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Salm Schierke Waldbesitzer Protest

Protest in Sachsen-Anhalt

Die Waldbesitzer in Sachsen-Anhalt protestieren derzeit landesweit gegen die Politik der Landesumweltministerin Claudia Dalbert. Am Freitag, 10. Juli gab es dazu eine Aussprache zwischen Waldbesitzerverband mit Vertretern der Landesverbände und des Kommunalwaldes in Schierke. Dort im Harz trete das flächige Absterben des Waldes besonders zutage, so die Begründung zur Ortswahl. 

Der Oberbürgermeister von Wernigerode, Peter Gaffert, Vizepräsident von PEFC Deutschland, hält einen Krisen- und Einsatzstab auf Landesebene für unumgänglich. Der Stadtwald Wernigerode umfasst 2000 ha, davon die Hälfte Fichte, bis der Borkenkäfer davon wiederum 500 ha vernichtete. Jetzt fragt sich Gaffert, wie seine Kommune die Wiederaufforstung bewältigen soll.

Wald ans Land verkaufen

Im Privatwald sehe es nicht besser aus: Die Waldbesitzer verweisen auf den verzweifelten Appell des Kleinprivatwaldbesitzers und Forstingenieurs Hagen Kelle. Dieser hat in einem offenen Brief dem Land seinen 40 ha großen Wald zum Kauf angeboten, bezugnehmend auf die Aussage des Staatssekretärs Klaus Rehda vom 11.03.2020, dass Waldbesitzer, die ihren Wald nicht bewirtschaften können, diesen an das Land abgeben sollten. Kelles Wald ist vom Borkenkäfer vernichtet worden. Eine Wiederaufforstung aus eigenen Mitteln bedeute für ihn möglicherweise die private Insolvenz. Einnahmen sind die nächsten 30 Jahre nicht zu erwarten.

Keine Koordination

Inzwischen bieten internationale Immobilienfonds dem Waldbesitzerverband an, den Wald illiquider Waldbesitzer aufzukaufen. Für die Misere machen die Waldbesitzer die Ministerin verantwortlich. Seit dem Beginn der Krise Anfang 2018 habe sie eine koordinierte Bewältigung der Situation versäumt und habe keine einzige Sitzung einschlägiger Landesverbände und Gremien der Forstwirtschaft einberufen. Lediglich den Einladungen des Landesbeirates Holz und dem Aktionsbündnis Forstwirtschaft Sachsen-Anhalt sei sie gefolgt.

Die Schäden in Sachsen-Anhalt belaufen sich nach Angaben des Waldbesitzerverbands inzwischen auch 800 Mio. €, allein im Harz seien 30.000 ha entwaldet. Trotz seiner relativen waldarmut sei Sachsen-Anhalt damit ein Hotspot der Käferkatastrophe. Als Hauptursache sehen sie Waldbesitzer den Nationalpark, in dem sich der Borkenkäfer ungezügelt habe vermehren können. Durch Windabdrift seien dann die umliegenden Wälder befallen worden.

Warnungen ignoriert

Die Warnungen von Waldbesitzern vor 20 Jahren bezüglich des Nationalparks habe man ignoriert. Da die Landesregierung auch jetzt nichts tue, um den Waldbesitzern bei Erhalt und Wiederaufforstung zu helfen, habe der Waldbesitzerverband Sachsen-Anhalt zu der landesweiten Protestaktion aufgerufen. Ergänzend dazu verfasste der Verband die Schierker Erklärung. Darin werden die sofortige Einrichtung eines ressortübergreifenden Einsatz- und Krisenstabes, eines Aktionsplanes zur Wiederaufforstung Sachsen-Anhalts sowie die Bereitstellung der notwendigen Mittel gefordert.

WBV Sachsen-Anhalt/Red.

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