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Prof. Martin Kuner verstorben

von Jörg Fischer

Prof. Martin Kuner, „Altrektor“ der Hochschule für Forstwirtschaft Rottenburg (HFR), ist am 30. Januar 2021 in seinem 95. Lebensjahr verstorben.

Nachdem Martin Kuner im Mai 1945 aus britischer Kriegsgefangenschaft zurückgekehrt war, wo er in der Lagerschule sein Abitur gemacht hatte, absolvierte er zunächst eine für die Nachkriegszeit klassische Ausbildung zum Forstmann, die hohe forstpraktischen Anteile aufwies. Nach der großen forstlichen Staatsprüfung im Dezember 1954 führte ihn sein beruflicher Weg über mehrere Stationen der staatlichen Forstverwaltung des Landes Baden-Württemberg, bis seine Laufbahn 1960 mit der Übertragung der Leitung des staatlichen Forstamts in Radolfzell einen vorläufigen Höhepunkt fand. Im Rahmen dieses Werdegangs war er ab April 1956 für einige Zeit an die Landesforstschule Schadenweilerhof in Rottenburg als Lehrkraft abgeordnet.

Martin Kuners Wirken als Rektor

Im Jahr 1967 bewarb er sich mit Erfolg auf das Amt des Rektors der Landesforstschule in Rottenburg am Neckar, die sich unter seiner Leitung 1972 zur Höheren Forstfachschule und 1979 zur Fachhochschule für Forstwirtschaft Rottenburg entwickelte. Diese für den forstlichen Revierdienst zentrale Ausbildungsstätte der Länder Baden-Württemberg, Rheinland-Pfalz, Saarland und der Bundesvermögensverwaltung leitete Kuner 23 Jahre lang, bevor er Ende 1990 in den Ruhestand trat.

Über 2.500 junge Forstleute wurden in seiner Rektoratszeit hier ausgebildet und prägten in ihren späteren Tätigkeiten die forstliche Praxis in den drei beteiligten Bundesländern und in den Bundesforsten.

Zur Person Martin Kuner

Kuner interessierte und engagierte sich jedoch nicht alleine für die heimische Forstwirtschaft. Schon zu seiner aktiven Dienstzeit und bis ins hohe Alter hinein unternahm er Fernreisen, um seine große fachliche und kulturelle Neugier zu stillen. Dabei verzichtete er stets auf jeden Luxus und legte großen Wert darauf, sich auch unter schwierigen Bedingungen unabhängig bewegen und informieren zu können. Er war unzweifelhaft ein Freigeist – und dadurch für sein Umfeld gelegentlich auch unbequem.

Auf der Basis seiner großen Allgemeinbildung und seiner hohen forstlichen Fachkompetenz engagierte er sich als ausgewiesener Generalist neben den Aufgaben der Hochschulleitung immer auch in der Lehre am Schadenweilerhof.

Nach seiner Pensionierung hielt Prof. Martin Kuner den Kontakt zur Hochschule, die er unregelmäßig immer wieder persönlich besuchte – auch, um an der einen oder anderen Veranstaltung des Kollegiums und des Personals teilzunehmen. Zuletzt lebte er zurückgezogen in Hornberg im Schwarzwald, wo er sich bis vor wenigen Jahren noch selbst versorgte, bevor er den eigenen Hausstand aufgab und in ein Pflegeheim umzog.

Die Hochschule für Forstwirtschaft Rottenburg wird Prof. Martin Kuner ein ehrendes Andenken bewahren.

Prof. Dr. Dr. h.c. Bastian Kaiser, Prof. Stefan Ruge