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Um Alleen besser schützen zu können, erhebt die HNEE Daten zum Bestand aller Alleen im Bundesgebiet.

Projekt zur Erfassung von Alleen in Deutschland

Die Datenlage zu bestehenden Alleen im Bundesgebiet ist unzureichend. Deshalb werden an der Hochschule für nachhaltige Entwicklung Eberswalde (HNEE) nun erstmals bundesweit Alleen und Baumreihen auf Basis von Geodaten erfasst, um sie langfristig besser schützen zu können.

Prof. Dr. Jürgen Peters, Projektleiter an der HNEE, erklärte: „Alleen stellen ein einzigartiges Natur- und Kulturgut in Deutschland dar, doch zunehmend verschwinden sie.“ Dabei seien sie wichtig für die Biodiversität und den Klimaschutz. Außerdem vermeiden sie laut Peters Winderosion im Offenland und dienen als Orientierung für Verkehrsteilnehmer. „Durch den Menschen gepflanzt, bilden insbesondere Baumreihen mit einem hohen Altbaumanteil wichtige Lebensräume für Tier- und Pflanzarten in der vielerorts ausgeräumten Agrarlandschaft“, fügte der Projektleiter hinzu. Aktuell fehle es jedoch an validen Daten in Deutschland, die beziffern, wie viele Alleen es noch gibt und in welchem Zustand sie sich befinden. Zugleich mangele es an bundesweit einheitlichen Definitionen, woraus unterschiedliche Erfassungsmethoden resultierten. „Das Rätsel um die Anzahl, Länge und Lage aller Alleen und Baumreihen in Deutschland ist so noch längst nicht entschlüsselt“, sagte Annemarie Wilitzki, wissenschaftliche Mitarbeiterin im Projekt an der HNEE.

Digitale Erfassung von Alleen und Baumreihen

Anhand von Geodaten soll jetzt eine Ersterfassung aller Alleen in Deutschland erfolgen. Durch die Fernerkundung können künftig bundesweit vergleichbare und lückenlose Kartierungen auf regionaler Ebene stattfinden sowie eine Standardmethode für eine bundesweite Kartieranleitung entwickelt werden. Daraus ließen sich nicht nur die Bestände erfassen, sondern auch deren Erhalt und die Erneuerung des vorhandenen Bestandes vorantreiben. „Ziel des von der Deutschen Bundesstiftung Umwelt (DBU) geförderten Projekts ist es, einen Handlungsleitfaden zu erstellen, in dem bestehende Finanzierungsquellen sowie regionaltypische Baumarten und Pflanztechniken zusammenfassend dargestellt sind“, erklärte die HNEE-Wissenschaftlerin.

Ausgangspunkt des Projekts „Alleen als schützenswerte Landschaftselemente – bundesweite Erfassung und Sicherung von Alleen“ ist eine Masterarbeit, abgeschlossen an der HNEE, in der eine Methode zur digitalen Erfassung von Alleen und Baumreihen an Straßen und Wegen im Offenland für das Bundesland Brandenburg entwickelt und bereits erprobt wurde. Im Projekt erfolgt nun, auf Basis von Geodaten, eine digitale Erfassung mit Lage und Länge aller Alleen und Baumreihen in Deutschland. Mithilfe von Experteninterviews und weiteren Literatur- und Dokumentenanalysen werden mögliche Finanzierungsquellen, z. B. aus naturschutzrechtlichen Kompensationsmitteln, identifiziert sowie regionaltypische Baumarten und Pflanztechniken zusammengetragen. Alle Projektergebnisse sollen abschließend als Leitfaden bereitgestellt werden.

Das Projekt (Laufzeit 2019 bis 2021) wird durch die DBU mit 110.407 € gefördert. Mehr Information unter: www.hnee.de/K6742.

Hintergrund

Für den in den letzten Jahren beschleunigten Verlust von Alleen an Bundes- und Landesstraßen wird die praktische Anwendung der 2009 in Kraft getretenen „Richtlinie für passiven Schutz an Straßen durch Fahrzeug-Rückhaltesysteme“ (RPS) mitverantwortlich gemacht. In einer Sitzung der Parlamentsgruppe Kulturgut Alleen des Deutschen Bundestages am 8.9.2016 wurde daher angeregt, bundeseinheitliche Standards zur Bestandsanalyse zu entwickeln und Maßnahmenvorschläge zur Sicherung und Erneuerung des Alleenbestandes, auch für Neupflanzungen, zu entwickeln. Ziel des Projektes ist es, verschiedene Erfassungsmethoden sowie relevante Argumentationshilfen zum Thema „Alleenschutz, Erneuerung und/oder Neupflanzung von Alleen“ zusammenzustellen.

Red./HNEE

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