ABO
Beim Dach selbst setzte Pollmeier ebenfalls ganz bewusst auf eine „Lösung in Holz“: Der Neubau bei Pollmeier in Creuzburg.

Pollmeiers Lösung „ganz in Holz“

Derzeit baut die Pollmeier Massivholz GmbH&Co. KG am Firmensitz in Creuzburg eine neue Lagerhalle. Mit einem Dachtragwerk aus Fachwerkbindern und Pfetten aus BauBuche sowie Fichte-LVL-Platten gelingt eine Überdachung ganz aus Holz. Dabei sind Pfetten und Platten zu Dachelementen verbunden, die als aussteifende Scheibe wirken und dadurch keine Windverbände benötigen.

„Für das Dachtragwerk des neuen Flächenlagers West der Firma Pollmeier in Creuzburg hätte man als Standardlösung auch Fachwerkträger aus Stahl oder Spannbeton in Kombination mit einer Trapezblech-Eindeckung wählen können“, erklärt Architekt Martin Seelinger (Seelinger+Seelinger Architekten+Ingenieure, Darmstadt) die häufig anzutreffende Materialwahl bei Hallen dieser Art und ergänzte: „Pollmeier wollte jedoch – wie bei seinen bisherigen Produktionshallen – Holzwerkstoffe verwenden.“ Weil in den letzten Jahren einige Hallenbauten renommierter Firmen und Architekten mit BauBuche-Fachwerkbindern ausgeführt wurden, lag die Wahl dieses Trägertyps auch bei der eigenen Halle nahe.

Fachwerträger aus BauBuche

Als statisches System wählten die Ingenieure den „Balken auf zwei Stützen“ in Reihung. So bilden BauBuche-Fachwerkträger auf eingespannten Stahlbeton-Fertigteilstützen, im Abstand von 7,20 m, das „tragende Skelett“ der fast 33 m breiten, 131 m langen und rund 15 m hohen Lagerhalle. Die Träger mit einer Länge von knapp 32 m sind fertigungs- und transportbedingt zweiteilig ausgeführt. Ein Montagestoß verbindet die beiden Hälften über ein spezielles Verbindungssystem aus Schlitzblechen und Stabdübeln (BSB-Verbindung). Eine leichte Neigung der Obergurte von der Hallenmitte zur Traufe bildet das erforderliche 2-%-Gefälle zur späteren Dachentwässerung aus.

Die präzise abgebundenen Einzelteile für die Binder wurden bei Pollmeier in Creuzburg als stabförmige Bauteile vorgefertigt und als Bausatz zu Holzbau Amann geliefert. Dort erfolgte der exakte Zuschnitt per CNC-Maschine, inklusive der Schlitze für die Bleche und Stabdübel-Vorbohrungen der Knotenverbindungen.

Dach wird ganz eine Lösung in Holz

Beim Dach selbst setzte Pollmeier ebenfalls ganz bewusst auf eine Lösung in Holz. Als Konstruktion bot sich eine Pi-Platten-Decke aus BauBuche-Pfetten und aufgeschraubten LVL-(Fichte-)Platten an (LVL – Laminated Veneer Lumber: Furnierschichtholz). Der Vorteil dieser Elemente besteht darin, dass sie zu einer Scheibe verbunden werden können und für die horizontale Aussteifung – anders als bei Trapezblech-Eindeckungen – keine zusätzlichen Windverbände benötigen.

Die Dachelemente sind im Hinblick auf ihre Tragfähigkeit äußerst materialsparend und damit sehr wirtschaftlich.
Bei der Holzbau Amann GmbH (Weilheim-Bannholz) erfolgte der exakte Zuschnitt per CNC-Maschine, inklusive der Schlitze für die Bleche und Stabdübel-Vorbohrungen. Foto: Pollmeier/Alex Schmitt, Daniel Gerteiser

Pi-Platten stellen auch im Hinblick auf Produktion und Montage eine optimale Lösung dar: Die Pfetten lassen sich einfach abbinden und mit den 39 mm dicken LVL-Platten schnell zu den gewünschten, tragfähigen Elementen verschrauben. Sie überspannen problemlos die 7,20 m zwischen den Fachwerkbindern. Ihre Breite von 1,82 m ergibt sich aus dem Standardmaß der LVL-Platte von Pollmeier. Das ermöglicht ein Pi-Platten-Element mit drei Pfetten-Balken im Abstand von etwa 90 cm.

Weil das Dach nur in bestimmten Feldern eine aussteifende Scheibe benötigt, ist es problemlos möglich, die Platten der Elemente in den Bereichen, wo sie keine Aussteifungsfunktion haben, auszuschneiden. Hier lassen sich ohne weiteres Aussparungen vorsehen.

Materialsparend und sehr wirtschaftlich

Insgesamt wurden etwa 324 Dachelemente gefertigt. Die Dachelemente sind im Hinblick auf ihre Tragfähigkeit äußerst materialsparend und damit sehr wirtschaftlich. Im Detail: Material 270 m³ BauBuche, 165 m³ Pollmeier Fichte LVL. 

Nach Fertigstellung des neuen Flächenlagers (Grundfläche 4.300 m²) werden dort vor allem die LVL-Platten aus Buche und Fichte gelagert. Die Logistik erfolgt dann vollautomatisch über Vakuumheber, die über eine Kranbahn die Halle auf ganzer Länge abfahren können.

Pollmeier/Susanne Jacob-Freitag/Red.

Auch interessant

von