogar der „menschenverursachte Hungertod von Wildtieren“. Dabei differenziert der BJV überhaupt nicht zwischen den verschiedenen Arten und Lebensräumen: Während bei Rotwild im Gebirge die Notwendigkeit von Winterfütterungen allgemein anerkannt ist, findet man für das Rehwild zwischenzeitlich genügend wissenschaftliche Untersuchungen, die bestätigen, dass es für diese Wildart in Deutschland quasi keine Notzeiten mehr gibt.

Bleibt also noch die Unterstützung des Klimawaldes: Dieser müsse nach Ansicht des Jagdvereins in Zukunft vorrangig die Umwelt schützen und als Lebensraum für das Wild dienen. Die wirtschaftlichen Interessen (der Waldbesitzer) seien dabei fehl am Platz. Daneben versteigt sich das Papier sogar noch zu der gewagten These: „Dabei bindet auch ein verbissener Baum CO2, durch Zwieselbildung nachweislich sogar mehr als ein unverbissener.“ Den wissenschaftlichen Beleg dafür konnte der Verband bisher nicht beibringen. Vor dem Hintergrund, dass wir gerade bei den erwünschten klimastabilen Baumarten wie z.B. der Tanne in vielen Fällen noch mit dem Totalverbiss kämpfen, werden viele Waldbauern und Förster eine solche Behauptung als Schlag ins Gesicht empfinden.

Die Basis ist schon weiter

Dass die Kommunikation zwischen Jagd und Forst auch viel besser funktionieren kann, belegt ein Beitrag aus der Passauer Neuen Presse, der justament am gleichen Tag erschienen ist. In der betreffenden Hegegemeinschaft im Landkreis Altötting ist man sich einig, dass die milden Winter keine Reduktion bei den Rehen mehr bedeuten und dass man für einen echten Waldumbau auch jagdlich zusammenhelfen muss. Die Basis der Jäger hat scheinbar in vielen Fällen die Zusammenhänge zwischen Wildbiologie und Waldökologie schon besser begriffen als das Präsidium des BJV.

Vorbild Baden-Württemberg

Noch einmal ein gutes Stück besser liest sich der „Praxisratgeber Waldumbau und Jagd“, für den in Baden-Württemberg offensichtlich die Regierung, Staats- und Privatforst und der Jagdverband Hand in Hand gearbeitet haben. In diesem Leitfaden finden sich sehr viele konstruktive Ideen, wie Jäger und Förster gemeinsam die Mammutaufgabe „Waldumbau zur Klimastabilität“ meistern können. Unter anderem steht hier auf S. 68 aber auch die ganz klare Aussage: „Verzichten Sie auf Fütterungen. Die Winterfütterung von Rehwild ist wildbiologisch nicht notwendig und verfehlt häufig das Ziel, weniger Wildschäden zu verursachen.“

Heinrich Höllerl