Holzernte mit Seilkran
Holzernte mit Seilkran
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Preiskampf beim Seilen

01. März 2018

In Österreich herrscht seit einiger Zeit ein Hauen und Stechen bei den Seilkran-Aufträgen. Forstunternehmer und Branchenkenner berichten übereinstimmend, dass vermehrt ruinöse Angebote für Standardarbeiten abgegeben werden. Die Preise, die zu hören sind, klingen wahrlich nicht gut, von Angeboten um die 17 bis 19 €/Fm ist die Rede: für einfache Bergaufseilungen mit Trassenlängen von rund 300 m im Kahlschlag. Und dafür müsse der Waldbesitzer nicht lange nach einem Unternehmer suchen.

Zwei Gründe für den Preiskampf

Marktkenner machen die Gründe für diese Entwicklung an zwei Dingen fest. DI Johannes Loschek, ehemals MM Forsttechnik und heute noch immer viel für seinen alten Arbeitgeber unterwegs: „Die südosteuropäischen Beschäftigten österreichischer Firmen scheinen ihre Arbeitszeit im Wald auch als Lehrzeit zu verstehen. Sind sie der deutschen Sprache halbwegs mächtig und können mit der komplexen Technik einigermaßen umgehen, macht sich eine beachtliche Zahl selbstständig und damit den Lehrherren Konkurrenz.“

Josef Prommegger aus St. Michael kennt noch einen Beweggrund: „Unternehmer gehen vor allem bei Aufträgen vor der Haustür unter das gesunde Limit. Sie rechnen mit nicht existierenden Vorteilen der Nähe zum eigenen Hof und haben Angst, dass andere Unternehmer in ihr Revier eindringen könnten.“ Prommegger spürt die Konkurrenz selbst auch und überlegt, ob er nicht einen der Durchforstungsseilkräne verkauft. „Die Maschine hat das gesamte Jahr 2017 trotz hoher Auslastung nur Minus gemacht. Warum soll ich einen Verlustbringer quersubventionieren?“

Auf die Kosten achten

Reinhard Klade, Forstunternehmer aus Wolfsberg, kann dieser Entwicklung ebenfalls nichts abgewinnen. „Als großer Betrieb müssen wir streng auf die Kosten achten. Wenn jemand zu Dumpingpreisen anbietet, können wir uns nur zurückziehen.“ Seilarbeit ist keine Billig-Dienstleistung. Zwei Faktoren beeinflussen das vor allem. „Egal bei welchem Hersteller man kauft, ein guter Seilkran kostet heute über 500 000 €. Das muss erst mal verdient werden.“ Der andere Faktor sei das Personal. „Ausländische Mitarbeiter sollte man nicht unterschätzen. So wie sie ein wenig Deutsch erlernt haben und halbwegs organisiert sind, steigt die Bereitschaft, auch andere Arbeit anzunehmen.“ Klade zahlt deutlich über dem Tarifvertrag, denn der Verdienst am Bau sei für viele Forstarbeiter der Maßstab. „Zahlst weniger, bist Du bald den Mann los. Und neue Mitarbeiter zu finden wird zunehmend schwerer.“ Der Chef des größten europäischen Holzernteunternehmens hofft zwar, dass den Billiganbietern bald die Luft ausgeht. „Aber leider steht jede Woche wieder ein Anderer auf, der meint, anderen das Wasser abgraben zu können. Das muss ein großer Betrieb aber aushalten.“

Während in Österreich der Preiskampf voll im Gange ist, sieht er die Lage in Deutschland wesentlich entspannter. „Die deutschen Forstleute haben ein viel größeres Kostenbewusstsein und können unsere Kalkulation besser nachvollziehen. Dort tun wir uns leichter als auf dem heimischen Markt.“

Die Sorgen des Unternehmerverbandes

Ganz andere Sorgen mit dieser Entwicklung hat Peter Konrad, Obmann des österreichischen Forstunternehmerverbandes. Wie Klade meint er, dass es schon seit jeher Leute gäbe, die nicht rechnen könnten, den korrekten Kollegen aber das Leben schwer machten. Ihn als Funktionär treffe aber ein anderer Vorwurf. „Mich rufen Unternehmer an und fordern mich auf, gegen solche Billiganbieter etwas zu unternehmen. Das sei ja der Sinn eines Unternehmerverbandes. Leider kann ich niemandem vorschreiben, zu welchem Preis er arbeiten möchte. Freie Marktwirtschaft heißt auch, mit solchen Preisen umgehen zu lernen.“

Jahrelang galt der Grundsatz, es gäbe nicht genug Unternehmer mit Seilkränen für die viele Arbeit im Gebirge. Das scheint sich binnen kurzer Zeit gewandelt zu haben. Wie schon bei den Harvestern werden die gesunden Betriebe die finanzschwachen Firmen überdauern, aber nicht ohne zuvor Federn gelassen zu haben.

Anton Friedrich