Forstbetrieb

Projekt PRIMA bezieht Risiken in praktische Forstplanung frühzeitig mit ein

Bearbeitet von Rainer Soppa

Störungen im Wald wie z. B. Sturm werden bisher als „höhere Gewalt“ angesehen. Gemeinsam mit zwei Projektpartnern will die Landwirtschaftskammer Niedersachsen (LWK) das ändern: Die Risiken sollen zu einer berechenbaren Plangröße werden.

Welche Baumarten soll ich angesichts des Klimawandels in meinem Wald pflanzen? Wie sicher ist mein Wald für Besucher hinsichtlich der Verkehrssicherung? Kann ich meinen Betrieb besser vor Störungen wie Sturm oder Trockenheit schützen? Wie wahrscheinlich ist ein Waldbrand in meinem Bestand? Was kann ich tun, um Risiken im Forstbetrieb abzuschätzen?

Diese oder ähnliche Fragen sind nicht neu für Waldbesitzer und Waldbesitzerinnen. „Bisher fehlt aber eine praxistaugliche Lösung zur Bewertung und Handhabung von Risiken im Forstbetrieb“, erklärt Martin Hillmann, Leiter des Fachbereichs Forsteinrichtung derLWK. Hier setzt ein neues Kooperationsprojekt von LWK, Sachsenforst und der Forstlichen Versuchs- und Forschungsanstalt Baden-Württemberg (FVA) an: Ziel von PRIMA (Planung und Risikomanagement) ist die konzeptionelle Integration des Risikomanagements in die Forsteinrichtungsplanung.

Ausgangslage

Die Inventur und Planung eines Forstbetriebes wird mithilfe einer sogenannten Forsteinrichtung durchgeführt. Sie ist ein bereits seit langer Zeit eingeübtes Verfahren in der Waldbewirtschaftung. Im Wesentlichen stellt sie den Rahmen für die künftige Gestaltung von Wäldern. Zudem sind die Produktionszeiträume im Wald lang. So entsteht die Chance, frühzeitig Risiken zu berücksichtigen.

Aber wie genau berücksichtigt man diese Risiken? Dieser Frage widmet sich das Risikomanagement. Es identifiziert die Ziele, die ein Betrieb erreichen möchte. Diese werden von unterschiedlichen Faktoren beeinflusst. Mithilfe von Risikomanagementverfahren können Waldbesitzer diese Faktoren analysieren und bewerten.

„In der Vergangenheit wurden bereits verschiedene Modelle, Verfahren und Tools zur Risikobewertung und -handhabung entwickelt“, erklärt Hillman, PRIMA-Projektleiter bei der LWK, „sie werden aber nirgends systematisch angewendet, beziehungsweise hat sich bislang niemand die Mühe gemacht, sie zusammenzutragen.“ „Mit PRIMA sollen die Voraussetzungen geschaffen werden, die unterschiedlichen Risiken wie zum Beispiel Stürme bereits im Voraus zu analysieren und zu bewerten“, erklärt Projektmitarbeiterin Lisa Jödicke, „der Sturm wird von der ,höheren Gewalt‘ zu einer berechenbaren Plangröße.“

Umsetzung und Ziele

Das Projekt ist für den Zeitraum Oktober 2020 bis April 2023 angesetzt. Die Leitung übernimmt die FVA Baden-Württemberg. In Modellbetrieben sollen die erarbeiteten Verfahren zur Risikoplanung getestet werden. Während die FVA mit Sachsenforst die ausgewählten Betriebe in Sachsen betreut, führt die LWK die Modellversuche in Niedersachsen durch. Geplant sind zwei Testphasen und eine Feedbackphase. Die erste Testphase beginnt voraussichtlich im Sommer. Zunächst möchte das Projektteam aber in einer Umfrage von den Waldbesitzenden wissen, welche Ziele sie verfolgen: Holzproduktion? Ruhe und Entspannung? Jagen? Waldyoga? Die ermittelten Ziele werden die Grundlage für die praktische Planung im Projekt bilden.

Aus den gesammelten Projekt-Ergebnissen und -Erfahrungen sollen ein EDV-Tool und ein Online-Handbuch zu den Verfahren der Risikobewertung und Planung in der Forsteinrichtung entstehen.

Das Vorhaben wird vom Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft (BMEL) und dem Bundesministerium für Umwelt, Naturschutz und nukleare Sicherheit (BMU) über den Projektträger, die Fachagentur Nachwachsende Rohstoffe e.V. (FNR), aus Mitteln des Waldklimafonds gefördert.

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Quelle: LWK