Forstpolitik

Programm gegen illegalen Holzhandel

Bearbeitet von Marc Kubatta-Große

Die International Tropical Timber Technical Association (ATIBT) setzt sich mit ihren Aktionen weltweit aktiv gegen die Abholzung der Tropenwälder sowie den illegalen Holzhandel ein. Sie hat unter anderem das Fair&Precious-Programm ins Leben gerufen, das sich gezielt dem Schutz und der legalen Bewirtschaftung der nach wie vor bedrohten afrikanischen Wälder widmet.

Sei es durch die Erhaltung geschützter Arten und Nutzungsflächen, den Schutz von Saatbäumen, schonende Abbaupraktiken oder 25- bis 30-jährigen Ruhezeiten: die Umsetzung all dieser Maßnahmen sowie die Beteiligung am Waldschutz und am Schutz der Biodiversität ermöglichen die Förderung von zertifiziertem und legalem Holz.

Legalen Holzhandel unterstützen

Durch die Förderung der Entwicklung einer nachhaltigen, ethischen und legalen Tropenholzindustrie als natürliche erneuerbare Ressource unterstützt ATIBT die Erzeugerländer in Afrika. Gleichzeitig macht sie in den Importländern auf die Vorteile von zertifiziertem Tropenholz aufmerksam.

Mit dem „Fair&Precious“-Programm will ATIBT die ökologischen, sozialen, ökonomischen und technischen Vorteile von Tropenholz unterstützen und arbeitet dazu eng mit Ländern zusammen, die den illegalen Holzhandel entschieden bekämpfen.

Wald und Bäume gegen Armut

In diesem Zusammenhang weist die Internationale Union der Forstlichen Forschungsanstalten (IUFRO) darauf hin, dass gerade der ärmste Teil der Bevölkerung in den Tropenländern stark vom Wald und von Bäumen abhängt. Oft werde der Beitrag der Wälder und Bäume zur Armutsbekämpfung unterschätzt und es fehle an angemessenen politischen Rahmenbedingungen, um die Rolle des Waldes im jeweiligen Kontext zu stärken. Zu dem Thema ist ein englischsprachiges Dossier (Forests, Trees and Poverty Alleviation in Africa) erschienen.

Holzhandel, Armut, Bäume, Wald, Hütte unter Baum in Afrika
70 % der ärmsten Menschen der Welt leben in Afrika. Viele hängen von Bäumen und Wäldern ab. Das Dossier ‚Forests, Trees and Poverty Alleviation in Africa‘ zeigt auf, wie Bäume und Wälder dazu beitragen können die Armut zu lindern. | Foto: IUFRO

Sensibilisierung für nachhaltige Nutzung

Aktuell wird erwartet, dass sich der Inlandsmarkt aufgrund des hohen Bevölkerungswachstums in Afrika stark entwickelt. Allerdings müsse dieser besser reguliert werden. Die lokale Bevölkerung als auch die lokalen Verbraucher müssen noch stärker für die Einhaltung von Abholzungsvorschriften und für den Schutz von Holz als erneuerbare Ressource sensibilisiert werden. Mit der Zunahme der lokalen Holzverarbeitung (mittelfristig ist ein völliger Exportstopp für Stammholz geplant) könnte der lokale Verbrauch weiter steigen, vor allem für den Bau hochwertiger Wohnkomplexe.

Derzeit überwiegen jedoch die Exportmärkte, die sich in den letzten 10-15 Jahren nach Asien verlagert haben. Mehr als 50% des im Kongobecken produzierten Holzes wird in asiatische Länder exportiert. Die verschiedenen Exportmärkte sind in Hinblick auf nachhaltige Holz-Beschaffung jedoch nicht alle gleich ausgeprägt. Während einige Länder den Wert von zertifiziertem Holz hochhalten (z.B. die skandinavischen Länder, die Niederlande oder das Vereinigte Königreich), herrscht in anderen Ländern wenig (besonders in Südeuropa) bis kaum Interesse an Holz-Zertifizierung (z.B. in asiatischen Ländern). Der Verwendung von zertifiziertem Holz, aber auch die höhere Wertschätzung der Ökosystemleistungen sind somit Themen, die zu den aktuellen Prioritäten der ATIBT gehören.

Fokus auf Kamerun, Kongo und Gabun

Afrika steht mehr denn je vor der Herausforderung, seine Waldbewirtschaftung zu optimieren. Die Reichtümer Afrikas, zu denen auch das „erneuerbare Gold“ Tropenholz zählt, müssen gezielter geschützt werden. Tropenholz sei „viel mehr als Holz“ betont die ATIBT. Das Kongobecken, zu dem Kamerun, Kongo und Gabun gehören, beherbergt den zweitgrößten Waldbestand weltweit und umfasst knapp 5,5 Mio. ha FSC-zertifizierter Wälder. Nach Ansicht von Forschern und Wissenschaftlern werde gerade diese Region von FSC-gelabelten Unternehmen vorbildlich bewirtschaftet. Als Fortschritt könne auch die Gründung eines zweiten Labels für Nachhaltigkeit angeführt werden: das PAFC – Kongobecken.

Kamerun:

Als erstes afrikanisches Land schreibt Kamerun bei der öffentlichen Auftragsvergabe die Verwendung von legalem Holz vor. Das Land hat in Zusammenarbeit mit dem Ministerium für Wälder und Wildtiere (MINFOF) eine nationale Aufklärungskampagne zur Verwendung von legalem Holz in den bedeutsamsten Ballungszentren des Landes initiiert. Als Land mit den meisten Holzexporten, profitiere auch die Bevölkerung Kameruns von seinen Waldressourcen und müsse sich daher ihrer Bedeutung bewusst sein.

Kongo:

Mit den meisten Abholzungsflächen und der größten FSC-zertifizierten Waldfläche, verstärke der Kongo seine Maßnahmen zum Schutz der natürlichen Ressourcen. Besonders die Verabschiedung eines neuen Forstgesetzes zeige die Entschlossenheit auf Entscheidungsebene. Außerdem soll ein neues Projekt zur Produktionsbeteiligung die lokale Holzverarbeitung fördern.

Gabun:

2020 führte das Land eine umfassende Umweltpolitik ein, die unter anderem festlegt, dass alle Konzessionswälder des Landes bis 2022 das FSC-Zertifizierungsmodell umsetzen sollen. Dies zeuge von dem kontinuierlichen Engagement des Landes zur nachhaltigen Forstwirtschaft und trage zur weltweiten Wertschätzung des gabunesischen Tropenholzes bei. Gabun gilt seit langem nicht nur als Vorreiter im Kampf gegen den illegalen Holzhandel, sondern ist auch das erste Land, das den Export von Stammholz verbietet.

Außerdem werde Gabun in Kürze erste internationale Zahlungen für den Schutz seiner Wälder erhalten. So werde Norwegen insgesamt 17 Mio. Dollar für die durch die Maßnahmen zur Bekämpfung der Abholzung vermiedenen CO₂ -Ausstöße zahlen. 2016 und 2017 seien insgesamt 3,4 Mio. t mehr an CO₂-Emissionen sequestriert worden als im Vergleich zu den Durchschnittswerten der vergangenen 10 Jahre.

Über ATIBT

Der internationale Verband für technische Fragen zum Tropenholz wurde 1951 auf Antrag der Ernährungs- und Landwirtschaftsorganisation der Vereinten Nationen (FAO) und der Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) gegründet. Der Verband spielt heute in der Tropenholz-Branche eine führende Rolle bei der Umsetzung internationaler Projekte zur nachhaltigen und verantwortungsvollen Bewirtschaftung der Tropenwälder, vom Wald bis hin zum Endverbraucher.

Im Jahr 2016 verzeichnete der ATIBT einen Anstieg der Mitgliederzahl um fast 50 % auf über 140. Neben den europäischen Akteuren im Bereich „Afrikanisches Tropenholz“ vereint der ATIBT Staaten wie die Republik Kongo, die Republik Elfenbeinküste oder die Zentralafrikanische Republik, NGOs(wie den WWF und die Prince Albert II Foundation sowie Großunternehmen.

Das Fair&Precious-Programm

Das Fair&Precious-Programm zur Förderung der nachhaltigen Bewirtschaftung von Tropenwäldern wird von der Zentralafrikanischen Waldkommission (COMIFAC) sowie der deutschen Kreditanstalt für Wiederaufbau (KfW) und der französischen Entwicklungsagentur unterstützt. Fair&Precious empfiehlt die Forstzertifizierungssiegel FSC und PEFC/PAFC.

Quellen: ATIBT, IUFRO