ForstBranche

Preisverleihung zum DEUTSCHEN Waldpreis 2021

Bearbeitet von Rainer Soppa

Am 21. Juni wurden während einer Online-Veranstaltung die diesjährigen Preisträger des DEUTSCHEN Waldpreises 2021 ausgezeichnet. Unterstützt wurde die Moderatorin Janine Mehner von den Chefredakteuren der Forstzeitschriften AFZ-DerWald, Forst und Technik und Deutscher Waldbesitzer. 

Mit dem DEUTSCHEN Waldpreis ehrt das Forstportal forstpraxis.de Menschen, die sich in besonderer Weise für die Forstbranche stark machen. Bundeslandwirtschaftsministerin Julia Klöckner unterstützt den DEUTSCHEN Waldpreis und bedankte sich bei den Siegern im Rahmen der digitalen Preisverleihung „für das Engagement für unsere Wälder“. Für sie ist der DEUTSCHE Waldpreis eine „überaus wichtige Auszeichnung, weil der Wald unsere grüne Lunge ist, unser wichtigster Verbündeter gegen den Klimawandel. Dieser Preis ist so wichtig, um Sie, die Sie vor Ort Verantwortung übernehmen, in Ihrem Engagement für den Erhalt der Wälder zu stärken.“

Der DEUTSCHE Waldpreis wird 2021 bereits zum vierten Mal vergeben. Teilnehmen können alle Forstunternehmer/innen, Förster/innen oder Waldbesitzer/innen in Deutschland, Österreich und der Schweiz in den Kategorien „Förster/in des Jahres“, „Waldbesitzer/in des Jahres“ und „Forstunternehmer/in des Jahres“. Drei Kandidaten pro Kategorie hatten die Juroren ins Finale gewählt. Die Gewinner wurden anschließend im Rahmen eines öffentlichen Online-Votings, an dem über 100.000 Personen teilgenommen haben, ermittelt. Der pro Kategorie mit 2.000 € dotierte DEUTSCHE Waldpreis wird von STIHL, claus rodenberg waldkontor gmbh, RAL Gütezeichen und Unterreiner Forstgeräte GmbH unterstützt.

Waldbesitzerin des Jahre 2021

Foto: bildschnitt tv

Bärbel Kemper aus Liebstadt bewirtschaftet zusammen mit ihrem Mann Thomas Schlomski und der Tochter Anna-Karina neben den landwirtschaftlichen Flächen des Landguts Kemper & Schlomski auch 66 ha Wald. Mit großer Begeisterung setzt sie zukunftsweisende Leuchtturmvorhaben im Wald um und geht als Impulsgeber mit gutem Beispiel voran. Der Wald wird mit Fokus auf Nachhaltigkeit und Multifunktionalität bewirtschaftet und ist PEFC-zertifiziert. Wertvolle Naturschutzbiotope wurden bereits im Wald angelegt und zusammen mit zahlreichen Offenlandbiotopen als komplexer Biotopverbund ausgebaut. Neben insektenfreundlichen Aufforstungen, Feuchtbiotopen, artenreichen Waldsäumen und Trockenmauern im Wald ergänzen die Streuobstflächen und Naturschutzteiche, umgeben von vielfältigem, artenreichem Grünland, den komplexen Biotopverbund. Er vereint vielgestaltige Lebensräume mit einem breiten Nahrungsangebot für viele Tierarten.

Den DEUTSCHEN Waldpreis sieht Waldbesitzerin Bärbel Kemper als eine Möglichkeit, mit ihrer Geschichte andere Waldbesitzerinnen und Waldbesitzer zu ermutigen, durch eine zielgerichtete Öffentlichkeitsarbeit passende Unterstützer und Kooperationspartner für die Realisierung der vielfältigen „Waldthemen“ zu finden und selbst aktiv zu werden. Solche Leuchtturmvorhaben haben eine große Strahlkraft und ein enormes Transformationspotenzial.

Förster des Jahres

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Seit 16 Jahren ist Christian Bartsch Förster mit Herz, Seele und Verstand. Er lebt mit seiner Familie im Kreis Haßberge in Bayern. Er betreut als Betriebs- und Revierleiter das städtische Forstamt Eltmann mit 1.100 ha Wald. 880 ha davon befinden sich im FFH-Gebiet „Buchenwälder und Wiesentäler des Nordsteigerwaldes“. Sein Ziel ist es, den wertvollen Wirtschaftwald und den unbedingt notwendigen Waldnaturschutz in Einklang zu bringen. Er tritt im hohen Maße für eine sich stets weiterentwickelnde, multifunktionale, zukunftssichere und nachhaltige Forstwirtschaft ein. Die Bewirtschaftung erfolgt in seinem Revier nach den Grundsätzen der ANW und gemäß dem deutschen FSC-Standard. Er findet und fördert in seinem Revier gezielt seltene Laubbaumarten, beispielsweise autochthone Speierlinge, Elsbeeren und Zerreichen. Der 40-jährige Förster ist nicht nur für den Wald zuständig, er kümmert sich auch um die Pflege aller Gehölze in den städtischen Anlagen. Für die Bürger, Stadträte und besonders die Kinder in Eltmann organisiert er Waldführungen. Als berufenes Mitglied im Bayerischen Städtetag engagiert sich Christian Bartsch forstpolitisch, außerdem betreut und berät er sechs verschiedene Jagdgenossenschaften und organisiert hier den Wegebau sowie den Gehölzrückschnitt.

Forstunternehmer des Jahres

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Das Unternehmen Günter Rauch aus Rosenfeld-Bickelsberg in Baden-Württemberg konnte sich in der Kategorie „Forstunternehmer/in des Jahres“ durchsetzen. Wenn man ein vorbildliches Forstunternehmen sucht, dessen Wirken über die eigene Region hinausstrahlt, dann kommt man an ihm nicht vorbei. Er war einer der Ersten, der Ende der 1980er-Jahre in Maschinen für die hochmechanisierte Holzernte investierte und die Waldarbeit in Deutschland damit einen großen Schritt voranbrachte. Sein Maschinenpark zeichnet sich bis heute durch innovative Ideen aus, ebenso wie seine drei Unternehmen. Die Firma Holzernte & Holzhandel übernimmt im Forst von der Pflanzung bis zur Holzernte und -rückung praktische alle Arbeiten. Im Brennholzzentrum Bickelsberg, dass seine Frau Daniela leitet, produziert er Scheitholz und Holzhackschnitzel, die in der Region verheizt werden – die Hackschnitzel zu großem Teil im Heizkraftwerk Naturenergie Kleiner Heuberg. Das ist seine dritte Firma, die neben der Schule und der Feuerwache in seinem Ort auch das Rathaus und das Schwimmbad mit Nahwärme versorgt. Bei alldem fand Rauch immer die Zeit, sich gesellschaftlich zu engagieren. Schon als junger Unternehmer trat er als Vorsitzender der Fachgruppe Forstunternehmer im VdAW für die Interessen seiner Branche ein. Der 60-Jährige ist zudem langjähriger Ortsvorsteher von Bickelsberg. Nicht zuletzt kümmert er sich um den forstlichen Nachwuchs. Ab September bildet er zum ersten Mal Forstwirte aus, und zwar gleich drei auf einmal. Man darf davon ausgehen, dass sich auch seine Tochter Ramona und sein Sohn Maik um die Azubis kümmern werden. Sie sind seit einigen Jahren im Unternehmen aktiv und werden es irgendwann in der Zukunft weiterführen.

Nachhaltigkeit Wald

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Von 1977 bis 2017 war Ludwig Pertl als Revierförster in Kaufering tätig. Schon während seiner aktiven Zeit hat er eine Reihe wegweisender Projekte rund um den Wald angestoßen. Besonders liegt ihm der Waldboden am Herzen. Wie es Klaus Wiegand von der RAL Gütegemeinschaft Wald- und Landschaftspflege e.V. in seiner Laudatio herausstellt, kann es ohne einen gesunden Boden auch keinen gesunden Wald geben.

Pertl hat bereits 2003 ein Anreizsystem für den Trinkwasserschutzwald entwickelt und umgesetzt. Dieses wurde 2008 auch für den dortigen Energiewald übernommen.

Auch nach seiner aktiven Zeit ist der Unruheständler Pertl „nachhaltig“ für den Wald tätig. Seit 2017 ist Kaufering der Deutsche Partner beim EU-Projekt Links4Soils im Rahmen der europäischen territorialen Zusammenarbeit (INTERREG), für dessen Management Ludwig Pertl mitverantwortlich ist.

Die Geschichte von Ludwig Pertl zeigt, welche Dynamiken sich entwickeln können, wenn man hartnäckig an neuen Ansätzen arbeitet und versucht diese umzusetzen. Die Beweise, die hierbei geführt wurden und immer noch werden bilden eine Grundlage, auch für Entscheider und Gesetzgeber, einen Rahmen für eine nachhaltige Bewirtschaftung und Gestaltung unserer grünen Lunge zu erarbeiten.

Herzlichen Glückwunsch

Das Team von forstpraxis.de gratuliert den Preisträgern und wünscht, dass sie auch in Zukunft so viel positives für den Wald, die Natur und die Menschen bewegen können.