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Prof Dr. Ernst E. Hildebrand †

Prof Dr. Ernst E. Hildebrand †

Wir trauern um Prof. Dr. Ernst E. Hildebrand, ehemaliger Direktor des Instituts für Bodenkunde und Waldernährung der Universität Freiburg, der am 6. September 2012 im Alter von 66 Jahren verstorben ist. Hildebrand studierte Forstwissenschaften in Freiburg. Seine Promotion, eine Pionierarbeit im Bereich Bodenchemie, wurde 1974 mit dem Goedecke-Preis ausgezeichnet. Von 1974 bis 1977 richtete er in Curitiba (Brasilien) neben der Lehrtätigkeit als Gastprofessor das Forschungslabor für Bodenkunde und Waldernährung der Forstwissenschaftlichen Fakultät der Universidade Federal do Paranà ein und betreute dieses. Die Verbindung nach Südamerika ist bis nach seiner Emeritierung lebendig geblieben und hat viele Forschungsprojekte hervorgebracht. Zurück in Deutschland wurde ihm nach kurzer Assistenzzeit an der Universität Freiburg die Stelle des Bereichsleiters für Bodenkunde in der Abteilung Botanik und Standortskunde der Forstlichen Versuchsanstalt (FVA) in Stuttgart-Weilimdorf angeboten.
Vier Jahre nach dem Umzug der FVA nach Freiburg wurde Hildebrand 1990 zum Leiter der Abteilung Bodenkunde ernannt. Hier entwickelte und intensivierte er seine Arbeitsschwerpunkte zum Einfluss der Bodenstruktur auf die Waldernährung, die Bewertung der Bodenschutzkalkung und die Bedeutung der Bodenverdichtung für die Funktion des Bodens als Wurzelraum. 1991 habilitierte er sich bei Prof. Dr. Ulrich in Göttingen. 1996 wurde er als Nachfolger von Prof. Heinz W. Zöttl an die Universität Freiburg berufen. Sein Erfolg in der Lehre ist dokumentiert durch den Landeslehrpreis des Wissenschaftsministeriums des Landes Baden-Württemberg 2002 und den Universitätspreis für Lehre, verliehen im Jahre 2004 für das e-learning Modul PEMO. Für Ernst Hildebrand war ein ausgewogenes Verhältnis zwischen produktiver Forschungsarbeit und Lehre wichtig. Ihm ist es zu verdanken, dass die sich komplementär ergänzenden Arbeitsgruppen an der FVA und der Universität Freiburg auch nach seinem Wechsel eine Einheit blieben. In seinem Umfeld genossen Mitarbeiter, Promovierende und Studierende uneingeschränkte menschliche Unterstützung und Verständnis.
Durch seine Arbeit auf hohem wissenschaftlichem Niveau und durch seinen Führungsstil, der seinen Mitarbeitern großen Freiraum schuf, hat er maßgebliche Impulse in Wissenschaft und Praxis gesetzt. Sein hohes Ansehen in wissenschaftlichen Kreisen zeigt sich auch durch die zweifache Wahl zum Fachkollegiaten der DFG und seine langjährige Tätigkeit im Kuratorium der Forstlichen Versuchsanstalt Baden-Württembergs. Hildebrand brachte seine Expertise auch als Sprecher der AG Waldböden der Deutschen Bodenkundlichen Gesellschaft (1989 bis 2008) und als Gutachter und Redaktionsbeirat verschiedener wissenschaftlichen Zeitschriften ein. Seine Integrität, die Fähigkeit zur Moderation und sein Einfühlungsvermögen halfen ihm auch als Dekan der Fakultät für Forst- und Umweltwissenschaften in der Zeit von 2003 bis 2006, erfolgreich Akzente zu setzen und die Integration von Forstwissenschaften, Geografie und Umweltwissenschaften voranzubringen.
Dankbar für viele Impulse, wohlwollende und freundschaftliche Unterstützung, aber auch kritisch inspirierende Nachfragen sowie für die ansteckende Begeisterung und Freude daran, Wissen zu generieren und zu verbreiten, behalten wir Ernst E. Hildebrand als großes menschliches und wissenschaftliches Vorbild in Erinnerung.
Friederike Lang, Helmer Schack-Kirchner, Klaus von Wilpert und Jürgen Bauhus

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