11.06.2010Waldkunde | Waldkunde | Waldschutz

Querungshilfen für wandernde Arten

Unter dem Motto "Gemeinsamkeiten finden" stand die vierte Kooperationsveranstaltung von Landesjagdverband Schleswig-Holstein e.V., Landesamt für Landwirtschaft, Umwelt und ländliche Räume und Akademie für Natur und Umwelt. 80 Fachleute aus Naturschutz, Forstwirtschaft, Wildbiologie und Jagd informierten sich am 17. Mai über das Thema "Querungshilfen", wobei das Rotwild als Leitart Schwerpunkt der Betrachtungen war.

Grünbrücken und Durchlässe sollen über Lebensraumkorridore in einen großräumigen Verbund integriert werden
Foto: Volker Seifert
Durch das - auch für europäische Verhältnisse - besonders dichte Straßennetz Deutschlands mit 1,8 Kilometern Straße pro Quadratkilometer werden Arten bei ihren Wanderungen zwischen Lebensräumen behindert, Populationen werden isoliert und der genetische Austausch findet nicht mehr oder nur stark eingeschränkt statt. Aber nicht nur die Wandertrassen und Grünbrücken dienen der Verbreitung von Arten. Auch die wandernden Großtiere selbst transportieren Pflanzensaat und sind somit selbst als "bewegliche Korridore" unterwegs.

Die Bundesrepublik fördert deshalb im Konjunkturprogramm II bundesweit 17 Querungshilfen im Bundesfernwegenetz - zwei davon auch in Schleswig-Holstein. Hinzu kommen die im Rahmen der aktuellen Straßenbauvorhaben in Schleswig-Holstein geplanten und zum Teil bereits umgesetzten sieben Wildbrücken und eine Wildunterführung.

Hilfreich für die Standortsuche für Querungshilfen ist die Biotopverbundplanung des Landesamtes für Landwirtschaft, Umwelt und ländliche Räume. Hinzu kommen die Daten aus dem Rotwildprojekt. Derzeit werden die Wanderungsdaten von 21 besenderten Rothirschen gesammelt und vom Institut für Wildbiologie der Universität Göttingen ausgewertet. Die bisher vorliegenden Daten legen nahe, gerade die jungen Hirsche jagdlich zu schonen, da sie es sind, die sich auf die weiten Wanderungen begeben und damit für den genetischen Austausch mit anderen Populationen eine besondere Bedeutung haben.

Im Auftrag des Bundesamtes für Naturschutz wird im Projekt "Holsteiner Lebensraumkorridore" untersucht, durch welche Landschaftselemente und Biotopverbesserungsmaßnahmen die Grünbrücke Kiebitzholm über die A 21 bei Daldorf ökologisch an das Hinterland angebunden werden kann. Die Erfahrungen aus diesem Projekt sollen in die Realisierung weiterer Wildbrücken und deren Einbindung in die Umgebungslandschaft einfließen.

Infos:

 

Bettina Watermann

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