Forstpolitik

proHolz Bayern kritisiert Pläne des Bundesumweltministeriums

von Marc Kubatta-Große

Der deutsche Wald soll nach Plänen des Bundesumweltministeriums (BMU) künftig weniger der Holzgewinnung, sondern angeblich mehr als bisher dem Klima- und Artenschutz dienen. ProHolz Bayern kritisiert diese Pläne, da es keinen Widerspruch zwischen Holzgewinnung und Klimaschutz gebe. Das Gegenteil sei der Fall: Die nachhaltige Nutzung und Holzgewinnung in heimischen Wäldern leisten einen wesentlich höheren Beitrag zu Klimaschutz und Artenvielfalt als die Stilllegung.

„Dass Waldflächen zukünftig nicht mehr bewirtschaftet werden sollen, ist im Sinne des Klimaschutzes nicht zielführend“, erklärt Alexander Gumpp, Vorsitzender des Kuratoriums von proHolz Bayern. Der Wald in Deutschland sei in großen Teilen zu alt, die Verjüngung der Baumbestände stagniere, die Vielfalt klimastabiler Baumarten sei nicht ausreichend. Dies gelte vor allem für kleinere Privat- und Kommunalwälder.

Neue Initiativen für Klimawald nötig

Dabei seien die Vielfalt klimastabiler Baumarten und die regelmäßige Verjüngung des Waldes zentral, um die wichtige Klimaschutzfunktion und die Artenvielfalt des Waldes langfristig zu sichern. Auch werden immer mehr Waldflächen immer extensiver oder gar nicht mehr bewirtschaftet. „Im Prinzip haben wir bereits Wälder, die zunehmend sich selbst überlassen werden. Aber das ist nicht die Lösung für die Probleme des Waldes und des Klimas. Im Gegenteil: Wir brauchen dringend neue Ideen und Initiativen, um die Herkulesaufgabe zu bewältigen, die heimischen Wälder aktiv in Klimaschutzwälder umzubauen und sie fit zu machen für die Auswirkungen des Klimawandels.“ Mit der Stilllegung von Waldflächen erreiche man dieses Ziel nicht. „Um einen klimaangepassten Waldumbau zu ermöglichen, braucht es eine moderne und aktive Forstwirtschaft“, ist sich Gumpp sicher.

Modellprojekt „klimaeffizienter Wald“

Wie neue, innovative Wege aus dem Dilemma des deutschen Waldes aussehen können, skizziert das Modellprojekt „klimaeffizienter Wald“. Die Idee dahinter: Unternehmen, die sich aktiv um Nachhaltigkeit bemühen, unterstützen finanziell die Waldbesitzervereinigungen in ihrer Region beim Umbau des Waldes in Richtung Klimaeffizienz mit 15 € pro Tonne gebundenem CO2. „Bislang lag unser Fokus immer auf der Vermeidung von CO2, der Aspekt von dessen Bindung in heimischen Wäldern wurde vernachlässigt“, so Gumpp. Das Projekt könne dafür sorgen, dass das Holz unserer Wälder in regionale, langlebige Holzprodukte verarbeitet wird, die ebenfalls CO2 speichern. Rund zwei Drittel des Geldes erhalten die Waldbesitzer im Umkreis von 40 km um das sich engagierende Unternehmen. Den restlichen Betrag bekommen die regionalen Waldbesitzervereinigungen sowie die Wald-Auditoren, die das Projekt überwachen und zertifizieren. „Die Waldbesitzer erklären sich bereit, ihren Wald natürlich zu verjüngen, zusätzlich klimatolerante Baumarten zu pflanzen, klimaeffizient zu bewirtschaften und das gewonnene Holz in möglichst hohen Anteilen in langlebige und regionale Holzprodukte zu überführen“, erklärt Gumpp das Prinzip. Nicht hochwertige Holznebenprodukte können in modernen Holzenergieanlagen in Energie verwandelt werden. Nach erfolgreichem Audit erhalten sie dann den Klimawald-Standard KNW 1001:2020 für eine klimaeffiziente, nachhaltige Waldbewirtschaftung. Mit Start der CO2-Bepreisung 2021 könnte diese Idee durch zusätzliche Gewährung einer staatlichen Klimaschutzprämie flächendeckend gefördert werden.

Waldstilllegung heißt Verwendung klimaschädlicher Rohstoffe

„Damit würde die vernünftige Forderung des Bundesumweltministeriums nach Honorierung der Klimaschutzleistung der Waldbesitzer erfüllt, ohne dass Waldflächen stillgelegt werden, die dringend umgebaut werden müssen“, sagt Gumpp. Denn stillgelegte Wälder bedeuten: weniger regional nachwachsender und CO2 bindender Rohstoff Holz und dadurch der Einsatz klimaschädlicherer Alternativen sowohl im Bausektor als auch bei der Energiewende. „Konsequent zu Ende gedacht helfen Wälder, die nicht bewirtschaftet werden, dem Klima nicht“, fasst Gumpp zusammen.

Ziel regionale Kreislaufwirtschaft

Der Rohstoff Holz schütze langfristig das Klima – im Holzbau, in der modernen Holzenergie und in der holzbasierten Bioökonomie. Jeder Festmeter Holz aus heimischem Wald, der in langlebigen Holzprodukten wie Holzhäuser oder Möbel verbaut wird, binde eine Tonne CO2. „Als Substitution anderer Rohstoffe, bei deren Gewinnung und Verarbeitung große Mengen CO2 freigesetzt werden, ist Holz die klimafreundliche Alternative und: es wächst in unseren Wäldern nach, wenn sie nachhaltig bewirtschaftet werden“, betont Gumpp.

Derzeit werden jährlich ca. 35 Mio- t CO2 durch die Verwendung von Holz aus den Wäldern in Bayern vermieden oder in Holzprodukten gespeichert. Dieser Klimaschutzeffekt entspreche der 3,5 fachen Menge CO2, die durch den Aufbau von Holzvorrat im Wald gespeichert werden und ungefähr 40 % der jährlichen CO2-Emissionen Bayerns. Durch Nutzungseinschränkungen oder Stilllegung von Wäldern werden diese Klimaschutzeffekte vermindert oder gehen verloren. Mit dem Engagement von regional ansässigen Unternehmen werde so eine spürbare Klimaschutzleistung durch die Forstwirtschaft und die Verwendung von Holz erzielt. Auch regionale Holzabnehmer wie Sägewerke, Schreinereien oder Zimmerer sollten künftig stärker in diese nachhaltige Kreislaufwirtschaft eingebunden werden. „Das Projekt ‚Klimaeffizienter Wald‘ hat enormes Potenzial für viele Regionen in Deutschland und ist deutlich wirksamer als die Stilllegung von bewirtschafteten Wäldern“, ist Gumpp überzeugt. Das Projekt wir derzeit zusammen mit Privatwaldorganisationen und einem externen Unternehmen entwickelt.

proHolz Bayern/Red.