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Prof. Dr. Hans-Jürgen Otto verstorben

Prof. Dr. Hans-Jürgen Otto verstorben

Am 16. März 2017 verstarb der langjährige Waldbaureferent der Niedersächsischen Landesforstverwaltung Ministerialrat a.D. Prof. Dr. Hans-Jürgen Otto im Alter von 82 Jahren in Wedemark bei Hannover. Otto lag seit 2003 im Koma und war seitdem auf die ständige, aufopfernde Pflege seiner Frau angewiesen.

Geboren in Schweidnitz, Schlesien, studierte Hans-Jürgen Otto Forstwissenschaften in Göttingen, München, Nancy und trat nach seiner Referendarausbildung und kurzer Tätigkeit im Waldbauinstitut in Göttingen 1964 in die französische Forstverwaltung ein. Nach seiner Rückkehr leitete Otto im Niedersächsischen Forstplanungsamt die Standortkartierung in der Landesforstverwaltung bis er 1974 in Nachfolge von Oberlandforstmeister Walter Kremser das Waldbaureferat im Landwirtschaftsministerium übernahm und anschließend 22 Jahre lang die waldbauliche Entwicklung im Lande Niedersachsen maßgeblich beeinflusste.

Geprägt von der Standortkartierung begleitete Hans-Jürgen Otto sein ganzes Berufsleben die Weiterentwicklung des klassischen Waldbaus zu einem Waldbau auf ökologischer Grundlage und dessen Umsetzung in die Praxis. Bereits 1973 hatte er als Co-Autor von Walter Kremser die „Grundlagen für die langfristige, regionale waldbauliche Planung in den niedersächsischen Landesforsten“ erarbeitet. Erweitert um viele grundlegende Erkenntnisse aus der Waldökosystemforschung der 1980er Jahre schrieb Otto diese Veröffentlichung zur „langfristigen ökologischen Waldbauplanung für die Niedersächsischen Landesforsten“ fort. Sein Lebenswerk, bundesweit und im Ausland unter dem Akronym „LÖWE“ bekannt, legt unter der Prämisse, dass sich in der Forstwirtschaft ökonomische, ökologische und sozioökonomische Aspekte im angemessenen Interessenausgleich, aber dauerhaft nur gemeinsam verwirklichen lassen, die Grundlage für eine zukunftsweisende, multifunktionale und nachhaltige Forstwirtschaft. Auf dieser Basis beschloss das Landeskabinett 1991 das Regierungsprogramm „„Langfristige ökologische Waldentwicklung in den Niedersächsischen Landesforsten“ (LÖWE)“, was parteiübergreifend begrüßt wurde. Auch nach Gründung der Anstalt Niedersächsische Landesforsten (NLF) blieb LÖWE verbindliche Vorgabe für die Bewirtschaftung des Landeswaldes.

25 Jahre nach Einführung des Regierungsprogramms hat ein Autorenteam aus Mitarbeitern der NLF und der Nordwestdeutschen Forstlichen Versuchsanstalt 2016 eine beeindruckende Erfolgsbilanz des LÖWE vorgelegt. Nicht unerwähnt bleiben darf an dieser Stelle, die hohe Akzeptanz und Identifikation aller Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter mit LÖWE-Programm.

Als Beispiele der enormen Kreativität und Schaffenskraft von Hans-Jürgen Otto, aber auch seiner Verpflichtung für nachfolgende Forstgenerationen, seien hier nur seine Lehrtätigkeiten in Göttingen und Tharandt sowie seine Gastprofessur in Nancy erwähnt. Daneben verfasste Professor Otto 1994 sein Buch „Waldökologie“, das erste umfassende Buch zur Waldökologie in deutscher Sprache.

Für sein Lebenswerk erhielt Hans-Jürgen Otto 1996 den Wilhelm-Leopold-Pfeil-Preis, die höchste forstliche Auszeichnung im deutschsprachigen Raum.

In großer Dankbarkeit und mit Hochachtung erinnern wir uns an Hans-Jürgen Otto, an seine persönlich angenehme und humorvolle Art und werden ihn und seine Leistungen und Verdienste in guter und ehrender Erinnerung behalten.

Heinz-Werner Streletzki/ML Niedersachsen

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