Leute

Prof. em. Dr. Klaus Jürgen Endtmann verstorben

Bearbeitet von Jörg Fischer

Am 22. November 2021 verstarb der ehemalige langjährige Leiter des Eberswalder Forstbotanischen Gartens und Hochschullehrer Prof. em. Dr. Klaus Jürgen Endtmann.

Jürgen Endtmann wurde 1938 in Eberswalde geboren, wo er die Kindheit und Jugend verbrachte. Das frühe Interesse für die Natur führte ihn nach dem Abitur an die Ernst-Moritz-Arndt-Universität nach Greifswald, wo er ab 1956 zunächst Biologie und Chemie studierte, um Lehrer zu werden, dann aber vollständig zur Biologie wechselte, insbesondere zur Botanik. Im Jahre 1961 schloss er die Diplomprüfung mit dem Hauptfach Phytotaxonomie unter Prof. Dr. Rothmaler ab. Die Thematik seiner Diplomarbeit ,,Die Flora xerothermer Standorte um Gartz/Oder“ mit starkem regionalen Bezug zur eiszeitlich geprägten Landschaft im Nordosten Deutschlands beeinflusste sein gesamtes späteres Wirken.

Endtmanns Wirken

Seine berufliche Laufbahn begann zunächst in der Abteilung Vegetationskunde bei Prof. Dr. Alexis Scamoni, später in der Abteilung Waldökologie/Hydrologie unter der Leitung von Prof. Dr. Gerhard Hofmann im Institut für Forstwissenschaften Eberswalde. Mit seinen dendrotaxonomischen Arbeiten über die Gattung Ulmus wurde er 1967 an der Martin-Luther-Universität Halle/Saale promoviert. Er kam hier zu dem Ergebnis, dass im nordostdeutschen Tiefland häufig nicht reine Ulmus-Arten vorkommen, sondern es sich vielmehr um einen formenreichen Hybridschwarm handelt. Die innerartliche Variabilität der Arten, die sich u. a. in der Entstehung von Hybriden bzw. hybridogene Sippen äußert, beschäftigte ihn fast sein ganzes berufliches Leben. Im Fokus standen später eine Reihe weiterer Baumgattungen wie z. B. Pinus, Taxus, Tilia, Salix, Betula. Beeindruckend waren hier u. a. unzählige Zeichnungen zu Blättern, Früchten und Zweigen, die hierzu akribisch, mit großem Können angefertigt wurden und in zahlreichen Publikationen ihren Niederschlag fanden – zuletzt noch 2019 in einer Dokumentation zum Baum des Jahres – der Flatter-Ulme. Seine Leidenschaft, Pflanzenteile, Steine und Fossilen zu sammeln, mündeten in diversen Ausstellungen und in der Anlage eines geologischen Lehrpfads mit eiszeitlichen Findlingen.

Im Jahre 1978 übernahm Dr. Endtmann die Leitung des Forstbotanischen Gartens in Eberswalde, die er bis 1997 innehatte. Er sah „seinen Garten“ nicht nur als Refugium der Wissenschaft, sondern auch als öffentlichen Ort, um seiner „moralischen Verpflichtung“, die Bedeutung von Bäumen als „Lebensbegleiter des Menschen“ zu vermitteln. Seine regelmäßigen Führungen durch den Forstbotanischen Garten und die späteren öffentlichen Exkursionen zu den „Bäumen des Jahres“ in Brandenburg waren weithin beliebt. Sie verbanden Wissenswertes zur Natur, Landschaft, Kultur und Geschichte gespickt mit kurzweiligen Anekdoten.

Mit der Neugründung der Hochschule in Eberswalde übernahm er bereits ab dem Wintersemester 1992 die Lehre in den Fachgebieten Botanik und Dendrologie und ab 1997 bis zu seiner Emeritierung im Jahre 2003 die Professur für Naturschutz/Dendrologie. Sein Engagement für den Schutz der Natur nahm bereits während seines Studiums als Mitglied und späterer Leiter des Wissenschaftlichen Studentenzirkels „J. B. de Lamarck“ in Greifswald seinen Anfang. Nach der Rückkehr in seine Heimat war er ab den 1970er-Jahren ehrenamtlich an der Unterschutzstellung mehrerer Waldgebiete und Trockenrasenbiotope entlang der Oder beteiligt.

Neben nahezu 100 Fachpublikationen veröffentlichte Prof. Endtmann eine Vielzahl von botanischen und populärwissenschaftlichen Beiträgen häufig mit regionalem Bezug, u. a. in dem jährlich erscheinenden Eberswalder Jahrbuch, herausgegeben vom Verein für Heimatkunde zu Eberswalde, dessen aktives Mitglied und Ehrenmitglied er war. Im Jahre 2018 würdigte ihn der Botanischen Verein von Berlin und Brandenburg ebenfalls mit der Ehrenmitgliedschaft.

In seinem beruflichen wie privaten Leben verband Prof. Endtmann die Ästhetik und Vielfalt der Natur von kleinsten Blattmerkmalen bis zur Erhabenheit der Landschaft mit seinem umfangreichen Fachwissen. Beigesetzt unter einer großen, selbstgewählten Buche im Eberswalder RuheForst schloss sich im November 2021 nun der Lebenskreis von Jürgen Endtmann. Mit großem Respekt vor seiner Lebensleistung bleibt er Kollegen und Freunden in tiefer Erinnerung.

Ralf Kätzel