Waldschutz

Raupeninvasion – ist der Große Flechtenbär gefährlich?

Bearbeitet von Jörg Fischer

In süd- und ostbayerischen Fichtenwäldern häufen sich aktuell Sichtungen von auffälligen Raupeninvasionen, die an die Larven des Schwammspinners erinnern. Tatsächlich gehören die haarigen Raupen jedoch zum Großen Flechtenbär. Was hat es mit diesem Falter auf sich und gehen von ihm vielleicht sogar Gefahren aus?

Schnell fühlt man sich an die Schwammspinnermassenvermehrung der Jahre 2018 bis 2020 erinnert. Damals wurden im Frankenwald viele Eichenwälder kahl gefressen. Die Raupendichte war sogar so hoch, dass einige Tiere in Häuser eingedrungen sind, wie die Bayerische Landesanstalt für Wald und Forstwirtschaft (LWF) in ihrem „Blickpunkt Waldschutz“ Nr. 8/2022 berichtet.

Bei den beobachteten Tieren aus den süd- und ostbayerischen Fichtenwäldern handelt es sich jedoch um eine andere Art: den Großen oder auch Vierpunkt Flechtenbär (Lithosia quadra),

Raupen des Großen Flechtenbärs an Fichte
Foto: T. Kapfhammer/AELF Regen

Was ist der Große Flechtenbär?

Der Falter aus der Familie der Bärenspinner sei in Misch- und Nadelwäldern zu finden. In Europa zwar weit verbreitet, sei er bei uns jedoch normalerweise selten zu finden. In größeren Zeitabständen falle er aber in verschiedenen Regionen durch lokale Massenvermehrungen auf. Diese können sowohl in Mischwäldern, als auch in fichtendominierten Waldgebieten erfolgen, so die Aussage der Waldschutzexpertinnen und -experten der LWF. Beispielsweise sei die Art vor wenigen Jahren im Ebersberger Forst (Raum München) mit Raupen des Nonnenfalters verwechselt worden. Dieser führte dort in den 1990er-Jahren zu verheerenden Schäden an der Fichte.

Wie lebt der Große Flechtenbär?

Der Lebenszyklus des Großen Flechtenbärs beginnt mit der Eiablage nach Falterschlupf und Schwärmflug im Juli/August, wie aus dem „Blickpunkt Waldschutz“ Nr. 8/2022 hervorgeht. Demnach legen die Weibchen des Falters ihre Eier an die Stammrinde der Wirtsbäume. Ab September treten die zunächst sehr kleinen und unauffälligen Raupen auf und fressen ungesehen in den Flechten der Bäume, berichten die Waldschutzexpertinnen und -experten weiter. Die kleinen Raupen würden z. B. in Rindenspalten überwintern und im Folgejahr bis in den Juni hinein weiterfressen. Zu dieser Zeit könne es dann zu den auffälligen Raupeninvasionen kommen, wie sie derzeit in den Wäldern Süd- und Ostbayerns zu beobachten sind. Im Juni/Juli verpuppen sich die Raupen und der Zyklus beginne dann von Neuem.

Was frisst so eine Raupe und welche Gefahren gehen von ihr aus?

Die Raupen ernähren sich von Flechten an verschiedenen Laub- und Nadelbäumen, heißt es seitens der LWF weiter. Gegen Ende ihrer Entwicklung können sie auch an Laub bzw. Nadeln der betroffenen Bäume fressen. Größere Schäden würden dadurch aber nicht entstehen.

Gesundheitliche Gefahren gehen von den Raupen ebenfalls nicht aus, versichern die Forschenden. Man solle sie aber, wie alle Bärenspinner, möglichst nicht berühren, da die langen Haare der Raupen bei manchen Personen kurzzeitige Hautreaktionen verursachen können. Es seien aber keine Maßnahmen gegen die Raupen notwendig.

Mit Material der LWF