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Prof. Dr. habil. Gerhard Hofmann verstorben

Bearbeitet von Jörg Fischer

Am 27. Dezember 2021 verstarb kurz vor Vollendung seines 91. Lebensjahres der Waldökologe und Forstwissenschaftler Prof. Dr. habil. Gerhard Hofmann im Kreis seiner Familie in Eberswalde.

Hofmann war von 1974 bis 1991 Leiter des Fachbereichs Ökologie am Institut für Forstwissenschaften Eberswalde (IFE) und danach Gründer sowie Leiter des Waldkundeinstituts Eberswalde. Als ein Begründer der modernen Waldökologieforschung war Hofmann eine herausragende wissenschaftliche Persönlichkeit der letzten Jahrzehnte. Insgesamt 66 Jahre arbeitete Hofmann in der Forschung. Seine fortwährende Schaffenskraft dokumentierte er erst im vorigen Jahr mit der Herausgabe des Bandes „Das Forstliche Versuchswesen Eberswalde 1946 bis 1991“ – eine informative Übersicht über die Nachkriegsgenerationen Eberswalder Forstlicher Forscher. In diesen fast sieben Jahrzehnten schuf Hofmann beeindruckende waldökologische Forschungsergebnisse in insgesamt 230 wissenschaftlichen Publikationen.

Zur Person Gerhard Hofmann

Geboren im vorpommerschen Anklam wuchs Gerhard Hofmann im thüringischen Meiningen auf, besuchte dort die Grund- und Oberschule und absolvierte eine Lehrausbildung als Forstfacharbeiter. Nach dem Studium der Forstwissenschaften in Eberswalde folgte er nach einem kurzen Praxiseinsatz als Kreisforstamtsleiter in Thüringen 1955 dem Ruf von Prof. Dr. Alexis Scamoni an die Abteilung Forstliche Vegetationskunde des IFE. Hier forschte Hofmann auf dem Gebiet der Vegetationsökologie und legte mit der 2013 erfolgten Herausgabe des Kompendiums „Die Waldvegetation Nordostdeutschlands“ den in über sieben Jahrzehnten gewachsenen Wissensstand dar. Auch die „Karte der natürlichen Vegetation Europas“ trägt im Bereich von Ostdeutschland seine Handschrift.

Kennzeichnend für seine Arbeiten war die Einheit von Waldvegetation und den standörtlichen Bedingungen in Anlehnung an die Waldtypenlehre von Cajander oder den Waldbau auf standörtlich-ökologischer Grundlage von Dengler und die ökologischen Grundlagen der naturgemäßen Waldwirtschaft von Scamoni.

Auf dieser Basis entwickelte er zusammen mit Passarge in den 1960er-Jahren die soziologisch-ökologischen Artengruppen der Vegetation, die eine Beurteilung des Standorts anhand der Vegetation ermöglichten. Daraus entwickelte Hofmann später seine Wald- und Forstökosystemtypen, die sich neben einer typischen Zusammensetzung der Waldvegetation, Spannen wichtiger funktioneller Merkmale wie Netto-Primärproduktion, Humusformen und Bodentypen sowie C/N-Verhältnisse und pH-Werte des Oberbodens voreinander abgrenzen. Dem Klimawandel stellte er bereits zu Beginn der 2000er-Jahre das definierte Leitbild des „klimaplastischen Waldes“ mit trocken- und hitzestresstoleranteren Baumarten gegenüber.

Kennzeichnend für den Arbeitsstil Hofmanns war neben einer fundierten, detaillierten Analyse immer auch die praktische Anwendung seiner Erkenntnisse bei der Arbeit am und für den Wald. Neben dem Forscher war vor allem der Mensch Gerhard Hofmann, seine gelebte Mitmenschlichkeit und Zivilcourage, beispielgebend. Gegen politische Widerstände zu DDR-Zeiten und auch in Nachwende-Zeiten beurteilte und unterstützte er Menschen, von denen er fachlich wie persönlich überzeugt war.

Sein Andenken wird in dankbarer Erinnerung behalten und seiner Familie sei auf diesem Wege viel Kraft in dieser schweren Zeit gewünscht.

Im Namen der Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler des Thünen-Instituts für Waldökosysteme und des Landeskompetenzentrums Forst Eberswalde: Prof. A. Bolte, Prof. R. Kätzel, Dr. O. Rüffer, Dr. M. Noack, U. Pommer