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Prof. Dr. Dr. h. c. Richard Karl Hermann gestorben

Prof. Dr. Dr. h. c. Richard Karl Hermann gestorben

Prof. Richard K. Hermann starb überraschend am 14. Oktober in seiner Wahlheimat Oregon/USA. Richard war der profundeste Kenner der Douglasie in unserer Zeit. Sein Wissen über diese Baumart und seine wissenschaftlichen Arbeiten über die Douglasie verschafften ihm weltweite Anerkennung. Dabei hat sein wissenschaftliches Lebenswerk den Schwerpunkt im Waldbau, wenngleich die Douglasie einen großen Anteil daran hat. So war Hermann beispielsweise an Fragen der Forstpflanzenproduktion oder Aufforstung interessiert, publizierte eigene Forschungsarbeiten und war an Fachbüchern beteiligt. Nur wenigen Freunden aber war bekannt, dass er auch ein erfolgreicher Unternehmer mit eigener Baumschule war. Ein Beispiel für seine Bescheidenheit.

In München 1924 geboren gehört er zu der Generation, welche die Bundesrepublik Deutschland mit aufgebaut hat: nach dem Abitur 1941 folgte unmittelbar der Kriegseinsatz und danach die Rückkehr in eine zerbombte Heimat. Das bedeutete Schutt räumen für Essenmarken, Forststudium mit Vorlesungen z. T. im Wohnzimmer der Dozenten, München liegt schließlich in Trümmern. Es folgten Referendarsdienst und Staatsexamen in Bayern. Hermann absolvierte seine Ausbildung mit Auszeichnung und erhielt ein „Voll-Stipendium“ an der berühmten Yale-Universität in den USA (1954). Er blieb in Amerika, promovierte 1960 an der Oregon State University (OSU), die seine wissenschaftliche Heimat wurde. Es folgten eine Professur in Waldbau an der OSU und Gastprofessuren in Göttingen (1982 und 1989) sowie an anderen Europäischen Universitäten (z. B. Warsaw, Nancy).

Hermann arbeitete aktiv an internationalen Forschungsgremien der IUFRO (Internationale Union der forstlichen Versuchs- und Forschungsorganisationen) mit, zunächst in Leitungsfunktionen in diversen Arbeitsgruppen (1965 bis 1981), später als Leiter (Coordinator) der Abteilung I (Waldbau) der IUFRO (1981 bis 1986). Für Mitteleuropa ist dabei von besonderer Bedeutung, dass er den Aufbau der IUFRO-Arbeitsgruppe „Ökologie und Waldbau der Weißtanne“ aktiv gefördert hat. Diese Arbeitsgruppe war ursprünglich von Prof. Hannes Mayer (Wien) initiiert worden, aus Anlass beginnender Krankheitssymptome bei der Weißtanne in Europa (1969). Mitglieder dieser Arbeitsgruppe haben seither zahlreiche Mosaiksteine zum heutigen Gesamtbild des aktuellen Verständnisses über die Evolution der Tanne, ihrer ökologischen Amplitude und ihres waldbaulichen Potenzials geliefert. Hermann hat dieser Arbeitsgruppe auch nach seiner Pensionierung stets besondere Aufmerksamkeit gewidmet, hat die Tagungen nahezu regelmäßig besucht und noch 2005 bei Exkursionen in den Karpaten mit Übersetzungen Englisch/Deutsch während der Fachdiskussionen geholfen.Richard Hermann war ein Mensch, der stets seinem Gegenüber volle Aufmerksamkeit widmete: er konnte zuhören, verstehen und er verstand es auch, die richtigen Fragen zu stellen. Wie kein anderer schlug er Brücken zwischen Amerika und Europa, zwischen Waldbau und anderen Disziplinen, zwischen jungen Studenten und erfahrenen Wissenschaftlern, zwischen Wissenschaftlern und Praktikern. Es war genau dieser unermüdliche Einsatz weltweit, der mit dazu geführt hat, die Oregon State University über die Grenzen der USA hinaus bekannt zu machen.Die internationale Gemeinschaft der Forscher dankte ihm seinen Einsatz mit höchsten Ehrungen: Ehrendoktorat der Universität Göttingen (1979), Mitglied der L’Accademia Italiana di Scienze Forestali (Italienische Akademie der Forstwissenschaften) 1982, „Fellow“ der Society of American Foresters (1991), Ehrenmitglied der IUFRO (1992).Richard fand seine große Liebe während des Studiums in München. Mit Freya Hermann war er 65 Jahre verheiratet. Und mit Freya, der eine eigene wissenschaftliche Kariere an der OSU gelang (Professur in Pharmazie), teilte er seine Leidenschaften wie Reisen, Wandern oder die Musik.„Dick“, wie Richard von seinen Freunden genannt wurde, erfuhr im September 2016 von seiner unheilbaren Krankheit. Er nutzte die kurze Zeit, um sich von seinem Sohn, den Enkeltöchtern und dem Urenkel und von seinen Freunden zu verabschieden. Ruhig, sachlich und gefasst, so wie ihn viele kannten.Prof. Hermann war auch lange nach seiner Emeritierung wissenschaftlich aktiv, sein Rat und seine Unterstützung waren gefragt bis zuletzt. 2013 publizierte er zusammen mit Denis Lavender eine umfassende Monographie über die Douglasie. In der besonders ihm eigenen Art, wurde dabei Literatur aus über 100 Jahren Douglasienforschung kompakt und verständlich aufbereitet. Ebenfalls typisch für Hermann: die Verwendung neuester Technik der Publikation. Die Douglasien-Monographie ist im Internet frei verfügbar („open access publishing“)!Zahlreiche Wissenschaftler, nicht nur in Amerika und Europa sondern weltweit, verdanken Richard K. Hermann wertvolle Diskussionen und hilfreiche Unterstützung. Er war ein Lehrer, der vielen ein Freund wurde. Seine Schüler, Kollegen und Freunde werden sich gerne an ihn erinnern!

Raphael Th. Klumpp, BOKU Wien

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