ABO
Privatwaldförderung Thüringen feiert ihr 10-jähriges Bestehen

Privatwaldförderung Thüringen feiert ihr 10-jähriges Bestehen

Der Kleinprivatwald im Freistaat ist seit geraumer Zeit ein Aufgabenschwerpunkt der thüringischen Forstpolitik. Fehlende Nachweise des Erbgangs über Generationen, handtuchgroße Kleinstparzellen, fehlende Grenzmarkierungen vor Ort oder neue Waldeigentümer aus dem urbanen Umfeld erschweren seine Betreuung.
Und sie gefährden das Klima- und Naturschutzpotenzial dieser Wälder, vor allem aber die nachhaltige Nutzung des umweltfreundlichen Roh-, Bau- und Werkstoffes Holz.  
Von den 240.000 ha Privatwald im Freistaat werden von Forstexperten etwa 70.000 ha als solcher „passive Waldbesitz“ eingestuft. In rund 34 % des Privatwaldes in Thüringen werden folglich die vielfältigen Waldfunktionen zum gesamtgesellschaftlichen Nutzen bislang nicht optimal erbracht. 

Mobilisierung passiven Waldbesitzes als Ziel

Hier setzt die Privatwaldförderung Thüringen an. Schon mit der Gründung am 7. Juli 2006 betrat Thüringen im Forstbereich bundesweit Neuland. Eine öffentlich-private Partnerschaft (Public-Private-Partnership – PPP), initiiert durch die damalige Forstabteilung im Thüringer Landwirtschaftsministerium, Unternehmen der Holzindustrie  und dem Mitteldeutschen Sägewerksverband, sollte Kräfte aus Verwaltung und Wirtschaft zusammenführen, um der gesamtgesellschaftlichen Herausforderung der Waldmobilisierung auch organisatorisch Rechnung tragen. Das bundesweit einzigartige Konstrukt arbeitet seit nunmehr zehn Jahren als unabhängiger und kostenfreier Dienstleister und unterstützt die staatliche Thüringer Forstverwaltung bei dieser kardinalen forstpolitischen Herausforderung. Ihr Ziel: die Mobilisierung des passiven Waldbesitzes im Freistaat.
 
6.000 Waldbesitzer in zehn Jahren mobilisiert

„In den vergangenen zehn Jahren konnte die Privatwaldförderung Thüringen rund 6.000 Waldbesitzer motivieren, ihren Wald nachhaltig zu bewirtschaften und damit die Nutz-, Schutz- und Erholungsfunktion gezielt auszubauen“, so Volker Gebhardt, ThüringenForst-Vorstand. Rund 15.200 ha Wald – so viel wie die sieben waldreichsten Städte Thüringens gemeinsam besitzen.

Dabei verfolgt die Privatwaldförderung Thüringen keine eigenwirtschaftlichen Interessen. Die aktuell fünf Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter an den Forstamtsstandorten Sondershausen und Neustadt/Orla verbessern ausschließlich den Wissenstand der Waldbesitzer in Bezug auf ihr Eigentum und dessen nachhaltiger Pflege. Oft genug muss dabei erst der grundsätzliche Bezug zur Eigentumsart Wald hergestellt sowie das Bewusstsein geschaffen werden, mit diesem Eigentum auch gesamtgesellschaftliche Verantwortung zu übernehmen.
So wie bei Felix Döpfner, einem 35-jährigen Bauingenieur aus Jena, der nahe Eisenach eine kleine Waldfläche geerbt hatte. „Was sollte ich damit schon groß anfangen?“, fragte sich Döpfner, bis ein Freund ihm den Tipp „Privatwaldförderung Thüringen“ gab. Die half ihm, „seinen“ Wald erst einmal im Wald ausfindig zu machen – mittels GPS-Gerät und den Lagekoordinaten des Grundbuchamtes konnten die Grenzen gefunden und das Eigentum damit körperlich übernommen werden. Auf Döpfners Wunsch hin wurde sodann der Kontakt zum örtlich zuständigen Revierförster der ThüringenForst-AöR hergestellt, die Döpfners Wald als Forstdienstleister seither betreut. Dabei wird Döpfners Zielstellung umgesetzt: „Ich will mit meinem Wald gezielt beim Klima- und Umweltschutz mithelfen.“
 
Thüringer Pilotprojekt wurde zum nationalen Vorzeigeprojekt

In seinem 10-jährigen Bestehen mauserte sich das Thüringer Pilotprojekt zu einem Vorzeigeprojekt der deutschen Forstpolitik. Die freistaatlichen Erfahrungen in dieser Form der Privatwaldbetreuung fand ihren Niederschlag in der bundesdeutschen Initiative wald-wird-mobil.de gGmbH (wwm) unter Leitung von Dr. Max Krott, Professor für Forst- und Naturschutzpolitik an der Georg-August-Universität Göttingen. Die wwm initiierte ihrerseits in Zusammenarbeit mit dem Bundeslandwirtschafts- und dem Bundesumweltministerium aktuell ein mit rund 3 Mio. € ausgestattetes Verbundprojekt „Klimaschutz durch Kleinprivatwald – für Eigentümer und Gesellschaft“ (KKEG). Das Teilprojekt „Entwicklung eigentümerorientierter Maßnahmen für nachhaltiges Wirtschaften im Privatwald“ innerhalb des KKEG wurde seitens des Bundes im letzten Jahr nach Thüringen verlagert. Dort sollen die Praxisentwicklungen in Zusammenarbeit des Thüringer Landwirtschaftsministeriums (TMIL), der ThüringenForst-AöR und der Privatwaldförderung Thüringen durchgeführt werden. Denn der passive Kleinprivatwald sei kein regionales, sondern ein nationales Problem, so Krott.
 
Das Pilotland Thüringen hat damit allen Grund, das Jubiläum der Privatwaldförderung Thüringen ausgiebig zu feiern. So konnte nicht nur die Effizienz der Beratungsleistungen von anfänglich 0,84 Tagen pro Hektar auf 0,44 Tage pro Hektar Waldfläche fast verdoppelt werden, auch ist die Finanzierung durch das öffentlich-private Betreibermodell für die Zukunft gesichert.

Gewinner ist neben dem einzelnen Waldbesitzer auch das Klima und damit die Gesellschaft. „Denn die nachhaltige Waldbewirtschaftung ist Garant für die Klimaschutzfunktion der Wälder und liefert gleichzeitig mit dem Roh-, Bau- und Werkstoff Holz eine umweltfreundliche Alternative zu Materialien, deren Herstellung äußerst energieintensiv und damit klimaschädlich ist“, so Gebhardt abschließend.

 
Am 7. September 2016 wird die Thüringer Forstministerin Birgit Keller das 10-jährige Jubiläum der „Privatwaldförderung Thüringen“ in Kahla in Anwesenheit prominenter Unterstützer und Förderer aus der Forst- und Holzwirtschaft, der Politik und Verwaltung sowie der Forstwissenschaft feierlich eröffnen.
 

ThüringenForst

Auch interessant

von