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Privatwald im Wandel von Klima und Gesellschaft

Privatwald im Wandel von Klima und Gesellschaft

Ein Viertel des deutschen Waldes befindet sich in kleinstrukturiertem Privatbesitz, in dem oftmals weder Bewirtschaftung noch Klima- und Naturschutzmaßnahmen effektiv möglich sind. Ein vom Bund gefördertes Großprojekt soll nun wirksame Betreuungsstrategien für den Kleinprivatwald entwickeln, um diesen Herausforderungen zu begegnen.Fast die Hälfte des deutschen Waldes liegt in privater Hand. Die Zahl der Waldbesitzer wird gegenwärtig auf zwei Millionen geschätzt. Die große Mehrheit davon sind Kleinprivatwaldbesitzer mit Flächen unter 20 Hektar sowie Kleinstprivatwaldeigentümer, deren Besitzungen unter fünf Hektar liegen.Wo der Revierförster früher jeden Waldbesitzer in der Umgebung kannte, gehören die kleinteiligen Wälder heute häufig Erbengemeinschaften in Großstädten, z.T. auch im Ausland. Diese Eigentümer können ihrem Wald kaum gerecht werden. „Das Wissen im Umgang mit dem eigenen Wald ist oftmals unzureichend. Auch sind die Erlöse bei Einzelbewirtschaftung innerhalb von Kleinstrukturen gering, weshalb der Wald zunehmend als Belastung empfunden wird und brach liegt“, erklärt Pier Pernutz, Leitender Forstdirektor bei der Landesforstanstalt Thüringenforst.Für die Gesellschaft hat die Entfremdung vom eigenen Wald weitreichende Folgen. „Unsere Wälder entziehen der Atmosphäre große Mengen des klimaschädlichen Kohlendioxids und lagern dieses dauerhaft im Holz ein. Eine nachhaltige Waldbewirtschaftung, die langlebige Holzprodukte hervorbringt und zukunftsfähige Wälder fördert, erschließt dieses Speicherpotential in besonderem Maße“, erklärt Prof. Dr. Max Krott, Leiter des Fachbereichs Forst- und Naturschutzpolitik an der Georg-August-Universität Göttingen. Das benannte Potential von Wald und Holz sei lange noch nicht ausgeschöpft. Als umweltfreundliche natürliche Alternative könne Holz in vielen Anwendungsbereichen Werkstoffe ersetzen, deren Herstellung besonders energieintensiv und klimaschädlich sei.Auch in Hinblick auf die nationale Biodiversitätsstrategie der Bundesregierung sehen Experten Nachholbedarf im Kleinprivatwald. Die Ergebnisse des Forschungs- und Entwicklungsvorhabens „Natürliche Waldentwicklung auf 5 Prozent der Fläche“ (NWE5) der Nordwestdeutschen Forstlichen Versuchsanstalt (NW-FVA), des Waldbau-Instituts der Universität Freiburg und des Instituts für Landschaftsökologie und Naturschutz Bühl (ILN) zeigen eine deutlich unterproportionale Beteiligung der Privatwälder. „Wegen des leichteren Zugriffs fokussieren sich Naturschutzmaßnahmen bislang auf den öffentlichen Wald. Vermutlich sind im Privatwald jedoch naturschutzfachlich wertvolle Waldgebiete vorhanden, die auf freiwilliger Basis über Vertragsnaturschutz oder Ankauf zur Ausgestaltung der NWE-Flächenkulisse genutzt werden könnten“, erklärt Dr. Volker Späth, Leiter des ILN Bühl.Dieser Herausforderung soll ab 1. März 2015 das Verbundprojekt „Klimaschutz durch Kleinprivatwald – für Eigentümer und Gesellschaft (KKEG)“ begegnen. Gefördert wird das auf drei Jahre angelegte Maßnahmenpaket mit 3,3 Millionen Euro durch den Waldklimafonds des Bundesministeriums für Ernährung und Landwirtschaft (BMEL) und des Bundesministeriums für Umwelt, Naturschutz, Bau und Reaktorsicherheit (BMUB). Zur Projektallianz gehört neben dem Hamburger Thünen-Institut für Internationale Waldwirtschaft und Forstökonomie, dem Institut für Landschaftsökologie und Naturschutz Bühl (ILN) sowie dem NABU Landesverband Baden-Württemberg die gemeinnützige GmbH wald-wird-mobil.de mit Sitz an der Georg-August-Universität Göttingen.Im Rahmen des Verbundprojektes möchte wald-wird-mobil.de zeitgemäße Qualifizierungs- und Betreuungsangebote sowie innovative Instrumente für Kleinprivatwaldbesitzer und forstliche Zusammenschlüsse entwickeln. Besondere Aufmerksamkeit gilt neuen und urbanen Waldeigentümern ohne entsprechendes Know-how. Durch klassische Angebote konnten diese bislang kaum erreicht werden. Für das entsprechende Teilprojekt „Entwicklung eigentumsorientierter Maßnahmen für nachhaltiges Wirtschaften im Privatwald (EMP)“ stehen 2,2 Millionen Euro zur Verfügung.Neben der Steigerung der Kosteneffizienz durch Standardisierung der Angebote soll ein modularer Maßnahmenaufbau gewährleisten, dass den vielfältigen Interessen der Waldeigentümer auf breiter Ebene entsprochen werden kann. Bei allen Entwicklungen sollen jedoch die Prämissen der Nachhaltigkeit und Lösungen für einen wirksamen Klima- und Naturschutz im Zentrum stehen. Die enge Kooperation mit den wissenschaftlichen Verbundpartnern gewährleiste dabei neue Impulse sowie eine kontinuierliche Optimierung. Die Praxisentwicklung der Maßnahmen erfolgt im Pilotland Thüringen, wo diese gemeinsam mit dem Thüringer Ministerium für Infrastruktur und Landwirtschaft (TMIL), der Thüringen Forst AöR sowie der Privatwaldförderung Thüringen umgesetzt werden. Ziel ist darüber hinaus ein bundesweiter Ergebnistransfer.

DeSH

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