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Prof. Gero Becker wird 75 Jahre – und nimmt Stellung

Bearbeitet von Rainer Soppa

Der ehemalige Direktor der Institute für Forstbenutzung (1987-1995) in Göttingen bzw. für Forstbenutzung und Forstliche Arbeitswissenschaft (1995-2014) in Freiburg feiert am 20.Februar 2021 seinen 75. Geburtstag.

Prof. Dr. Dr. h. c. Gero Becker lebt in Freiburg und interessiert und engagiert sich auch in seinem Ruhestand in vielfältiger Weise für grundlegende und aktuelle Fragestellungen der Forst- und Holzbranche, deren Institutionen und Unternehmen, die nach wie vor seinen Rat suchen. Das liegt nicht zuletzt an der einzigartigen fachlichen Breite, die seine Arbeiten, Projekte und Gutachten sein ganzes Berufsleben hindurch ausgezeichnet haben. Von Walderschließung bis Holzvermarktung, von den Konsequenzen waldbaulichen Handelns für die Holzqualität bis zur Optimierung von Wertschöpfungsketten, von der Ökobilanzierung von Holzprodukten bis zu Entscheidungsmodellen zur Erhöhung der Akzeptanz einer nachhaltigen Waldbewirtschaftung – Gero Becker hat mit seinen wissenschaftlichen Arbeiten aktuelle Fragestellungen aus Forst- und Holzwirtschaft aufgegriffen und Lösungsansätze erarbeitet.

Da sich Becker in einigen Studien auch mit den Anliegen der WaldeigentümerInnen in Deutschland befasst hat, hat der Deutsche Waldbesitzer den Jubilar aktuell befragt:

Herr Becker, Sie haben sich immer stark mit den Anliegen der Waldeigentümer befasst. Durch die Extremwetterlagen der letzten Jahre sind die Wälder in einigen Regionen in Deutschland stark geschädigt, zum Teil sogar flächig zerstört. Trotz der umfangreichen Finanzhilfen, die seitens der politisch Verantwortlichen den Waldeigentümern zur Verfügung gestellt werden, sind viele Forstbetriebe in der Existenz gefährdet. Sehen Sie neue Geschäftsmodelle für diese Betriebe? Kann ein Entgelt der CO2-Speicherleistungen der Wälder eine Lösung sein ?

„Die CO2-Speicherleistung bei der Neubegründung zerstörter Waldflächen ist bis ins mittlere Bestandesalter analog zum hohen laufenden Zuwachs beträchtlich, und bei wuchskräftigen Nadelbaumarten (z. B. Douglasie) höher als bei Laubbäumen. Ein angemessenes CO2-Entgelt kann die Existenz der Betriebe bis zu den ersten Nutzungen sichern helfen. Dazu ist die Höhe und Ausgestaltung des CO2-Entgelts für Waldbesitzer an die speziellen Verhältnisse der Forstwirtschaft anzupassen. Die ohnehin politisch vorgegebene, schrittweise Anhebung der CO2-Preise im Rahmen der Energiewende sollte den finanziellen Spielraum für eine angemessene Teilhabe der Waldbesitzer am CO2-Kuchen vergrößern.“

Welche sonstigen Waldökosystemleistungen halten Sie für zukunftsfähig?

„Neben einem angemessenen Entgelt für CO2-Speicherleistungen könnte regional ein Entgelt für die (Trink-)Wasserversorgung aus dem Wald erneut diskutiert werden. Wegen der Nitrat-Grenzwertüberschreitungen durch die landwirtschaftliche Nutzung wird das „Beimischen“ von Wasser aus unbelasteten waldnahen Quellen für die Wasserversorger immer wichtiger. Andererseits brauchen die dürregestressten Bäume im Wald das Wasser aber zunehmend selbst. Diese „neue Wasserknappheit“ könnte man politisch instrumentalisieren und ein Konzept zum klimaangepassten Wassermanagement mit Entgeltkomponenten entwickeln. Dazu wären Forschungsarbeiten wichtig, die sich mit dem Wasserdargebot der durch Dürre /Käfer stark geschädigten Waldflächen (im Vergleich zum intakten Wald) beschäftigen. Je nach Lage und Umfeld können gerade in wiederbegründeten Waldflächen zusätzliche Einnahmen durch Verpachtung von Windkraft-Standorten generiert werden.“

Welche Rolle kommt in der jetzigen Situation den Forstlichen Zusammenschlüssen zu?

„Forstliche Zusammenschlüsse haben gerade bei der Bewältigung von Krisen wie derzeit eine wichtige Funktion, wenn es um die Koordination technischer Aufgaben wie Aufarbeitung, Lagerung, Vermarktung und Wiederbewaldung geht, mit denen der einzelne (Klein-)Waldbesitzer rasch überfordert ist. Sie könnten noch mehr als bisher auch administrative Funktionen für ihre Mitglieder übernehmen, wenn es um die Abwicklung von Zuschüssen und Fördergeldern geht, und sollten zukünftig auch bei der Ermittlung der Grundlagen für eine In-Wertsetzung von CO2– oder Wasser-Leistungen und bei der Abwicklung der entsprechenden Zahlungen eine Rolle spielen und so ihre Mitglieder von Bürokratie entlasten. Schließlich gehört zu den existenzsichernden Maßnahmen für betroffene Waldbesitzer bzw. Waldbesitzerinnen in der jetzigen Krisensituation auch eine Entlastung bzw. zeitweise Befreiung von Steuern und Zwangsbeiträgen wie z. B. Grundsteuer, Berufsgenossenschaft oder Beiträgen zu Wasser- und Bodenverbänden. In FFH-Gebieten sollte die Verpflichtung zur Anpassung der Bewirtschaftung an die Vorgaben des Managementplans ausgesetzt oder ihre Umsetzung angemessen entgolten werden.“

Aufgrund der thematischen Vielfalt der von Gero Becker angeleiteten Forschungsarbeiten sind seine ehemaligen Doktoranden, Diplom- und Masterstudierenden heute in vielfältigen Positionen in Wissenschaft und Forst- und Holzwirtschaft aktiv. Sie alle gratulieren dem Jubilar recht herzlich und wünschen, dass er auch die kommenden Jahre zusammen mit seiner Familie in guter Gesundheit erleben möge und neue Impulse für die weitere Entwicklung der Forst- und Holzbranche geben wird.