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Raubbau in Rumäniens Wäldern

Raubbau in Rumäniens Wäldern

Die Praxis der Holzernte in Rumäniens Wäldern wird seit längerer Zeit von Umweltschützern kritisiert. Das Land hat zwar nur rund 29 % Waldausstattung, doch kommen jährlich offiziell mehr als 17 Mio. Fm Holz auf den Markt. Die Menge des an den Forstbehörden vorbei geschlägerten Holzes lässt sich nur schwer schätzen. Experten gehen von einem Anteil von mindestens 10 % der offiziellen Werte aus, mit rund 2 Mio. Fm ist das nicht wenig. Dazu kommen noch die „Notfällungen“ der armen Landbevölkerung für Heizzwecke in den kalten und langen Wintern.Dabei verfügt(e) Rumänien über einzigartige und große Urwälder, deren Schutz aber praktisch niemanden ein Anliegen ist. Die schlecht bezahlten Forstbeamten sind bestechlich, sie verfassen Forsteinrichtungspläne, die Nutzungen als „Säuberungshiebe“ in diesen Wäldern erlauben. Und das führt meist zu riesigen Kahlschlägen.Ein weiteres Problem ist der hohe Fichtenanteil in den Wäldern. Das Klima mit vielen Starkwindereignissen fördert das Auftreten großflächiger Windwürfe. Die Fichte dominiert aus historischen Gründen. Zudem forstete man viele für Reparationsleistungen an Russland nach 1945 abgeholzte Mischwälder mit Fichten auf, die – da nie durchforstet – heute ideale Angriffspunkte für Käfer, Schnee und Wind sind.Die Ansiedlungen großer Holzindustrien mit westlichen Eigentümern (Österreich ist prominent vertreten) erhöhten den Schlägerungsdruck deutlich. So ist in der Region Suceava, wo eines der größten Sägewerke Europas steht, die Holzernte zwischen 2000 und 2010 um gleich 46 % von knapp 1,6 Mio. Fm auf knapp 2,3 Mio. Fm gestiegen. Zufall? Umweltschützer sehen jedenfalls ein Zusammenhang zwischen der massiven Abholzung und den häufigeren und heftigeren Hochwasserereignissen der Moldau. Der Wald galt in Rumänien als „Bruder des Menschen“. Heute sprechen viele vom „Brudermord“, wenn sie über die Tätigkeiten der Holzfäller und der Hintermänner berichten.Den Touristen wird im Wasserfalltal die letzte Waldeisenbahn Europas mit Dampfbetrieb in einem waldreichen Tal präsentiert. Die Bahn erhalten Schweizer Eisenbahnfreunde. Alles scheint im Lot und der Wald nicht übernutzt. Wer aber ein Tal vorher oder nachher reinschaut, wird nur Kahlflächen finden. In Summe gesehen ist das kein Ruhmesblatt weder für die ausgebildeten Forstleute, noch für die Holzernteunternehmen oder diejenigen, die Holz verarbeiten. Aber Geld regiert eben die Welt.

A. Friedrich

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