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Prof. Dr. Horst Dieter Brabänder verstorben

Am 14. November verstarb Prof. Dr. Dr. h.c. Horst Dieter Brabänder, Emeritus für forstliche Betriebswirtschaftslehre der Universität Göttingen und Ehrendoktor der Westungarischen Universität in Sopron, drei Tage nach seinem 91. Geburtstag in Göttingen. Damit ging ein vielseitiges und bemerkenswertes forstliches Leben zu Ende.

In Osnabrück geboren und Hamburg aufgewachsen, begann er sein Forststudium in Eberswalde in der damaligen DDR. Von dort musste er 1953 – wie andere seines Jahrganges auch – fliehen und legte das Forstdiplom an der Universität in Freiburg im Breisgau ab. Er wurde Forstreferendar bei der südbadischen Forstverwaltung, war danach im Forstschutz tätig und promovierte 1957 bei Michail Prodan über die Qualitätskontrolle von Laubholzbeständen. Als wissenschaftlicher Assistent bei Karl Abetz habilitierte er 1966 im Fach Forstliche Betriebswirtschaftslehre mit einer Schrift über den „Kontenrahmen für Forstbetriebe“. Anschließend war er bei der Landwirtschaftskammer Westfalen-Lippe in Münster tätig und dort mit der Reorganisation der Forstverwaltung und auch dem Aufbau des forstlichen Betriebsvergleichs (der noch heute besteht) betraut. Als „Oberlandforstmeister“ erhielt er 1974 den Ruf auf den Lehrstuhl für Forstliche Betriebswirtschaftslehre an die Universität Göttingen.

Prof. Brabänder an der Universität Göttingen

Sein Fach vertrat er mit großem Engagement und setzte wesentliche Impulse zu dessen Weiterentwicklung im Sinne einer umfassenden Forstökonomie. Er gewann aufgrund seiner Kollegialität, Offenheit und Fairness die Wertschätzung der Kolleginnen und Kollegen – nicht zuletzt auch wegen seiner am Wohl der Göttinger Fakultät, der er auch als Dekan diente, orientierten Strategie. Sein Engagement für die Forstwirtschaft reichte aber weit über die Grenzen der Universität hinaus. Er setzte sich für die Verbesserung der Rahmenbedingungen der Forstwirtschaft ein und erkannte schon sehr früh, dass in einer Industriegesellschaft die Holzerlöse auf Dauer nicht ausreichen werden, um die gesellschaftlichen Leistungen der Wälder – heute sprechen wir von Ökosystemleistungen – nachhaltig zu sichern. Deshalb forderte er sich schon vor über vier Jahrzehnten deren Bewertung und Honorierung.

Auch der Kontakt und Transfer in die Praxis lag ihm stets am Herzen. So wirkte er in vielen hochkarätigen Arbeitsgruppen mit, war bspw. langjährig Vorsitzender des Ausschusses für Betriebswirtschaft des DFWR und leitete auch den Beirat für Waldbewertung bei der BVVG, der sich mit der Reprivatisierung des Waldes in den neuen Bundesländern befasste. Für seine Verdienste um die forstliche Betriebswirtschaft und Wirtschaftlichkeit im Privatwald wurde er mit dem Karl-Abetz-Preis ausgezeichnet.

Mit Prof. Brabänder verliert die forstliche Wissenschaft und Praxis einen analytischen und scharfsinnigen Geist, der ihm bis ins hohe Alter erhalten blieb. Wir verlieren aber auch einen großartigen, zugewandten Menschen. Neben seinen umfangreichen Schriften leben seine Gedanken in dem Denken und Handeln derer weiter, die er als Hochschullehrer geprägt hat. Dafür sind ihm viele sehr dankbar.

Bernhard Möhring und Martin Moog