Beim Seitenzug und bei Kippgefahr lässt sich die untere Umlenkrolle verwenden

Prinzipvergleich Seilwinden: Kette oder Getriebe?

29. Dezember 2021

Einfache Seilwinden werden in der Regel mit einem Kettenantrieb gebaut. Dabei treibt ein kleines Kettenrad, das mit der Gelenkwelle verbunden ist, das große Kettenrad an der Seiltrommel an. Konstruktionsbedingt liegt diese quer zur Arbeitsrichtung und das Seil muss zweimal umgelenkt werden. Bei den klassischen Getriebewinden wird oft ein Schneckenantrieb verwendet. Bei dem wird die Kraft um 90° gedreht und die Seiltrommel lässt sich längs zur Fahrtrichtung einbauen. Das Seil muss dann nur einmal umgelenkt werden. Getriebewinden werden eine längere Haltbarkeit und ein geringerer Wartungsaufwand nachgesagt. Die Ketten unterliegen in der Regel einem größeren Verschleiß, da sie sich im Laufe der Zeit längen. Je länger die Kette wird, desto mehr werden die Zahnräder in Mitleidenschaft gezogen und nutzen sich ebenfalls ab. Deshalb muss eine Kette regelmäßig geschmiert und irgendwann ausgetauscht werden.

Einen etwas anderen Weg beschreitet Tajfun bei der Getriebewinde VIP 90 Pro. Hier wird ein Stirnradgetriebe mit mehreren stabilen Zahnrädern verwendet. Diese Konstruktion erzeugt weniger Reibungsverluste als ein Schneckengetriebe und erwärmt sich weniger. Die VIP Pro 90 ist demnach auch die erste Getriebewinde, die den anspruchsvollen Dauerbelastungstest der BLT Wieselburg in Österreich bestanden hat. Allerdings gibt es mit dem Stirnradgetriebe auch einen konstruktiven Nachteil: Dabei erfolgt keine Umlenkung der Kraftrichtung. Ähnlich wie bei den Kettenwinden von Tajfun sitzt die Seiltrommel ebenfalls quer zur Ausstoßrichtung.

Entscheidungskriterien

Für die Gegenüberstellung haben wir die Tajfund EGV 85 als Kettenwinde und die Tajfun VIP 90 Pro miteinander verglichen. In der maximalen Zugkraft liegen sie mit 90 kN beziehungsweise 85 kN fast gleichauf. Spannend wird es aber bei der Betriebszugkraft, bzw. bei der Zugkraft auf der obersten Seillage. Die maximale Kraft erreicht eine Trommelwinde nämlich immer nur auf der untersten Seillage, also bei völlig abgespultem Seil. Bei voller Trommel ist der Hebelarm länger, den die Last auf den Seilantrieb ausübt und damit sinkt die Zugleistung. Je größer der Durchmesserunterschied zwischen voller und leerer Seilspule umso größer ist dieser Zugkraftabfall. Von den 85 kN der EGV bleiben am Ende nur 39,5 kN übrig, das ist ein Abfall um 54 %. Die VIP besitzt eine deutlich längere Trommel, deswegen fällt sie nur um 36 % von der Nennkraft 90 kN auf 58 kN.

Den vollständigen Artikel fonden Sie in der Forst & Technik 1/2021 oder in unserer digitalen Ausgabe. Die Erstveröffentlichung war in der Zeitschrift Agrarheute.

Heinrich Höllerl, Bernd Feuerborn